Eingespieltes Team bereitet Schlachtfest-Speisen in Harpertshausen zu

Fleisch-Genuss aus Tradition

Die 120 halben Schweineköpfe wurden vom Schlachtfest-Vorbereitungsteam (von links) Bodo Scholz, Wilhelm und Ingrid Kühnle und Christoph Oesswein in einem großen Kessel gekocht. Fotos: PG

Harpertshausen – Die Tische im Gastraum des Harpertshäuser Feuerwehrhauses und in der Fahrzeughalle sind bereits eine halbe Stunde nach Veranstaltungsbeginn fast alle besetzt. Einige Gäste kommen sogar vor dem offiziellen Start des Schlachtfestes, um sich einen Platz zu sichern. VON PETRA GRIMM

Vor ihnen dampfen gut gefüllte Teller mit Würsten, Wellfleisch, Sauerkraut und Kartoffelbrei. Wer dieses traditionelle Essen mag, ist inzwischen auf solche Vereinsfeste angewiesen. In Gaststätten oder auch bei Metzgern sind frische Schlachtplatten kaum noch im Angebot, bei der Harpertshäuser Feuerwehr seit über 20 Jahren. Deshalb kommt etwa die Hälfte der Besucher auch aus der Umgebung, um es sich in der geselligen Runde schmecken zu lassen.

Für das Küchenteam ist das Schlachtfest am Samstagabend der Abschluss eines vielstündigen Arbeitseinsatzes, der bereits am Freitagnachmittag beginnt. Seit das Fest zum Veranstaltungskalender der Brandschützer gehört, leisten Bodo Scholz, Wilhelm Kühnle und seine Ehefrau Ingrid gemeinsam und ehrenamtlich die Vorarbeiten zum großen Schlemmen, bei dem sie dann auch die Teller der Gäste füllen. Bevor es allerdings so weit ist, werden am Vortag des Festes bei Familie Kühnle 120 halbe Schweineköpfe gekocht und dann zerlegt, um das Fleisch von den Knochen zu lösen. Das beliebte Wellfleisch sind die Backen.

„Begonnen haben wir mit 80 Portionen, aber die waren immer schnell ausverkauft. Es gab am Anfang auch keinen Kartoffelbrei, sondern Brot zum Fleisch und Kraut“, erzählt Scholz. Er ist gelernter Koch und verarbeitet für die Beilage frisches Sauerkraut und die von Ingrid Kühnle mit Unterstützung ihrer Freundin Sonya Hamann geschälten Kartoffelberge zu Brei. Die Blut- und Leberwürste werden von Metzger Wilhelm Kühnle, der seit gut zwei Jahren im Ruhestand ist, selbst hergestellt. Mit Pfeffer, Nelke, Salz und Majoran ganz traditionell gewürzt werden sie am Samstagvormittag frisch zubereitet. In diesem Jahr hilft der junge Metzgermeister Christoph Oesswein mit. „Er ist der Freund unserer Tochter und wird als Nachfolger für mich angelernt“, scherzt Wilhelm Kühnle. Was zu Protesten von Scholz führt: „Du willst doch nicht etwa aufhören?“ Nein, ans Aufhören denkt das fröhliche, zupackende Team nicht. Die gemeinsame Arbeit für das Schlachtfest mache ihnen Spaß und spüle ja auch Geld in die Vereinskasse. „Das kommt der Bevölkerung in Form von Anschaffungen der Feuerwehr dann auch wieder zu Gute“, sagt Scholz, der zweiter Vereinsvorsitzender und Mitglied der Einsatzabteilung ist.

Als Wilhelm Kühnle, früher aktiver Feuerwehrmann und inzwischen Ehrenmitglied der Brandschützer, noch nicht im Ruhestand war und freitags noch arbeiten musste, begannen die Vorbereitungen für ihn und seine Frau üblicherweise in der Nacht von Freitag auf Samstag um 2 Uhr. „Der Bodo ist dann immer zwischen vier und fünf Uhr dazugestoßen“, erinnert sich Ingrid Kühnle, die als gelernte Fleischerfachverkäuferin das Team gut ergänzt. „Einmal waren wir für das Schlachtfest 24 Stunden auf den Beinen“, erinnert sie sich.

Auf den Protestbrief der Tierschutzorganisation PETA aus Stuttgart, die den Verein aufgefordert hat, an Stelle des Schlachtfestes ein „Veggie-Fest“ mit fleischlosen Würsten zu feiern, die die Organisation sogar spenden würde, reagieren die drei, ebenso wie der Feuerwehrvorsitzende Bernd Sauerwein, eher mit Unverständnis. Sie sehen an ihrem Schaffen nichts Schlechtes und freuen sich, „dass es den Leuten schmeckt“. Dass der missionarische Eifer der Tierschützer ausgerechnet auf ihr Fest ziele, ist für die Feuerwehrleute nicht nachvollziehbar.

Quelle: op-online.de

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