Flammen lodern in der Brauerei

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Verpuffung bei der Michelsbräu, Verletzte auf dem Boden: Brandbekämpfung und Menschenrettung, etwa mit Hilfe des Gelenkmastes (links), standen im Mittelpunkt der Jahresabschlussübung der Feuerwehr.

Babenhausen ‐ Ein ohrenbetäubender Knall und dunkle Rauschschwaden, die über der Brauerei Michelsbräu in der Fahrstraße zum Himmel stiegen, ließen Schlimmes vermuten. Von Petra Grimm

Wer sich dem von Weitem dramatisch wirkenden Szenario allerdings näherte, erkannte sofort: Hier übt die Feuerwehr. Brennende Holzbalken und ein schaurig geschminkter „Verletzter“ lagen neben dem Brauereigebäude. Insgesamt neun Fahrzeuge mit 45 Feuerwehrleuten rasten zur Einsatzstelle.

Per Mikrofon erläuterte Pressesprecher Werner Flechsenhar den zahlreichen Schaulustigen das Geschehen, in dessen Mittelpunkt Brandbekämpfung und verschiedene Varianten der Menschenrettung standen. Die Stützpunkt-Feuerwehr hatte am Samstag zu ihrer Jahresabschlussübung Zuschauer ausdrücklich eingeladen, denn „wir möchten den Bürgern unserer Stadt ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, die Sicherheit, dass die Feuerwehr Babenhausen stets bereit ist und über die Möglichkeiten zur effektiven Brandbekämpfung und Menschenrettung verfügt“, so der Pressesprecher der rein ehrenamtlich, aber professionell arbeitenden Truppe.

Ein Montagetrupp der zu Reparaturarbeiten auf dem Brauereigelände eingesetzt ist, wird von einem plötzlich ausbrechenden Feuer und einer Verpuffung überrascht. Ein Gerüst, das für die Arbeiter gerade aufgebaut wurde, bricht durch die Wucht der Verpuffung zusammen und reißt einen Monteur mit in die Tiefe. Eingeklemmt liegt er unter den Gerüstteilen. Ein Baupolier irrt in erregtem Zustand herum, schafft es aber noch über den Notruf 112 die Feuerwehr zu alarmieren. Ausgelöst wurde der Übungsbrand durch Heißarbeiten an Isoliermaterial. Die Flammen breiten sich schnell aus. Fünf Monteure befinden sich noch in dem Gebäude und müssen gerettet werden“, beschreibt Werner Flechsenhar das Szenario der von Achim Frankenberger ausgearbeiteten und vorbereiteten Übung, die von Wehrführer Florian Sawallich geleitet wurde.

Verschiedene Rettungsmethoden dargestellt

Brandbekämpfung und Menschenrettung, etwa mit Hilfe des Gelenkmastes, standen im Mittelpunkt der Jahresabschlussübung der Feuerwehr.

Brandbekämpfung von außen und innen und die Lokalisierung der eingeschlossenen Personen laufen parallel ab. Interessant für die Zuschauer waren vor allem die verschiedenen Rettungsmethoden. So wurde der Gelenkmast in Stellung gebracht, als drei wild winkende und rufende Personen auf einem etwa acht Meter hohen Vorsprung auftauchten. Da ein Arbeiter wohl in Panik war und den Eindruck machte, er wolle sich durch einen Sprung in die Tiefe retten, wurde zugleich auch ein Sprungretter aufgebaut. Während die Feuerwehrleute mit den verängstigten Arbeitern redeten, um sie zu beruhigen und sie auf die geplante Rettung mit dem Gelenkmast hinwiesen, wurde der nicht alltägliche Rettungsweg über ein Sprungpolster vorbereitet. „Sollten weder Drehleiter, Gelenkmast noch tragbare Leitern zur Verfügung stehen, bleibt als Alternative immer noch der Einsatz des Sprungpolsters. Wegen der Größe, des Gewichts und der sicheren Handhabung werden Sprungpolster generell etwas abseits der Einsatzstelle aufgebaut“, erklärte Flechsenhar. Wenn ein solches Sprungpolster direkt unter einem Fenster aufgebaut wird, aus dem sich ein Mensch vor laut Angst stürzen möchte, besteht außerdem immer die Gefahr, dass der Verzweifelte springt, während das Polster noch aufgebaut wird und sich dabei schwer verletzt. Erst wenn das Sprungpolster, das für einen Sprung aus maximal 16 Metern Höhe geeignet ist, komplett mit Luft gefüllt ist, wird es dort positioniert, wo man es braucht. „Es kann immer nur eine Person den Sprungretter benutzen“, so Flechsenhar, während eine Übungspuppe auf dem 3,8 auf 3,8 Meter großen und 1,7 Meter hohen Luftkissen landete. Die anderen beiden Arbeiter werden mit dem Gelenkmast sicher auf die Erde befördert.

Zwei der Vermissten wurden aus dem brennenden Gebäude mit Hilfe von so genannten Fluchthauben in Sicherheit gebracht. „Die Fluchthauben bedecken den gesamten Kopfbereich und verfügen über ein großes Sichtfenster und eine Filterpatrone, die eine Tragedauer von etwa 15 Minuten ermöglicht. Gefährliche Rauchgase werden durch die Filterpatrone von den Atemwegen fern gehalten“, sagte Flechsenhar. Neben der Rettung der Menschen gelang es den Feuerwehrleuten auch, routiniert das Feuer unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Die Zuschauer, darunter auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Stadtbrandinspektor Mario Wörner und Kreisbrandmeister Sven Steiger, konnten sich von den Fähigkeiten der Floriansjünger überzeugen, die zudem ein neues Fahrzeug in Dienst stellten und ihren geselligen Abschlussabend mit Ehrungen feierten.

Quelle: op-online.de

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