Öffnungen am 1. März

Vor dem Ansturm: Friseure in Babenhausen wollen Extraschichten schieben

Eine Friseuse mit Mund-Nase-Schutz schneidet einer Kundin die blonden Haare.
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Die Friseure in Babenhausen bereiten sich nun, nachdem sie seit Monaten geschlossen sind, auf die Öffnung am 1. März vor (Symbolbild).

Die Friseure in Babenhausen waren wie alle anderen seit dem 16. Dezember geschlossen. Nun bereiten sie sich auf die Öffnung vor. Manche wollen extra viel arbeiten.

Babenhausen ‒ Sie kringeln sich über Hemdkragen, fallen störend über Augen und wachsen unaufhörlich vor sich hin. Gemeint sind natürlich Haare. Haare, die seit dem 16. Dezember 2020 nicht mehr unter fachliche Obhut durften. Denn da mussten Friseure Corona-bedingt schließen. Am 1. März dürfen sie im Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen wieder öffnen.

„Ich finde das ungerecht und blödsinnig. Es ist doch kein Unterschied zwischen uns und einer Kosmetikerin oder einem Nagelstudio“, kommentiert Gudrun Hillebrand, die in ihrem Babenhäuser Salon „Tip Top“ bald aufs Neue den Menschen an die vernachlässigten Haare gehen kann.

Babenhausen: Manche Friseure haben ihre Corona-Unterstützung für Dezember noch nicht erhalten

Freut sie sich nicht trotzdem, eine der Begünstigten zu sein? „Ich gehe ab Juni in Rente“, erklärt sie und sei damit selbst nicht mehr so stark von den Sorgen ihrer Kollegen betroffen. Aber sie leide solidarisch mit in ihrem letzten Jahr. „Ich befürchte, dass unheimlich viele ganz dichtmachen müssen. Der finanzielle Verlust ist nicht mehr aufholbar. So sehr kann man die Preise gar nicht erhöhen.“ Sie, die ohne Angestellten arbeitet, hat gar nicht erst staatliche Unterstützung beantragt. Zu groß sei ihre Angst gewesen, die Corona-Hilfe am Ende zurückzahlen zu müssen.

Maria Wettstein, die zusammen mit ihrem Mann Hans „La Biosthetique Wettstein“ in der Industriestraße betreibt, ist da anders. Sie ist froh um die Corona-Unterstützung. „Allerdings haben wir für Dezember noch überhaupt nichts erhalten“, moniert sie. Im März dagegen sei die Zahlung innerhalb einer Woche auf dem Konto gewesen. Ein Problem, das einige Betriebe haben. Das bestätigt auch Kollegin Nazan Gökce vom gleichnamigen Studio im Ostring. Und tatsächlich haben die zuständigen Stellen wohl in den ersten Monaten der Corona-Hilfe möglichst schnell und unbürokratisch ausgezahlt, ohne groß die Anspruchsvoraussetzungen zu analysieren – ein Grund dafür, warum es bei dem ein oder anderen nun zur Rückzahlung kommt. Diesmal scheint gründlicher geprüft zu werden.

Haarkatastrophen: So kann man nur noch vor den Fernseher.

Babenhausen: In einigen Friseur-Salons läuft die Terminvergabe seit Mitte Februar

„Mir tun die leid, die allein auf ihr Einkommen als Friseure angewiesen sind“, sagt Gökce. Sie und ihr Mann haben wenigstens seinen Verdienst, „und meine Vermieterin hat mir die Miete erlassen“. Ein großes Glück, ist die Haarschneiderin doch für eine Vollzeit-, eine Teilzeit- und eine Aushilfskraft sowie einen Azubi verantwortlich. Sie will die erstattete Miete jetzt peu à peu abstottern. Die Wettsteins mit einer angestellten Friseurin haben die ertraglose, aber freie Zeit für das Training ihrer zwei Auszubildenden genutzt, was bei normalem Betrieb nur abends nach getaner Arbeit der Fall gewesen wäre.

„Ab dem 1. März haben wir zusätzlich eine Teilzeitkraft eingestellt“, erzählt Maria Wettstein. Seit dem 11. Februar laufe die Terminvergabe, und „die ersten zwei Wochen waren gleich komplett dicht“. Und das, obwohl die Wettsteins, wenn’s losgeht, zunächst auch montags und mittwochnachmittags arbeiten – Zeiten, zu den denen sie normalerweise geschlossen hätten – und samstags etwas länger aufhaben. „Die ersten Terminen haben wir den Kunden gegeben, denen wir im Dezember wegen des Lockdowns absagen mussten“, so die Chefin.

Friseure in Babenhausen: Erste Märzwoche ist bei vielen schon ausgebucht

Bei Gökce sieht es ähnlich aus. Ihre erste Märzwoche ist ausgebucht, die zweite auf dem Weg dahin. Es gehe leider schnell mit dem Laden-Füllen, bedauert sie. Es dürften schließlich weniger Leute rein, zehn freie Quadratmeter sollten jedem zur Verfügung stehen. Sie hat den Montag – sonst ihr reiner Männertag – zum Haarschneidetag auch für Frauen umfunktioniert, jedenfalls solange, bis der größte Ansturm vorbei sei. Nicht mehr als sonst will die künftige Rentnerin Hillebrand von „Tip Top“ arbeiten. Am Neustart-Montag (01.03.2021) habe sie Hausbesuche geplant, da werden sich etliche Ältere über endlich frisch gelegte Locken freuen.

Und was ist die Meinung über Kollegen, die illegal während der Lockdown-Monate zur Schere griffen? Gibt es für die Verständnis? Gökce bejaht sofort, zu hart seien manche gebeutelt worden. Hillebrand ist zweigeteilt. Wenn jemand kein Brot mehr auf dem Tisch habe und womöglich noch hungrige Kinder, dann sei sie derselben Meinung. Wenn jemand dagegen nur das System ausnutze, halte sie es für definitiv falsch. „Wir standen ja alle mit dem Rücken an der Wand“,meint Maria Wettstein. Von daher ärgere sie das Schneiden wider die Verbote schon. Besonders da sie ebenfalls viele Anfragen zum heimlich-haarigen Tête-à-tête bekam und alle abgelehnt habe. (zkn)

Andere Friseure aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg nahmen kürzlich an der Aktion „Licht an!“ teil.

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