Schwere Entscheidung

Freie Wähler beantragen Schließung von Hallen

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Bleibt die Tür der Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen bald dauerhaft zugesperrt?

Babenhausen - Die Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen und die Mehrzweckhalle in Hergershausen sollen geschlossen werden. In der zurückliegenden Parlamentssitzung wurde ein entsprechender Antrag der Freien Wähler Babenhausen (FWB) auf den Weg gebracht.

Im Jahr 2004 monierte die Untere Bauaufsichtsbehörde Schwachstellen. 2008 bescheinigte ein Gutachter beiden Immobilien erhebliche brandschutztechnische Mängel – nun sollen die Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen und die Mehrzweckhalle in Hergershausen komplett abgeriegelt werden. 13 Stadtverordnete brachten in der Parlamentssitzung einen Antrag der Freien Wähler auf den Weg, der vorsieht, beide Hallen unverzüglich zu schließen – solange, bis ein Gutachter die sichere Nutzung der Immobilien bescheinigt. „Menschen sind in Gefahr, es geht um die Gefahrenverhütung für die Bürger“, begründete Frank Bornschlegell die Intention der FWB. „Es war schwer eine Entscheidung zu treffen“, diese Anmerkung des CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Sawallich spiegelt das Bild in der Fraktionslandschaft.

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Die FWB votierte geschlossen für die Hallenschließung, die FDP geschlossen dagegen. Die Christdemokraten waren gespalten, die Genossen stimmten teilweise gar nicht ab, das Gros der Grünen votierte gegen die Schließung. Hergershausens Ortsvorsteher Horst Grimm warnte ebenso wie die SPD-Stadtverordnete Dr. Martina Seuß vor dem dramatischen Schließungsschritt. Seuß: „Das wird die Vereine sehr hart treffen.“ Im Ort sei das „Leben tot, sobald wir die Hallen schließen!“, sagte Grimm.

Seitdem das seit Jahren bekannte Thema hochkocht, ist der Magistrat unter Hochdruck um Lösungen bemüht. Nachdem die Nutzung beider Hallen für größere Veranstaltungen gesperrt wurden, war der Gutachter der Firma Pätzold Projekt-Planung zu Gast. „In den Decken stecken Kabelstränge, hier geht die Gefahr von giftigen Schwelbränden aus. Es gibt zu wenig Fluchtwege“, erklärte der Erste Stadtrat Reinhard Rupprecht, der den erkrankten Bürgermeister vertrat. Während Hergershausen zumindest über eine veraltete Brandmeldeanlage verfügt, fehlt diese in Sickenhofen vollständig. Die Lösung könnte eine angemietete, mobile Brandmeldeanlage für die Wiesinger-Halle bringen – damit wäre die Halle zumindest eingeschränkt für den Sport- und Übungsbetrieb nutzbar – Kosten laut Rupprecht: etwa 50.000 Euro jährlich.

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Der Erste Stadtrat vermeldete nach seinem Gespräch mit Landrat Klaus Peter Schellhaas, dass dessen Untere Bauaufsichtsbehörde noch in dieser Woche tätig wird. Gerade diese Behörde war ins Visier der Union geraten, da sie wider besseren Wissens über erhebliche Mängel an beiden Hallen untätig geblieben sei, meinte Günther Eckert für die CDU. Den Unionsantrag, aus diesem Grund die Obere Bauaufsicht unverzüglich einzuschalten, legte der Christdemokrat jedoch auf Eis. Nur, wenn es bis zum 31. März keine einvernehmliche Regelung zwischen Magistrat und der Unteren Bauaufsicht gibt, soll die höhere Instanz eingeschaltet werden, darauf einigte man sich mehrheitlich.

Auf der 26 Punkte umfassenden Tagesordnung im Stadtparlament hatte man sich dem Thema Haushalt 2017 noch gar nicht genähert, schon drohen massive Kostenbrocken. Mit 1,5 bis zwei Millionen Euro hatte das Gutachterbüro die Sanierung pro Halle beziffert. Heute Abend tagt der Magistrat erneut, um schnellstmögliche Lösungen bemüht, einen Teilbetrieb der Hallen zu ermöglichen. Für die Kegelbahn in Hergershausen, die über zu wenige Fluchtwege verfügt, wird es wohl keine Rettung geben. Die Gaststätte ist nicht betroffen. (ula)

Quelle: op-online.de

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