Freude über Biber und Überschuss

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Dem Biber auf der Spur: Über solche starken Knabbereien staunte der Nachwuchs nicht schlecht.

Babenhausen - „Hier ist es angenehm kühl. Vielleicht bleibe ich den ganzen Tag da“, lacht die Frau mit den kurzen blonden Haaren am Samstagmorgen beim Waldrundgang, den traditionell die Stadt ausrichtet. Eigentlich lud das sommerliche Wetter eher ins Schwimmbad ein. Von Michael Just

Wer sich aber dennoch für den Forstgang entschied, bereute sein Kommen nicht: Zwischen Moosteppichen und dichtem Blätter- beziehungsweise Nadeldach herrschten erfrischende Temperaturen, dazu barg der Rundgang eine Fülle an Informationen und Wissen um einen außergewöhnlichen Lebensraum.

Während der zweistündigen Runde gab es eine nur rund dreieinhalb Kilometer lange Strecke zurückzulegen. Das war für jeden locker zu bewältigen, zudem winkte danach in der Reiterschänke noch ein Mittagessen. Die rund 100 Wissensdurstigen, die gekommen waren, wurden von Revierförster Lothar Seipp und Forstamtsleiter Helmut Seitel in zwei Gruppen geführt. Diesmal stand das Thema Naturschutz ganz oben an, inklusive einem kleinen Exkurs über den Biber.

Das Thema Wald hält stets eine Fülle von Themen bereit. Auch in diesem Jahr waren die Gruppen beim Waldrundgang über zwei Stunden unterwegs.

In den letzten Jahren erfuhr der Forstbetrieb eine neue Ausrichtung: Fortan bestimmt die naturgemäße Waldwirtschaft das Leitbild. „Wir wollen die biologische Automation: Der Wald soll sich selbst regulieren, der Mensch wenig eingreifen. Trotz geringer Aufwendungen ist natürlich ein guter Ertrag das Ziel“, erklärte Seitel. Das sei bei der Fichte, die relativ schnell und anspruchslos wachse, einfacher als bei der Kiefer zu realisieren. Obwohl das Babenhäuser Revier in erster Linie ein „Kiefernbetrieb“ ist, konnten die Männer mit der grünen Amtskleidung schon jetzt für 2011 ein „exorbitant gutes Ergebnis“ verkünden: „Mit den gestiegenen Holzpreisen gehen wir davon aus, dass wir einen Überschuss von bis zu 80 000 Euro an die Stadtkasse überweisen können,“ so der Forstamtsleiter.

Waldrundgang auch für Kinder

Die naturgemäße Waldwirtschaft setzt unter anderem auf die natürliche Verjüngung und nicht mehr auf Nachpflanzungen. Die Menschenhand greift nur dahingehend ein, dass sie mit einem Bagger die für den Samen oft nur schwer zu durchdringende Gras- und Moosschicht entfernt. Beim sogenannten „Verwunden“ wird die Oberfläche abgetragen, der freiliegende, nährstoffreiche Mutterboden erleichtert die Keimung.

Seipp zeigte das auf einer Lichtung, die 2003/2004 bearbeitet wurde und auf der nun durch Samenflug zahlreiche jungen Fichten wachsen. Laut Revierleiter sieht die Bodenverwundung alles andere als schön aus, dennoch sei die optisch einem Acker gleichende Fläche effektiv. Auch in finanzieller Hinsicht: Ein Hektar künstliche Bepflanzung kostet – wenn man einen Euro pro Setzling zugrunde legt - rund 10.000 Euro. Inklusive Arbeitszeit entsteht ein Betrag von 15.000 Euro. Der Baggereinsatz kommt dagegen nur auf 500 bis 1 000 Euro.

Dass der Waldrundgang auch etwas für Kinder ist, zeigten vor allem die Stellen, bei denen es um die Tiere ging. In der Nähe des Lache-Bachs verwies Seipp auf die sogenannten Habitatbäume, die aufgrund ihrer Höhlen so heißen. Geschaffen wurden die Löcher meist vom Schwarzspecht. Da der nach zwei Jahren wieder sein gezimmertes Werk verlässt,entsteht Platz für Nachmieter wie Siebenschläfer, Eichhörnchen oder Insekten.

Eine ganze Reihe von Informationen parat haben

An der Lache zeigten Seipp und Seitel auch einen Baum, an dem ein Biber im Bodenbereich weitläufig die Rinde abknabbert. Zwischen Reithalle und Fluss geschah dies an einer bisher unbekannten Stelle. „Der Geselle war im letzten Winter hier und ist im Sommer dann wohl weiter gewandert“, vermutet Seipp. Über den Nager mit den starken Zähnen, der einst in Deutschland fast ausgestorben war, hatte der Förster eine ganze Reihe von Informationen parat: So verfügt der Biber auf einem Quadratzentimeter seines Körpers über sage und schreibe 20.000 Haare (der Mensch hat nur 600). Mit seinen Fettdrüsen gewährleisten die ihm eine stets trockene Haut. Auch wenn über den Biber seit seiner Einwanderung 2008 in Babenhausen viel geredet wird - auch nur einmal gesehen hat ihn Seipp bisher nicht. Nur an seinen Knabberspuren oder an einer Biberburg durfte man sich bisher erfreuen.

Ob das ironisch gemeint sei, wollte ein Bürger wissen als er fragte, ob die Schäden durch den Biber von der Waldwirtschaft toleriert werden können. Zum Baum ohne Rinde hatte Seipp schnell eine Antwort: „Das Exemplar ist so knorrig, dass kein Schreiner wirklich Spass daran hätte.“ Und auch die anderen Schäden seien so gering, dass man darüber hinwegsehen könne.

Das Fazit von Seipp ließ dann keinen Zweifel über den Status des Biber in der Babenhäuser Gemarkung: „Der sorgt nicht für Ärger. Im Gegenteil: Wir freuen uns, dass er da ist.“

Quelle: op-online.de

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