Fotograf Reinhold Blaha erklärt die Spiegelreflexkamera

Foto-Walk durch die Altstadt: „Das A und O ist das Licht“

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Nicht nur draufhalten und abdrücken: Beim Foto-Spaziergang kam es auf die richtige manuelle Einstellung an, die der Fotograf Reinhold Blaha (rechts) vermittelte.

Babenhausen - Fotografieren ist heutzutage kinderleicht: Einfach die Automatik-Funktion an der Kamera wählen und den Auslöser drücken. Beim zweiten Foto-Rundgang erklärte der Babenhäuser Fotograf Reinhold Blaha, wie man manuell die besten Ergebnisse erzielt. Von Michael Just

Auf den ersten Blick wirken die beiden Gruppen, die am Samstagmorgen und -nachmittag mit ihren großen Kameras durch die Innenstadt laufen, wie Touristen. Doch fotografiert werden eher unbedeutende Objekte. Dazu wird dauernd an den Rädchen der Kameras geschraubt. „So, jetzt stellt ihr mal ISO 100, Blende 8 und Belichtung 1/250 ein. Was fällt euch auf?“, fragt der Fachmann Reinhold Blaha beim Ablichten eines Straßenschilds, das im Schatten liegt. „Das Ergebnis ist zu dunkel“, stellt die Gruppe kurz darauf fest. In diesem Fall passen Blende, Verschlusszeit und ISO-Zahl – letztere wird trotz digitalem Zeitalter immer noch als „Filmempfindlichkeit“ bezeichnet – nicht zusammen.

Um Fotofreunden das Abstimmen beizubringen, bot der städtische i-Punkt vor vier Wochen den ersten Fotowalk an. Die Premiere war mit zwölf Personen so gut besucht, dass man sich schon am vergangenem Wochenende zur Neuauflage entschloss. Diesmal waren zwei Spaziergänge mit je sechs Teilnehmer geplant. Damit konnte Blaha noch individueller auf die Teilnehmer eingehen. Die Leitung oblag wie zuvor dem 47-Jährigen: Hauptberuflich arbeitet er nicht als Fotograf, sondern in der Qualitätssicherung von Continental. Sein Hobby betreibt er aber so intensiv, dass er als Profi gilt. Er weiß auch um alte, unverrückbare Fotoweisheiten wie zum Beispiel „Wenn die Sonne lacht, Blende acht. Parallel gilt eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunde als sicherer Wert, da bei allem darunter Verwacklungsgefahr besteht. In diesem Fall rät Blaha zum Stativ. Wie schon bei der ersten Veranstaltung nutzten viele Teilnehmer das Angebot, um sich zum ersten Mal fundiert mit ihren nicht ganz billigen Spiegelreflexkameras auseinanderzusetzen. Das traf in gewisser Weise auch auf Gerald Unrein (60) aus Dudenhofen zu. Der Angestellte hat schon immer gerne fotografiert und wird in seinem Verein gerne als Chronist „verhaftet“. Trotzdem blieb das Ausprobieren bisher meist auf der Strecke: „Gerade bei Städtereisen will die Gruppe ja immer schnell weiter“, führt Unrein schmunzelnd zum Zeitproblem im Urlaub an.

Wenn's mehr als ein Schnappschuss sein soll

Anhand zahlreicher Fallbeispiele lehrte Blaha die Teilnehmer Grundlegendes über die Fotografie wie „Das A und O ist das Licht“ und die Wechselwirkung von Blende, Verschlusszeit und ISO-Zahl. Anhand dieser drei Grundkomponenten wird die Belichtung gesteuert. Am Tage ist die ISO-Zahl in der Regel mit dem Wert 100 eingestellt. Das sollte nur in Ausnahmesituationen, etwa bei Dunkelheit, verändert werden. Dass einige nicht wussten, wo die ISO-Zahl justiert wird, zeigte auf, dass das Wissen vieler Kamerabesitzer über ihr Modell unzureichend ist. „Im Vorfeld hatte ich große Bedenken, dass sich die anderen alle besser auskennen als ich“, äußerte eine Frau. Das war aber nicht der Fall und belegte, dass der i-Punkt mit seinem Fotowalk ins Schwarze traf. So hielt der zweieinhalbstündige Rundgang für die meisten einen Aha-Effekt zu den Grundlagen der Fotografie bereit. Dazu gab es viele weitere Tipps und Erklärungen, etwa zur Sensorreinigung oder zur Benutzung von Filtern. Neben Basiswissen dürfte der Rundgang einen Vorteil bringen, wenn bei schwierigen Lichtverhältnissen die Automatik an ihre Grenzen stößt. Dann wissen die Teilnehmer jetzt, wie sie manuell vielleicht das bessere Bild erzeugen. Ob die Teilnehmer fortan mehr manuell oder automatisch fotografieren, unterliegt der persönlichen Entscheidung. Ängste, dass die Bilder durch Einstellen von Hand nichts werden, braucht keiner zu haben: Im Sucher zeigt die Belichtungsskala mit „+“ oder „–„ eine mögliche Über- oder Unterbelichtung an. „Ist die Steuerung in der Mitte, entsteht immer ein perfekt ausgeleuchtetes Bild“, versichert der Babenhäuser Fotograf.

Handlich und gar nicht langsam - Systemkameras ohne Spiegel

Quelle: op-online.de

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