Nach Einstiegsqualifizierung Ausbildung begonnen

Flüchtlinge bei Continental: Direkt ins zweite Lehrjahr

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Continental-Ausbildungsleiter Wolfgang Michel (hinten) und Ausbilder Manfred Becker (rechts) mit vier ihrer Azubis an einer Fräsmaschine. Die einst aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Pakistan geflohenen jungen Männer lassen sich zum Verfahrens- beziehungsweise Werkzeugmechaniker ausbilden.

Babenhausen - Viel Willen haben die vier jungen Männer, die aus ihren Heimatländern flüchteten, in den vergangenen Monaten an den Tag gelegt, um nun bei Continental eine Ausbildung beginnen zu können. Von Norman Körtge

Yousef Al Ghazi studierte in Damaskus Jura. Sechs Semester lang. Dann kam der Bürgerkrieg. Im November 2014 floh er mit seiner Familie aus Syrien. Mittlerweile wohnen sie in Harreshausen. Ihr Leben, ihre Perspektive haben sich seitdem fundamental geändert. Al Ghazi, 24 Jahre alt, sitzt nicht mehr in universitären Hörsälen, sondern steht an Werkbänken beim Unternehmen Continental in Babenhausen. Vor wenigen Tagen hat er dort seine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik begonnen. Das Handwerkliche liegt ihm. Jura habe er nur angefangen zu studieren, weil es seine Eltern gewollt haben. Er hatte sich zunächst auch an der Universität in Frankfurt umgesehen und in der Bibliothek juristische Fachbücher gelesen – aber: „Diese Sprache ist so schwer zu verstehen“, sagt er in gutem Deutsch. Die ihm bei Continental vor einem Jahr gebotene Chance, eine Einstiegsqualifizierung zu durchlaufen, habe er dankbar angenommen. Wie auch die Afghanen Asad Qassemi und Naim Hosseini, der Pakistaner Nabeel Hassan und der Somalier Khalid Yusuf.

Zufrieden sind auch Continental-Ausbildungsleiter Wolfgang Michel und Ausbilder Manfred Becker. Beide attestierten den jungen Männern, Hassan und Yusuf kamen als sogenannte unbegleitete jugendliche Flüchtlinge nach Deutschland, jeweils einen großen Willen und sie seien sehr motiviert. Deutschlandweit habe Continental im vergangenen Jahr 50 Flüchtlinge, vornehmlich zunächst in Qualifizierungsmaßnahmen, eingestellt. Fünf insgesamt in Babenhausen. Vorausgegangen war ein 14-tägiges Praktikum, um auszutesten, ob es passt. Vermittelt wurden sie durch Kontakte zur Arbeitsagentur, der IHK und Mitarbeitern, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit betätigen.

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Dass dies keine karitative Maßnahme ist, hebt Katharina Moers, eine von zwei sogenannten Flüchtlingscoaches bei der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar, hervor: „Es geht ganz deutlich um die Reduzierung vom Fachkräftemangel.“ Wie Michel ergänzt, hätten am Standort Babenhausen zwar alle 23 Ausbildungsplätze und die acht Dualen-Studienplätze besetzt werden können, allerdings sei es schwieriger geworden als noch vor ein paar Jahren. Moers betont außerdem, dass auch die Geflüchteten einen anspruchsvollen Test bestehen mussten, der allerdings, wie Ausbildungsleiter Michel erklärt, in verschiedenen Sprachen, unter anderem Arabisch und Persisch, angeboten wird. Zudem seien spezielle Fachwörterbücher mit Bildern angeschafft worden. Da die Flüchtlinge zuvor unter anderem die Merianschule in Seligenstadt oder die Landrat-Gruber-Schule in Dieburg besucht und dort Deutsch gelernt hätten, gab es keine Verständigungsprobleme. Er spreche sogar lieber Deutsch als Englisch, wirft Yusuf ein, der sich zum Werkzeugmechaniker ausbilden lässt.

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Becker, der seit 36 Jahren junge Menschen bei Continental ausbildet, hat die Geflüchteten ins Herz geschlossen. Unter anderem, weil sie bereits ein gemeinsames Frühstück mit Zutaten aus ihren Heimatländern hatten. Die vor einem Jahr begonnene Integration in das erste Ausbildungsjahr sei erfolgreich gewesen. Sehr erfolgreich sogar, wie Qassemi eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Der 26-Jährige paukte am Ende der Qualifizierung so eifrig, dass er die Prüfung bestand und nun direkt ins zweite Ausbildungsjahr wechselt.

Die jungen Männer haben rosige Zukunftsaussichten. Am Ende einer erfolgreichen Ausbildung winkt die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis – Standard bei Continental in Babenhausen.

Quelle: op-online.de

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