Fotografieren als Impulsgeber

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Ältere Arbeitslose stellen im Rathaus Babenhausen ihre Fotografien aus.

Babenhausen - Weiche oder Kreuzung? Wie gut, dass unter den Besuchern im Babenhäuser Rathaus am Donnerstagabend auch ein Modelleisenbahn-Bauer war. Von Jens Dörr

Bei der Vernissage des Fotoprojekts „mein Impuls 50PLUS“ (im Rahmen des Projekts „ProArbeit 50PLUS“ der Kreisagentur für Beschäftigung) stellte sich diese Frage, als KfB-Teamleiterin Kiliane Vaupel an Gastgeberin Gabi Coutandin ein Foto der Gruppe überreichte. Die Bürgermeisterin Babenhausens, flankiert von der Kreisbeigeordneten und Parteigenossin Rosemarie Lück, nahm ein Werk entgegen, das Vaupel zunächst mit der Beschreibung „Weichen stellen“ umriss. Ein Besucher der Ausstellungseröffnung meinte allerdings, Weichenspezifisches nicht erkennen zu können –es handele sich wohl um eine Gleiskreuzung.

Das war aber Nebensache. Die Hauptdarsteller waren 25 schon längere Zeit Arbeitslose, die älter als 50 Jahre alt sind und aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg kommen. Deutschlandweit gab es im Juli 2012 fast 900.000 Menschen über 50, die als arbeitsuchend gemeldet waren.

Neuer Mut für Lanzeitarbeitslose

Das aus Bundesmitteln finanzierte Modellprojekt „Impuls 50PLUS“ – die Erweiterung um das Wort „mein“ sei ihr wichtig, sagte Vaupel –, richtet sich speziell an Menschen über 50, die bereits mindestens zwei Jahre lang arbeitslos sind, deren Situation sich so also nicht zufriedenstellend verfestigt hat. Auch der Kreis Offenbach und die Bergstraße machen wie der Kreis Darmstadt-Dieburg mit, dies zu ändern. Die Arbeitslosen zu aktivieren, sie neuen Mut fassen und Perspektiven finden zu lassen – das versucht das Projekt.

Innerhalb dessen ist die Fotogruppe neben anderen Angeboten – etwa einem „Nähcafé“ im Groß-Zimmerner Mehrgenerationenhaus – nur ein Part. Allerdings ein gut sichtbarer: Bis zum 24. September hängen im Eingangsbereich und im zweiten Stock die Werke der Ü50-Fotografen.

Wohin geht die Reise?

Sie haben in ihnen oft ihre eigene Situation verarbeitet. Das kann etwa Unentschlossenheit sein: Ein Fotograf oder eine Fotografin – die Künstler bleiben in der Ausstellung anonym, auch auf eine schriftliche Erläuterung ihrer Bilder verzichten sie – hat beispielsweise im Weiterstädter Einkaufscenter „Loop 5“ den Wirrwarr aus Rolltreppen festgehalten. Wohin und über welchen Weg die Reise noch gehen soll, diese Frage stellten sich auch andere Künstler. Alleine auf einen Hügel tapsende Schuhe sind eins der fotografisch teilweise gut festgehaltenen und technisch in der Regel solide umgesetzten Motive. Das Equipment stellte die KfB.

„Durch diesen Impuls, also das Fotoprojekt, ergeben sich für die Arbeitslosen wertvolle Blickwinkel-Veränderungen“, sagte Lück bei der Ausstellungseröffnung. Coutandin stellte heraus, dass Babenhausen bereits seit drei Jahren Künstler dazu einlade, ihre Werke im Rathaus zu präsentieren. Lück und Vaupel freuten sich über das fortwährende Entgegenkommen der Stadt, wenn ein Ausstellungsort gesucht werde.

Die Fotografien können während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

Quelle: op-online.de

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