Flexibel in der Stadt unterwegs

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In Ober-Ramstadt beispielsweise gibt es das Projekt midkom bereits. Spezielle Busse nehmen die Fahrgäste auf.

Babenhausen ‐ „Die Freien Wähler haben damals den Anstoß für das midkom-Projekt gegeben. Wenn ich das Interesse der Bevölkerung heute Abend aber sehe, muss ich mich fragen, ob die Sache später wirklich genutzt wird“, sagte Kurt Lambert nachdenklich. Von Michael Just

Am Montagabend wurde die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für „midkom - Mobilität in den Kommunen“ vorgestellt. Anders als bei der Diskussion über den Ausbau der B 26, wo das Interesse gewaltig war, verloren sich im Sitzungssaal des Rathauses nur eine Handvoll Personen.

Bei „midkom“ geht es darum, die Mobilität für alle Menschen in Babenhausen, insbesondere aber die von Senioren, Jugendlichen oder Behinderten zu verbessern. Innerhalb der Stadtgrenzen soll dafür ein flexibles Transportsystem mit einem subventionierten Fahrpreis greifen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen ein kleiner „Bürgerbus“, der von ehrenamtlichen Helfern gefahren wird, zum anderen die Kooperation mit einem lokalen Taxiunternehmen, das als sogenanntes Anrufsammeltaxi (AST) verbilligte Fahrten anbietet. Fahrtwünsche werden vorher telefonisch bei einer Zentrale angemeldet.

Als das Projekt vor rund zweieinhalb Jahren vorgeschlagen wurde, wollte man im Rathaus zuerst eine Machbarkeitsstudie abwarten, ob sich die Idee für Babenhausen überhaupt rentiert. Die liegt nun vor und wurde von der Telenet AG in Vertretung von Horst Benz vorgestellt.

Kernfrage sind die Kosten

„Ja, es ist sinnvoll“, lautet sein Gesamtergebnis, das vor allem aufgrund der zahlreichen Stadtteile und der damit verbundenen Siedlungsstruktur zustande kommt. Benz beruft sich zusätzlich auf Befragungen von Bürgern und eine Auswertung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Letzterer weist vor allem bei der Verbindung zwischen den Stadtteilen als auch in die Kernstadt Defizite auf. „Zum Teil muss zweimal umgestiegen werden. Abends sowie am Wochenende werden gar keine Fahrten angeboten“, führt er an. Das schränke das Einkaufen, die medizinische Versorgung oder auch die Möglichkeit, die Bahnhöfe zu erreichen, ein. Laut dem Referenten soll „midkom“ zum ÖPNV keine Konkurrenz darstellen, sondern diesen ergänzen.

Eine wichtige Kernfrage sind die Kosten. Die erwiesen sich am Montagabend geringer als angenommen. Die Einführungsausgaben belaufen sich bei einem Bürgerbus auf unter 10 000 Euro - die Anschaffungskosten für das Fahrzeug sind darin aber noch nicht enthalten. Auch die anderen Rechenbeispiele der Betriebskosten für Bus und AST zusammen überschreiten nicht die 20 000 Euro Marke und sinken mit jedem Betriebsjahr. Die Anrufzentrale will Benz einer sozialen Einrichtung übertragen, beim AST könne sie auch über das Taxiunternehmen laufen. Wie er sagt, seien die angeführten Kosten durch Sponsoren oder Zuschüsse des Kreises, der für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig ist, senkbar.

„Nach den Sommerferien wissen wir mehr“

Vor allem in der älteren Bevölkerung hegt man große Hoffnungen auf die Einführungen des midkom-Projekts, wie ein Vertreter des Seniorenheims Bethesda in Harreshausen heraushob. Auch behinderte Babenhäuser wünschen sich die Verwirklichung, um ihre Mobilität zu verbessern. In letztem Fall würde sich die Bus-Variante eignen, da sie mehr Möglichkeiten für eine behindertengerechte Ausstattung, beispielsweise mit einer Rampe, bietet. Die Fahrtkosten liegen in den Berechnungen von Benz für eine einfache Fahrt bei etwas mehr als zwei Euro.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte, dass sie das midkom-Projekt unterstütze. Mit Blick auf den demographischen Wandel und einer immer älter werdenden Bevölkerung sieht sie darin ein sinnvolles Angebot. Als nächsten Schritt will sie den Kreis kontaktieren und dessen Beteiligungsmöglichkeiten erfragen. „Vielleicht kann man dadurch gar unrentable Busstrecken ersetzen“, denkt Coutandin. Nachdem sich der Kreis geäußert hat, soll dessen Antwort geprüft und wohl eine Magistratsvorlage erfolgen. „Nach den Sommerferien wissen wir mehr“, so die Bürgermeisterin.

Quelle: op-online.de

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