„Neben dir brennt’s“

Antonio Sirna mit einer der angeschmolzenen Mülltonnen in seinem Garten.

Babenhausen - Es ist Freitagabend, Ilona Sirna hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht. Sie schaut Fernsehen und ahnt noch nicht, dass alles, was sie in den nächsten Stunden erleben wird, schlimmer sein wird als jeder Film. Von Katharina Hempel

Nur die Hauswand und eine Hofeinfahrt trennen ihr Sofa von der Lagerhalle der Brauerei Michelsbräu, die Feuer gefangen hat.

„Ich war alleine zuhause, es waren zehn, 15 Minuten nach 19 Uhr“, erinnert sich die Babenhäuserin, „ich war im Wohnzimmer und habe nichts gemerkt.“ Auf einmal hört sie ihren Cousin, der zufällig vorbeifuhr, von draußen rufen: „Ilona, komm raus und bring dein Handy mit! Neben dir brennt’s!“ Die 56-Jährige glaubt an einen schlechten Scherz. Trotzdem schnappt sie ihr Mobiltelefon und rennt auf die Straße. „Als ich aus dem Haus kam, war schon alles voller Qualm. Der war so schwarz, dass ich die Häuser am anderen Ende des Platzes nicht mehr gesehen habe“, erzählt Ilona Sirna. Sofort alarmiert sie die Feuerwehr. Während sie wartet, knallt es. Gasflaschen explodieren. „Ich dachte, jetzt fliegt alles in die Luft.“

Ilona Sirna beobachtet das Inferno aus sicherer Entfernung

Es vergehen nach dem Notruf keine fünf Minuten bis die ersten Löschfahrzeuge auf den Spessartplatz zum Stehen kommen. Um zu verhindern, dass das Feuer übergreift, bewässern die Feuerwehrmänner das Haus der Sirnas, auf das der Wind pausenlos die Flammen treibt.

Ilona Sirna beobachtet das Inferno aus sicherer Entfernung. Die besorgten Nachbarn umarmen sie, bringen ihr Getränke. „Sie haben sich wirklich rührend um mich gekümmert. Und ich konnte nur mein Vertrauen in die Feuerwehr legen und hoffen, dass es ihnen gelingen würde, unsere Existenz zu retten. Die Männer haben wirklich fantastische Arbeit geleistet. Bis spät in die Nacht.“ Ihr Mann Antonio kann sich dem Lob nur anschließen.

Stadtbrandinspektor Mario Wörner sagt später: „Wäre die Feuerwehr zwei Minuten später alarmiert worden, wir hätten nichts mehr machen können.“ Dank des zufällig vorbeifahrenden Cousins, sind die Betroffenen am Spessartplatz mit dem Schrecken davon gekommen. Ein Anwohner meldete der Polizei bisher Schäden an seinem Auto und seinem Dachstuhl.

„Es war so ein Schreck“

Bei Familie Sirna sind die Mülltonnen und Rolläden angeschmolzen, die Fenster gesprungen und verzogen, die Dachrinnen versengt. Außerdem hat sich die Dämmung an der Außenwand im Schlafzimmer gelöst. Das sind die gröbsten Schäden, die die Hitze der Flammen bei ihnen angerichtet hat. Ein Gutachter war schon bei ihnen. Seine Schätzung liegt jedoch noch nicht vor.

Antonio Sirna mit einer der angeschmolzenen Mülltonnen in seinem Garten.

Die Nacht von Freitag auf Samstag übernachtete die Familie in der Wohnung des ältesten Sohnes. „Dann haben mein Mann und ich wieder hier geschlafen. Die Kinder nicht, die hat der Rauchgeruch noch zu sehr gestört“, sagt Ilona Sirna. Doch kräftiges Lüften hat den Gestank mittlerweile vertrieben.
Außen ist das Haus der Sirnas noch von einer leichten Rußschicht bedeckt. An Regenrinne und Fassade sind schwarze Wasserspuren getrocknet, und der ehemals weiße Briefkasten hat eine gräuliche Färbung angenommen. Drinnen müssen Ilona und Antonio Sirna bald von neuem anfangen zu renovieren. „Dabei sind wir gerade erst fertig geworden. Aber es hätte alles viel schlimmer kommen können“, sagen sie.

„Es war so ein Schreck. Aber ich war Gott sei Dank alleine zuhause“, sagt Ilona Sirna, „und zum Glück waren keine Menschenleben gefährdet. Die was-wäre-wenn-Gedanken kommen jetzt erst im Nachhinein.“

Quelle: op-online.de

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