Fränkisches Schlitzohr beim CVB

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Gute Stimmung herrschte in der vollbesetzten Stadthalle beim Auftritt des Comedian Michl Müller.

Babenhausen - „Als der Papst zurücktrat, habe ich zuerst gedacht: Haben sie dessen Doktorarbeit auch überprüft?“ Wenig später postuliert der Mann mit dem schwarzen T-Shirt, dass die Welt bei einer Papstwahl, wenn sich die 114 Kardinäle einschließen, um einiges sicherer wird. Von Michael Just

Am Samstagabend waren der neue Oberhirte und die Frage „Was macht denn der Biolek da?“ nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm von Michl Müller. Unter dem Titel „Das wollt ich noch sagen“ schwadronierte das bekannte Gesicht aus dem bayerischen Fernsehen („Ottis Schlachthof“, „Fastnacht aus Franken“) in der Stadthalle über die Absurditäten des Lebens. Vom Pferdefleischskandal, Uli Hoeneß, Facebook (auf fränkisch „Fatzebock“), Weinseminaren („Komasaufen für Ü40“) sowie der Frage, warum neue Geschäfte heute nur noch Nagelstudios, Handy-Shops und Matrazen-Outlets sind, blieb kein aktuelles Thema aus. Dazu gab es neue Synonyme für bekannte Politiker: Winfried Kretschmann wurde zum „Moses von Sigmaringen“, Umweltminister Peter Altmaier zur Galapagos-Schildkröte und Philipp Rösler zum Monchichi der FDP. „Bei Claudia Roth meint man immer, die Bildröhre des Fernseher ist kaputt“, war sich Müller sicher.

Dass der bekennende Franke nach Babenhausen kam, machte der CVB möglich. Anlass war das Gründungsjubiläum der Karnevalisten vor 5x11 Jahren. „Die Idee dazu entstand vor zwei Jahren“, weiß Rechner Holger Plischke. Wie er sagt, wollte man Müller vor allem deshalb, weil er auch in der Fastnacht sehr aktiv ist. Während der Kassenwart am Samstag bei der Kartenkontrolle half, kümmerte sich Vorsitzender Klaus Fengel hinter der Bühne um alle Belange des bundesweit gefragten Gastes. In der Pause übernahmen zahlreiche CVB-Helfer für das Publikum die Versorgung mit Speis und Trank.

Comedian Michl Müller

„Andere gehen zum Psychiater, ich gehe auf die Bühne“, postulierte Müller. Seine Programmüberschrift „Das wollt ich noch sagen“ mutete ironisch an, denn zu sagen er jede Menge. In einem atemberaubenden Tempo setzte er dabei schlitzohrig und sympathisch Lacher an Lacher. Stets wechselte Müller in einer Mischung aus Kabarett und Comedy blitzschnell die Themen. Führte er eben noch die Politik mit Angie und Co. ad absurdum, widmete er sich im nächsten Moment den agilen Rentnern, die – dank künstlichem Hüftgelenk – mit 85 Jahren auf dem 8125 Meter hohen Nanga Parbat stehen und zum Rest der Truppe „Ihr habt aber lange gebraucht“ sagen. Ebenfalls begeisternd: Seine Lieder, die als „Hymnen der deutschen Landbevölkerung“ nicht nur schlagertechnisch ins Ohr gehen, sondern auch über geniale Inhalte, wie der Franken-Reggae mit echtem Jamaica-Feeling, verfügen.

Für die Besucher erwies sich die Verpflichtung von Michl Müller als Volltreffer. Sie erlebten drei Stunden lang ein durchweg kurzweiliges Programm. Nach dem Start um acht Uhr beendete der Unterhaltungs-Profi erst um halb zwölf mit mehreren Zugaben den Abend und entließ sein rundum zufriedenes Publikum, dessen Zwerchfell zuvor bedingungslosen Dauerangriffen ausgesetzt war, nach Hause.

Michl Müller bildete den Abschluss des CVB-Jubiläums, zu dem auch der närrische Gottesdienst sowie die Filmnacht samt Feuerzangenbowle vor dem Rathaus gehörten. Dass die Karnevalisten äußerst erfolgreich bei ihrer Premiere als Kabarett-Veranstalter agierten, machte den Vorstand stolz. „In Babenhausen gibt es ja viele Veranstaltungen, zu denen oft keiner hingeht. Dass wir mit 600 Leuten die Stadthalle vollgekriegt haben, ist schon ein toller Höhepunkt und Kampagnenabschluss“, resümierte Plischke.

Quelle: op-online.de

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