Fledermausschau

Nachtflieger über Babenhausen

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Auf die Spur von Fledermäusen begibt sich eine Gruppe Neugieriger bei einer Führung. An der Babenhäuser Stadtmauer auf Fledermausschau.

Babenhausen - Fledermäuse fressen Insekten, die sie in der Regel beim Fliegen schnappen. Bei Regen sind kaum Insekten in der Luft, was zur Folge hat, dass Fledermäuse ebenfalls rar sind. Von Michael Just 

So war die Ausgangslage beim derzeitigen April-Wetter alles andere als optimal, dass der Nabu Langstadt bei seiner Exkursion „Fledermäuse an der Gersprenz“ die kleinen Säuger zu Gesicht bekommt - oder zumindest mit den mitgebrachten Detektoren hört. Der Treffpunkt um 8 Uhr an der Babenhäuser Stadtkirche ließ gerade mal eine Handvoll Interessierter zusammenkommen. Für Dirk Alexander Diehl keine Überraschung: „Während unsere Vorträge eine sehr gute Resonanz erfahren, für die wir manchmal wegen Platzmangel sogar noch kurzfristig umziehen müssen, hinken die Exkursionen dem deutlich hinterher“, weiß der Langstädter Nabu-Vorsitzende.

Vor allem die Fledermaus-Beobachtungen werden laut dem Diplom-Biologen heute nicht mehr als „sensationell“ angesehen. Das sei in den 1990er Jahren noch anders gewesen, als zum Teil über 100 Personen kamen. In jene Zeit fiel auch die Wende, als die Ultraschall-Empfänger zum Orten der Fledermaus-Rufe - nach zuvor horrenden Preisen - für die Nabu-Gruppen endlich erschwinglich wurden. Seit vielen Jahren beschäftigt sich Diehl mit Fledertieren, dazu hat er schon unzählige verletzte Exemplare wieder aufgepeppelt. „16 Fledermausarten leben im Landkreis. Die kleine Hufeisennase und die Nordfledermaus gelten in unserer Region als ausgestorben“, erläuterte Diehl. Die hier am häufigsten vorkommende Art sei die Zwergfledermaus, die größte das große Mausohr.

Blutsauger in der Stadtkirche

Ende Mai bis Mitte Juni bringen Fledermäuse ein Junges zur Welt. In den sogenannten „Wochenstuben“ ziehen die Weibchen manchmal in riesigen Kolonien den Nachwuchs groß. Eine der bedeutendsten in Hessen, mit weit über 1000 Mausohren, befindet sich im Bahnhof von Mömling-Grumbach. Im Säulensaal des Babenhäuser Schlosses war früher ebenfalls eine kleine Gruppe von Fledermäusen beheimatet. Diese löste sich Ende der 1970er Jahre aber auf. Auch in der Stadtkirche fühlten sich die vermeintlichen Blutsauger einst wohl. Wie sich Dirk Alexander Diehl erinnert, hätten sie früher dem Kirchendiener regelmäßig Sorgen bereitet, als sie in den Bewegungsmelder flatterten und dadurch die Alarmanlage für den spätmittelalterlichen Flügelaltar auslösten. In letzter Zeit seien die Fledermäuse aber aus dem Gotteshaus abgezogen. Apropos Blutsauger: Die bei uns heimischen Arten betätigen sich ausschließlich als Insektenjäger. In Südamerika gibt es aber Vampirfledermäuse, die es auf das Blut anderer Tiere abgesehen haben.

Da Babenhausen nicht Südamerika ist, konnte die Nabu-Gruppe mit Einbruch der Dunkelheit dann angstfrei auf Fledermaus-Entdeckung gehen. An der Stadtmauer, genauer gesagt am Sandweg, dauerte es gar nicht lange, bis der Detektor Diehls das Echo-Ortungssystem der Fledermäuse auffing und mit knackenden Lauten den Überflug eines Abendseglers anzeigte. Da die Tiere in der Dunkelheit nur schemenhaft zu sehen sind, ist die Artbestimmung nicht immer einfach. Zum Teil können dabei die Detektoren helfen, da die Säugetiere in verschiedenen Frequenzen senden. Dem Hinweis eines Teilnehmers, dass in seinem Garten stets reichlich Fledermäuse flattern, kam die Gruppe mit einem Besuch des Grundstücks nach.

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Tatsächlich zeigte sich dort Flugbetrieb. Die Zwergfledermaus und der Abendsegler waren erneut zu hören und zu sehen. Einige Male flogen sie ganz dicht über die Köpfe hinweg. Als Höhepunkt tauchte die Mückenfledermaus auf. Erst Ende der 1990er Jahre identifizierte man sie als eigene Art. Damals war aufgefallen, dass es Individuen der Zwergfledermaus gibt, die in vergleichbaren Flugsituationen verschiedene Rufe senden. Die lagen entweder um die 45 kHz oder bei 55 kHz. Die genetische Untersuchungen bestätigten dann den Verdacht: In der Zwergfledermaus steckt eine zweite Art. Das Auseinanderhalten fällt ohne Ortungsmerkmale schwer: Das gilt vor allem für die Weibchen. Bei den Männchen können zumindest die Geschlechtsmerkmale helfen. „Der Nachweis der Mückenfledermaus heute Abend ist besonders erfreulich. Für Babenhausen gibt es bisher kaum Befunde dieser Art“, sagte Diehl. Auf dem Rückweg machte die Gruppe dann noch eine Zwergfledermaus aus, die wohl auf Brautschau war. Zwischen den Ortungslauten waren immer wieder laute „Zick“-Rufe zu hören. Mittels der technischen Zeitdehnung ihrer Laute durch die Detektoren, entpuppten sich diese Triller als klangvolle Sozialrufe, die die Tiere beispielsweise zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht nutzen. „Trotz der Kühle insgesamt ein schöner Abend“, lautete zurück am Ausgangspunkt das Fazit der Fledermaus-Entdecker.

Quelle: op-online.de

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