Adolf Breer setzt als neuer Ortsvorsteher der Kernstadt auf Gespräche

Ein Freund des Dialogs

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Ortsvorsteher Adolf Breer in Aktion.

Babenhausen - Sechs Ortsvorsteher gibt es in Babenhausen. Nach der Kommunalwahl wurden die Posten teils neu vergeben, teils blieb es bei den seitherigen Inhabern. In lockerer Folge stellen wir im Interview alle sechs Ortsvorsteher vor.

Für den heutigen Teil II hat sich unser Mitarbeiter Michael Just mit dem neuen Ortsvorsteher der Kernstadt, SPD-Urgestein Adolf Breer, zusammengesetzt.

Bei der Kommunalwahl konnten Sie mit die meisten Stimmen Ihrer Partei auf sich vereinen. Worauf führen Sie das zurück?

Meine Frau sagt immer: „Ich lass dich nicht alleine einkaufen, weil du dann drei Stunden weg bist.“ An vielen Ecken komme ich ins Gespräch, weil mich die Leute hier kennen. Dazu ist Vertrauen da, dass ich mich auch für die Belange der Leute einsetze.

Wie Sie sagen, sind Sie zum Posten des Ortsvorstehers „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen.

Die vorderen Listenplätze waren nicht umkämpft. Ich bin gesetzt und dann mit breiter Unterstützung gewählt worden. Dass mir die Babenhäuser Bürger so umfangreich ihr Vertrauen ausgesprochen haben, sehe ich als Verpflichtung, das Amt auch anzunehmen. Aufgrund meines Alters plane ich aber nicht weitreichend und sage „Jüngere vor!“

Was sind Ihre Ziele?

Ich möchte eine senioren- und kinderfreundliche Stadt. Die Verkehrs- und Parksituation vor den Schulen muss sich ändern. Dass bei diesem Chaos noch nichts passiert ist, ist ein Wunder. Ich bin für freie und sichere Gehwege und möchte aus diesem Grund die Bummelgass’ wieder autofrei bekommen. Was mich zudem stört, ist der Hundedreck auf den Wegen. Hier besteht ebenfalls Handlungsbedarf.

Sie wünschen sich mehr Präsenz der Ordnungspolizei, gerade vor Kindergärten und Schulen – aber ohne gleich Knöllchen zu verteilen...

Ich bin ein Freund des Dialogs und der persönlichen Ansprache. Man sollte den Menschen Gelegenheit zur Einsicht ohne Strafzettel geben. Der sollte in letzter Konsequenz ausgestellt werden.

Das Sophie-Kehl-Heim nimmt für Sie einen weiteren Schwerpunkt ein.

Hier müssen bezahlbare Wohnungen her, auf die viele Senioren angewiesen sind. Mir ist bewusst, dass das Millionen kostet. Trotzdem muss endlich mal angefangen werden. Dass dort Wohnungen leer stehen, sollten und können wir uns als Sozialdemokraten nicht erlauben.

Sie sind immer noch Gewerkschafter und sehen sich - wie Sie selbst sagen – dieser Tradition in „altmodischer“ Form verbunden.

Solidarität ist für mich ein Begriff, der auch heute noch Bedeutung hat und derzeit mehr Bedeutung haben sollte. Auf Bundesebene ist die SPD sich dazu leider manchmal selbst der stärkste Gegner.

Mittlerweile sind Sie seit 39 Jahren in der SPD. Können Sie sich noch an ihren Eintritt erinnern?

Der damalige Bauhofleiter Willi Blümler hat erst meinen Bruder in die Partei gebracht. Beide haben dann bei mir das Gleiche geschafft. Der Zweite Weltkrieg, aus dem mein Vater versehrt zurück kam, war ein weiterer Grund. Willy Brandt hat damals versucht, aus Feinden Freunde zu machen. Dieses Engagement für Aussöhnung verdiente aus meiner Sicht Unterstützung.

Sie sind der Meinung, der Politik fehlt es heute an Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Ich habe einer Ministerin mal gesagt, sie soll ihren Kollegen in Berlin ausrichten, dass die mal eine bessere Figur machen sollen. Die Maßstäbe werden hoch angesetzt und dann klemmt’s. Wir hatten es damals leichter, uns mit den Parteien zu identifizieren. Vielleicht fehlen heute die großen Themen, die man besetzen kann. Heute reibt man sich an Kleinigkeiten auf, auch im Stadtparlament, wo manchmal wegen nichts lange hin und her gemacht wird.

Als Ortsvorsteher wollen sie im Kleinen das besser machen, was Sie den großen Parteien in Berlin, darunter auch ihrer eigenen, vorwerfen.

Derzeit fehlen der Kontakt zu den Ortsverbänden und die Basisnähe. Wir sehen immer wieder, wie schwer es ist mal einen prominenten Redner zu finden. Hier müsste mehr investiert und auf die Arbeitnehmerschaft zugegangen werden. Die Basis wartet immer noch auf das Gefühl, dass die Politik da oben weiß, wo uns der Schuh drückt.

Quelle: op-online.de

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