Freundeskreis Harreshausen: Vöchel zwitschern wieder

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Die Vöchel aus Harreshausen machen mit neuen Aktivitäten von sich reden.

Harreshausen - Ein paar Jahre war es still gewesen um den privaten Freundeskreis der „Vöchel“ in Harreshausen, die zuvor lange Jahre mit ihren Festen das Dorfleben bestimmten. Jetzt haben sie sich zurück gemeldet. Von Michael Just

Direkt neben der Gersprenz und dem Radweg wartete auf Harreshäuser und Ausflügler Gegrilltes, Salate, Kaffee und Kuchen sowie frisch gezapftes Bier. Das positive Fazit am späten Abend: „Es war fast wie früher.“ Es gehört zum Leben, dass nicht immer alle einer Meinung sind. Das war der Grund, warum die Vöchel nun längere Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit gezwitschert haben.

„Auseinander waren wir nicht. Eine kleinere Gruppe hat sich weiterhin getroffen“, erzählt Harald Weidler (45). Jetzt will man an alte Traditionen anknüpfen und wieder für mehr Festkultur im Ort sorgen. Ein Zeichen dafür sind die neuen Shirts. Das Logo zeigt humorvoll drei Vögel auf der Stange, von denen der mittlere nach unten hängt.

Vöchel gründeten sich in den 1980er Jahren

Die Vöchel gründeten sich in den 1980er Jahren. Viele sind ein Jahrgang oder zumindest vom Alter nicht weit weg. Zu Beginn stand noch die Bezeichnung „Sandranzen“ im Raum, da einige schon damals über einen leichten Bauchansatz verfügten. Da ein Mitglied die Kollegen aus Spaß immer mit „Du Vogel“ anredete, war schnell mit Hilfe des Dialekts der Name der Gruppe geboren: „Die Vöchel“. Der erste Stammtisch fand noch in der legendären, aber heute nicht mehr existierenden Gaststätte „Zum Weißen Ross“ statt.

Als das schloss, traf man sich erst privat und dann in einer Gartenhütte auf dem Gelände einer Gärtnerei. Zum Kult avancierten die Zeltausflüge nach Gedern im Vogelsberg, dazu wurden Festchen im Ort auf die Beine gestellt. Neben der Scheuer- und Glühwein-Kerb gelangte das Lappes-Fest zu Ruhm. Die Küchlein aus Kartoffel-Teig zu Live-Musik zogen Besucher aus der nahen und fernen Umgebung an. In ihrem Dorf hatten die Vöchel aufgrund ihrer Verwurzelung immer große Unterstützung. Wurde gefeiert, half die Bevölkerung mit Kuchen und Salaten. Aus Dank spendete die Gruppe einen Teil der Einnahmen für öffentliche Zwecke, sowie für den Kindergarten oder einmal für die Restaurierung der Kirchenuhr.

Nicht spurlos vorübergegangen

Die Jahre sind am Freundeskreis nicht spurlos vorübergegangen. Mittlerweile sind die Ältesten 47 Jahre alt und haben selbst schon kleine Vögel, die in einigen Fällen mehr als flügge sind. So schlüpfte Philipp Funk, der Sohnemann von Joachim Funk, schon vor 19 Jahren aus dem Ei. „Früher haben wir sie bei den Festen mit dem Schubkarren gefahren, heute sind sie groß“, erzählt Harald Weidler mit Blick auf seinen Robin. Während in anderen Orten sich der Nachwuchs von den Vätern distanziert und deren Aktivitäten manchmal als peinlich bezeichnet, ist das in Harreshausen anders. Dort stellen die Söhne und der andere Dorfnachwuchs die nächste Generation der Vöchel dar. „Bei deren Anekdoten wird man ohnehin eifersüchtig“, sagt Florian Rauschenbach (21). „Ich habe kein Problem mit meinem Vater, etwas zu machen. Schließlich bin ich schon als kleiner Bub da mit rumgehüpft“, ergänzt Philipp Funk (19). Generationsprobleme sind deshalb fast ein Fremdwort. „Entweder sind die frühreif oder wir extrem jung geblieben“, meint Vater Joachim Funk dazu lachend.

Wenn die jungen Vöchel länger dabei sind, werden sie auch jene Spitznamen erhalten, die sich die alten Flattermänner gegeben haben. Dort existieren Spitznamen wie Seeadler, Albatros, Reiher, Papagei, Weihnachtsgans oder Puter. Hinter denen steckt natürlich eine Bedeutung. Bei der Bachstelze sind es die extrem dünnen Beine, beim Kolibri die kleine Nase und beim Puter das Gewicht.

Langsam Gas geben

Mit den Festen wollen die Vöchel jetzt wieder langsam Gas geben, auch deshalb, weil in Sachen Ausrüstung mit Garnituren, Pavillions oder der Zapfanlage noch alles vorliegt. Als nächstes Fest visiert man die Glühweinkerb Ende des Jahres an. Ob es nochmal ein Lappes-Fest geben wird, bleibt abzuwarten, denn da steckt richtig Vorbereitung drin. Wegen des Aufwands fand das in den 90er Jahren nur alle zwei Jahre statt. Unmöglich ist eine Wiedergeburt aber nicht, vor allem weil sich die zweite Generation der Vöchel als ziemlich motiviert zeigt. „Für das Fest am 1. Mai lag ein Dienstplan aus. Da haben sich alle jungen Leute auf Anhieb sofort mit ihren Weibchen eingetragen“, erzählt Joachim Funk.

Da komme der Jungvogel ganz auf den Altvogel. Ohnehin trifft das „alt“ bei den Urvöchel nur bedingt zu: „Älter ja, aber nicht ruhiger“, ist sich Funk sicher.

Quelle: op-online.de

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