Rücklauf liegt nur bei fünf Prozent

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Pfarrgemeinde St. Josef wertet Fragenbogen aus. Gottesdienste kommen gut an, vermisst werden aber Angebote für Jugendliche. Pfarrgemeinderatsmitglied Reinhold Gotta mit den Resultaten aus den Fragebögen. Mit einer ausführlichen Ergebnisbeschreibung hat der „PGR“ sich besonders viel Mühe gemacht, die Antworten zusammenzufassen und zu interpretieren.

Babenhausen - Bei den Gottesdiensten bleiben die Kirchenbänke zunehmend unbesetzt, Pfarrer und Pfarrgemeinderäte müssen sich immer öfter fragen, welchen Stellenwert Kirche und die örtliche Gemeinde bei den Gläubigen noch einnimmt.

Um das zu erfahren, hat die katholische Gemeinde St. Josef Ende 2013 alle Katholiken der Stadt angeschrieben und ihnen einen Fragebogen vorgelegt, auf dem Meinung und Verbesserungsvorschläge zu finden waren. Unser Mitarbeiter Michael Just hat Pfarrgemeinderatsmitglied Reinhold Gotta nach den Ergebnissen befragt, die seit Kurzem vorliegen.

Herr Gotta, wie hoch war der Rücklauf?

Angeschrieben wurden 3259 Katholiken ab 18 Jahren. Geantwortet haben 173 Personen.

Das klingt etwas enttäuschend, oder nicht?

Mit 5,3 Prozent ist das sehr wenig und deshalb auch nicht repräsentativ. Wir hatten uns eigentlich zehn Prozent erhofft. Andererseits stimmt die Prozentzahl fast genau mit der Menge an Menschen überein, die zu unseren Gottesdiensten kommen.

Was heißt das?

Mit anderen Anzeichen kann man davon ausgehen, dass 95 Prozent derer, die den Bogen ausgefüllt haben, regelmäßige Kirchgänger sind. Wir hätten natürlich gerne verstärkt eine Meinung von denen erhalten, die dazu nicht gehören.

Die Befragung war anonym, lediglich statistische Angaben wie Wohnort, Geschlecht und Alter waren gefordert. Was haben diese Angaben gezeigt?

Aus der Kernstadt und aus Hergershausen kamen die meisten Rückmeldungen. Rund 50 Prozent der Teilnehmer waren 61 Jahre und älter. Im Alter zwischen 18 bis 40 Jahren haben nur 12,5 Prozent der Männer und 9,8 Prozent der Frauen den Rücklauf ausgemacht.

Können sie ein paar Ergebnisse der Auswertung nennen?

Für eine große Mehrheit ist die Kirche auch in der heutigen Zeit ein wichtiger Bestandteil. Der Glaube an Gott bedeutet aber nicht, dass man sich verpflichtet fühlt, die Gottesdienste zu besuchen. Bei 40 Prozent wird die Kirche als Institution nicht besonders wichtig oder gar als unwichtig angesehen. Eine bedeutende Rolle wird aber den Sakramenten und den Kirchendiensten beigemessen. Dazu wollen Eltern, dass die Kirche ihre Kinder für den Glauben interessiert. Auffällig ist, dass nach unserer Erkenntnis jene Eltern, die das sagen, meistens selbst nicht in die Kirche gehen und ihre Kinder lediglich absetzen.

Was hat sie überrascht?

Überrascht hat uns, dass Dinge wie Predigt, Liedauswahl oder die musikalische Gestaltung der Gottesdienste in der Regel gut ankommen. Hier gab es eine Reihe positiver Kreuzchen. Da scheint die Diskrepanz doch nicht so groß zu sein wie anfangs von uns gedacht. Trotz der Zufriedenheit schlägt sich das aber nicht auf die Gottesdienstbesucher nieder. Ähnlich ist das bei der Erwachsenenbildung: 56 Personen haben dieses Angebot im Fragebogen für wichtig gehalten, zu den Veranstaltungen kommen aber keine 56, sondern immer nur zwölf bis 14 Leute.

Sie haben gesagt, die Gesellschaft wird zunehmend von einer „Event-“Kultur bestimmt. Nur wenn eine Veranstaltung Ereignis-Charakter hat kommen die Menschen.

Ja, die Kommunion ist zum Beispiel so ein Event. Dann ist die Kirche voll. Der Gottesdienst gilt wohl nicht als solches. Das Pfarrfest wurde am 1. Mai sehr gut angenommen und beachtlich ist auch der Zuspruch zum Kirchencafé. Dabei bieten wir nach dem Gottesdienst Kaffee, Gebäck und die Möglichkeit zum Austausch.

Bemängelt wurde im Fragebogen besonders die fehlende Jugendarbeit.

Die ist schwierig, da wir momentan durchweg keine Jugendlichen als Gruppe in der Pfarrgemeinde haben. Früher gab es das, es kam aber nichts nach. Auch aus den Messdienern erwächst derzeit keine Gruppe mit weiterführenden Zielen. Wir können keine Jugendlichen binden, wenn diese sich nicht binden wollen oder aus Zeitgründen binden können. Auch eine Krabbelgruppe wurde gefordert. Hier bräuchte es ebenfalls Mütter, die sich dahingehend engagieren.

Wo will der Pfarrgemeinderat nun zuerst ansetzen?

Das könnte bei den gewünschten Angeboten sei. Hier waren interessante Vorschläge dabei, etwa zum Thema Familienwallfahrten, Ausflüge zu kirchlichen Veranstaltungen, Krabbelgruppe und so weiter. Dazu war die Meinung nahezu eindeutig, Jugendliche stärker in die Gottesdienste einzubeziehen und diese mit ihrer Sprache und ihren Themen Gottesdienste gestalten zu lassen.

Die Fragebogen-Aktion war mit Ausarbeitung, Drucken, Kuvertieren sowie der Verteilung per Hand an über 3000 Personen ein großer Aufwand. Hat sich der bei einer Beteiligung von nur 5,3 Prozent gelohnt?

Wir wollen nicht den Aufwand bewerten. Das war eine einmalige Sache war, die wir nicht jedes Jahr machen. Der Pfarrgemeinderat wollte einfach wissen, in welche Richtung er künftig etwas tun soll. Aus der Aktion haben wir eine gewisse Substanz herausgezogen, die es zur Weiterarbeit braucht. Am Ende sehen wir, ob das tatsächlich fruchtet.

Quelle: op-online.de

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