Flugplatz 

Seit 100 Jahren im Auf- und Abwind

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LSC-Vorsitzende Wulf Heintzenberg beleuchtet die Geschichte des Babenhäuser Flugplatzes.

Babenhausen - Am 24. Januar 1913 landete erstmals ein Luftschiff auf dem „Exert“, wie der Exerzierplatz hinter der Babenhäuser Kaserne genannt wurde. Es war die erste Luftfahrtnutzung des Geländes südlich des Ostheimer Weges. Von Petra Grimm

Der Babenhäuser Flugplatz, der heute vom Luftsportclub (LSC) betrieben wird, blickt auf eine hundertjährige, wechselhafte Geschichte zurück. Einen Abriss dieser Historie, gewürzt mit zahlreichen alten Bildern und Karten, lieferte der LSC-Vorsitzende Wulf Heintzenberg auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins am Freitagabend in der Stadtmühle.

Dass dieser Flugplatz an der Straße nach Schaafheim nicht losgelöst von der Kaserne, deren Grundstein 1900 gelegt wurde, betrachtet werden kann, betonte Ine Reichart vom Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins. So war auch die wechselhafte Belegung der Kaserne Gegenstand des Vortrags.

Seit 1920ern intensiv als Fluggelände genutzt

Als Sportgelände wurde der ehemalige Exerzierplatz auch genutzt, wie in der Jubiläumsschrift des SV Germania 1912 über die Anfangsjahre des Vereins nachzulesen ist: „Sonntags marschierte der neue Klub im Dress vom Vereinslokal zum Sportfeld, das sich auf dem Exert am Trompeterwäldchen befand.“ Eine intensive Nutzung als Fluggelände begann in den 20er Jahren, denn ab 1923 schulte auf dem Exerzierplatz die Akademische Fliegergruppe Darmstadt. „Weil der August-Euler-Flugplatz in Griesheim in die entmilitarisierte Zone fiel und kein anderes geeignetes Gelände in der Nähe von Darmstadt zu finden war“, sagte Heintzenberg. Ein altes Foto vom 29. Oktober 1924 zeigt Albert Bosch mit einem Segelflugzeug mit 3,5 PS Hilfsmotor, der in dreieinhalb Stunden nonstop die rund 500 Kilometer von Babenhausen nach Berlin flog. „In dieser Zeit fanden auch die ersten Flugtage in Babenhausen statt“, sagte Heintzenberg. Bis ins Jahr 2001 lockten sie in regelmäßigen Abständen teilweise über 5000 Besucher an.

An den Großflugtag am 13.August 1933 hat die frühere Stadtarchivarin Ria Fischer noch lebhafte Erinnerungen: „Da war ich als Kind dabei, alle hatten schulfrei und haben eine Brezel bekommen“. 1934 wurde das erste Segelflugzeug auf den Namen „Stadt Babenhausen“ getauft. Das gab es dann in der jüngeren Geschichte noch öfter.

1937 wurde die erste Segelflugwinde der Welt von Ernst Jachtmann in Babenhausen gebaut und ausprobiert. Ab 1938 wurden auch Flugprüfungen abgelegt. Ein Jahr später wurde Babenhausen offiziell militärischer Feldflugplatz und 1940 Einsatzhafen.

Fast ein zweiter Flughafen

Babenhausen hätte kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs zwischen Harreshausen und Stockstadt fast einen zweiten Flughafen bekommen: „Im Eichen“ wurde eine rund 1,5 Kilometer lange Startbahn für Messerschmidt Me 262 und Arado Ar 234 gebaut. Heintzenberg zitierte Franz Held aus Groß-Zimmern, der als Jugendlicher beim Bau mithelfen musste. Er erinnerte sich: „…dass die Bauzeit höchstens zwei bis drei Wochen betrug. Als die Bahn fast fertig war, kam ein Pulk Marauder und bombte alles kurz und klein“. Alliierte Luftbilder belegen den Bau zwischen dem 14. Februar und dem 14. März 1945.

Im Zweiten Weltkrieg waren sowjetische Kriegsgefangene auf dem Kasernengelände untergebracht und kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner am 25. März 1945 etwa 400 kriegsgefangene Schwarzafrikaner. „Zu den ehemaligen Kriegsgefangenen kamen dann ehemalige Zwangsarbeiter, jetzt DPs genannt“, sagte der Referent.

Ab dem 11. Juli 1945 sind die Kaserne und der Exerzierplatz streng bewachtes Gefangenenlager der US-Armee mit bis zu 30 000 ehemaligen deutschen Soldaten. Die Überreste der steinernen Ablaufrinne vom Waschplatz des Gefangenenlagers sind noch heute im Boden zu sehen. Im Mai 1947 wird das Lager von der UNRRA, der UN Behörde für Hilfe und Wiederaufbau, übernommen. Daran schließt sich nahtlos ein Flüchtlingslager bis 1950 an.

Am 7.August 1951 wird die Kaserne offiziell amerikanische Garnison. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz wird die Start- und Landebahn gebaut, wie sie noch heute erhalten ist, und die Amerikaner stationierten die ersten Flugzeuge. Ein wichtiges Datum für die Babenhäuser Flugsportfreunde fiel ebenfalls in das Jahr 1951. Denn am 5. Mai wird er LSC gegründet. Geflogen wird in den ersten Jahren vom Ausweichquartier in Ringheim aus. Heintzenberg berichtete von einigem Hin und Her wegen der Platzzulassung durch die US-Army, die sogar den deutschen Bundestag beschäftigte. Ab 1959 dürfen schließlich Segelflugzeuge und ab 1968 dann auch motorgetriebene Flugzeuge starten. Inzwischen gibt es eine Genehmigung zum Sonderlandeplatz.

6500 Starts und Landungen pro Jahr

„Die letzte Änderung war am 13. Februar 2013. Nun ist es möglich, dass uns auch fremde, das heißt nicht in Babenhausen stationierte Piloten besuchen können“, sagte der LSC-Vorsitzende. Der Vorstand habe einmütig beschlossen, diese Regelung sehr restriktiv zu handhaben. Die Gesamtzahl der Flugbewegungen ist auf 6500 Starts und Landungen pro Jahr beschränkt. Zur Zeit sind auf dem Flugplatz acht Segelflugzeuge, vier Motorsegler, vier Ultraleicht-Flugzeuge und zehn Motorflugzeuge stationiert.

Zum Abschluss seines Vortrags informierte Heintzenberg noch über Erfolge und Aktivitäten des LSC in den vergangenen Jahren.

Quelle: op-online.de

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