Froschkonzert begleitet die Lesung der Babenhäuser Autorin im Garten der Heidegalerie

„Ich schreibe auf Zuruf“

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Silke Kasamas ist durch Zufall zur Autorin geworden. Nun arbeitet sie bereits an ihrem zweiten Buch – die Fortsetzung zu ihrem Erstlingswerk „Gänseblümchen hat Gänsehaut“. Es ist eine Sammlung an Kurzgeschichten. Die Themen greift sie aus dem Alltag.

Sickenhofen - Es ist Hessens größtes Literaturfestival, das in mehr als 60 Städten und Gemeinden „ausgetragen“ und für Netzwerkprojekts „Literaturland Hessen“ von hr2-kultur koordiniert wird. Mit dabei ist die Babenhäuserin Silke Kasamas. Von Petra Grimm 

Die Autorin nimmt bereits zum zweiten Mal an dem „Tag für Literatur“ teil. Vom lautstarken Froschkonzert im Gartenteich der Familie Jakob ließ sich Silke Kasamas nicht aus der Ruhe bringen. Darüber schmunzeln musste sie beim Lesen aber doch. Die Babenhäuser Autorin beteiligte sich zum zweiten Mal mit einer Lesung am „Tag für die Literatur“. Der vom Froschquaken begleitete Vortrag würde thematisch ganz gut in eine ihrer Geschichten passen. Denn Silke Kasamas hat einen wachen Blick für den ganz normalen Wahnsinn und versteht es, Alltagssituationen humorvoll in Worte zu fassen. Die Protagonistinnen ihrer Kurzgeschichten sind Frauen. „Weil ich mich in deren Sichtweise einfach besser einfühlen kann“, sagte die 43-jährige, die zwei ihrer neuen, noch nicht veröffentlichen Geschichten im schönen Garten der Sickenhöfer Malerin und Naturliebhaberin Heide Jakob und ihres Ehemanns Carl-Heinz zum Besten gab.

Zum Schutz vor den Regentropfen waren große Sonnenschirme aufgebaut, unter denen die zehn Zuhörer einen beinahe privaten Rahmen um die Autorin bildeten. Und die Besucher der Lesung, die die Stadt gemeinsam mit der Heidegalerie und Kasamas organisiert hatte, genossen das Ambiente und die entspannte Stimmung. „Da könnte ich jetzt noch ewig zuhören“, sagte eine Besucherin am Ende. Denn Kasamas, die ihre Brötchen als selbstständige Vermögensberaterin verdient, versteht es pointiert und unterhaltsam vorzulesen. „Eigentlich hat alles damit angefangen“, erzählte sie. Zum Schreiben sei sie erst vor wenigen Jahren durch das Vorlesen gekommen.

Kurzerhand eigene Geschichte geschrieben

Sie trug damals regelmäßig Geschichten anderer Autoren vor einem überwiegend weiblichen Publikum im Geschäft „Xamea Dessous“ von Kati Mehler vor. Als es bei einem dieser Leseabende mit der rechtlichen Absicherung durch die Erlaubnis eines Verlags nicht rechtzeitig klappte, schrieb sie kurzerhand selbst eine Geschichte, um „Material“ zum Vorlesen zu haben. Weitere folgten, die beim Publikum gut ankamen. Nachdem im Dezember 2014 die Mitarbeiterin eines Verlags bei einer dieser Lesungen zugehört hatte, kam es bereits ein Dreivierteljahr später zur Veröffentlichung ihres ersten Buches „Gänseblümchen hat Gänsehaut“ mit zwölf humorvollen Kurzgeschichten im Thekla-Verlag. Das Taschenbuch mit einer ersten Auflage von 800 Exemplaren verkaufte sich so gut, dass bereits eine zweite Auflage mit tausend Büchern gedruckt wurde und eine dritte gerade in Arbeit ist.

Die Geschichten für das neue Werk, das eine Fortsetzung des Gänseblümchen-Buches werden soll, sind bereits geschrieben, müssen jetzt aber noch lektoriert werden. Ihre Themen beschreibt Kasamas als „querbeet“, ihren Schreibprozess als „oft sehr spontan“.

Wie werde ich Buchhändler/in?

„Ich schreibe auch auf Zuruf“, sagte sie augenzwinkernd. Wenn jemand aus ihrem Umfeld ihr etwas erzählt, liefere das nicht selten ein Stichwort oder eine Idee für eine Story, die sie auch schon mal während der Wartezeit beim Zahnarzt in ihren I-Pad tippt. „Den habe ich immer dabei, um überall schreiben zu können“.

Wenn sie im Büro in ihrem Haus mit ihrer eher zahlen- und datenlastigen Arbeit beschäftigt ist, schaltet sie zwischendurch von Vermögensberaterin auf Schriftstellerin um. „Wenn ich einen Geistesblitz aufschreiben will, muss ich ja am Computer nur das Programm wechseln“, erzählte die gebürtige Harreshäuserin, die mit ihrem Ehemann Franc Bernges gerne auf dem Motorrad unterwegs ist. Sie fährt eine Buell. Die sportliche Maschine passt zu der energiegeladenen, kreativen Frau, die als Vorsitzende die Geschicke des örtlichen Gewerbevereins leitet. Auch das tierische Familienmitglied fügt sich gut ins Bild – kein Schoßhündchen, sondern eine Deutsche Dogge, in deren Schatten ein Pony verschwindet.

Quelle: op-online.de

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