Freie Wähler sind sich uneins

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Fast einem Bergsee gleich präsentiert sich der Haselsee mit seinem grünen Wasser. Das Gewässer ist das Resultat des lokalen Kiesabbaus. Ob demnächst ein weiterer See entsteht, dazu hat die Politik in Babenhausen unterschiedliche Meinungen.

Babenhausen - Die neue Kiesabbaufläche, die die Firma Schumann & Hardt südlich der Dudenhöfer Straße plant, beschäftigt derzeit die Gemüter. Wegweisend für die Weiterentwicklung wird die Stadtverordnetensitzung und deren Abstimmungsergebnis im August sein. Von Michael Just

Unsere Zeitung beleuchtet an dieser Stelle schon einmal die Standpunkte der Parteien und Wählergemeinschaften zu diesem Thema.

Grüne

Die Grünen sind derzeit die vehementesten Kritiker des Projekts. Schon frühzeitig bekräftigten sie, einer Erweiterung nicht zuzustimmen. In ihrer Erklärung heißt es: „Die Kiesabbauer haben über Jahrzehnte Babenhausen in eine Seenlandschaft verwandelt und sehr gut verdient, ohne dass die Stadt an diesem Gewinn nennenswert teilhaben konnte. Für uns haben der Schutz der Landschaft, der Bodenfläche, der Nahrungsmittel und des Grundwassers eine höhere Bedeutung als die Profite der Kiesabbauer.“ Aus diesem Grund sei man bereits gegen die Erweiterung der Abbauflächen nördlich der Bahntrasse in Harreshausen gewesen. In erster Linie kritisieren die Grünen den Flächenverbrauch für die Landwirtschaft. Müssten Eingriffe im Wald stets durch Wiederaufforstung an anderer Stelle ausgeglichen werden, gelte dieses Prinzip bedauerlicherweise nicht für die Landwirtschaft. Mit ihrem Einspruch wendet sich die Partei auch gegen den jetzigen Status Quo, dass ein See aus ökologischer Sicht stets höher bewertet wird als Agrarland. „Angesichts der bestehenden Seen ist eine weitere Wasserfläche nicht nötig, zumal hier Grundwasser offen gelegt und verschmutzt wird“, so Fraktionsmitglied Frank Ludwig Diehl. Mit den Böden gingen Lebensgrundlagen unwiederbringlich verloren. Aus Sicht der Grünen wäre zu diesem Thema sogar ein Bürgerentscheid sinnvoll.

Bürger für Babenhausen

Wie die Grünen sind auch die Bürger für Babenhausen gegen die Schaffung eines neuen Baggersees und haben Einspruch beim Regierungspräsidium eingelegt. „In direkter Nachbarschaft des betroffenen Areals sind naturgeschützte Gebiete angesiedelt, dazu sind wir der Auffassung, dass ein endgültiger Verlust dieser Fläche für Landwirtschaft und Umwelt mit Blick auf die nachfolgenden Generationen nicht akzeptiert werden kann“, äußert Ingrid Schumacher. Ihrer Meinung nach ist es einleuchtend, dass Ackerland durch Umnutzung immer weniger wird. Nach den Informationen, die den Bürgern vorliegen, sei keine andere Kommune im Umland mit solch einem hohen Landschaftsverbrauch durch den Kiesabbau betroffen wie Babenhausen. „Wir wissen, dass sich Unternehmen im hessischen Ried zum Teil übergroße Areale von Ackerland für den Kiesabbau sichern. Der volkswirtschaftliche Schaden durch diesen Landschaftsverbrauch lässt sich mit keinen Biotopwertpunkten kompensieren“, so Schumacher.

Freie Wähler Babenhausen (FWB)

Keinen leichten Stand haben in dieser Frage die FWB. So hat man mit Jürgen Rademar einen betroffenen Landwirt in den Reihen und mit Oliver Bludau einen Vertreter, der zur Familie Hardt gehört. Die ist bekanntermaßen Anteilseigner bei Schumann & Hardt. Aufgrund dieser Befangenheit legte Bludau vor wenigen Wochen vorerst seine kompletten Führungsämter nieder. „Wir haben uns noch nicht ausgetauscht, aber es steht jetzt schon fest, dass wir bei diesem Thema gespalten sind“, schildert Fraktionsmitglied Frank Bornschlegell. Wie er auf Anfrage sagt, tendiere er persönlich mit Bezug auf den Raumordnungsplan wohl eher zum Kiesabbau. Das gilt auch für Kurt Lambert, der die FWB im Magistrat als Erster Stadtrat vertritt. Wie er sagt, liegen bereits klare Grundsatzentscheidungen vor, in die die Unternehmen Vertrauen gesteckt haben. Alternativen im Wald seien schwierig, genauso wie neue Ernennungsverfahren, da die Ausweisung solcher Flächen langwierig ist. Deshalb gehe er davon aus, dass das Parlament die Entscheidung pro Kieswirtschaft mit großer Mehrheit auf den Weg bringt. „Trotzdem sollte die Politik die Sorgen und die Existenzängste der Landwirte ernst nehmen“, mahnt er. Für Frank Bornschlegell ist es kein Problem, dass innerhalb der FWB keine geschlossene Meinung vorliegt: „Wir sind eine Vereinigung von Bürgern. Gerade deshalb gehört es zu unseren Grundsätzen, dass jeder nach seinem Gewissen abstimmen kann.“

Wie stehen SPD, CDU und FDP zu den Kiesabbauplänen? Dazu in der nächsten Ausgabe mehr.

Quelle: op-online.de

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