Frühstück für die Dauerschwimmer

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Uwe Assmann fürchtet weder niedrige Temperaturen noch große Schiffe im Nacken.

Babenhausen - Seit dem 1. Mai hat das Babenhäuser Freibad geöffnet. Damit gehört es zu jenen Einrichtungen im Kreis, die den ganz frühen Badespaß anbieten. Aufgrund des kühlen Wetters der letzten Tage haben aber noch nicht allzu viele Besucher den Sprung ins Wasser gewagt. Von Michael Just

Das wird sich laut den Hoffnungen von Dalida Kahl, die mit ihrem gleichnamigen Bäderservice das Schwimmbad betreibt, hoffentlich schon bald ändern. Die Vorfreude auf die neue Saison schlummert bereits unverkennbar in ihr und dem gesamten Team.

„Dass wir so früh öffnen, ist vertraglich mit der Stadt festgelegt“, berichtet Kahl. Durch das jüngst sanierte Bad habe man problemlos die Möglichkeit, mit bei den Ersten zu sein. „Bei uns ist alles aus Edelstahl. In den Bädern mit Fliesen werden die Kacheln derzeit noch gereinigt und kaputte nach dem Winter ausgebessert“, sagt sie. Die Frostgefahr, die mit den Eisheiligen einhergehe, schiebe die Eröffnung vieler Bäder nach hinten.

Seit 20 Jahren

Bereits seit 20 Jahren betreibt Kahl das Babenhäuser Bad. Ganz alleine war sie dabei hier noch nie. Dafür sorgen schon die Dauerschwimmer, die täglich ins Wasser gehen. Zu ihnen gehört Uwe Assmann (65). Am Samstagmorgen fröstelt der Rentner schon ein wenig, als er die 60 Meter von der Umkleide zum Wasser zurücklegt. Mit einem mutigen Sprung ins Nass vertreibt er die Gänsehaut. Gerademal 13 Grad hat die Luft, das Wasser weist immerhin 23 Grad aus.

Stets um die Gäste bemüht: Für die Dauerschwimmer gibt’s einmal die Woche von Dalida Kahl ein Freiluft-Frühstück.

„Wir sind jeden Tag um neun Uhr da“, sagt Assmann über sich und seine Frau Beate. Der Besuch des Bades gehört seit Beginn seiner Rente zum Auftakt des Tages. Dann stehen 1 000 Meter Schwimmen an. „Bewegung tut gut“, konstatiert der Babenhäuser, der die Badehose 20 Jahre lang bis zum Ruhestand nicht übergestreift hatte. Körperlich untätig war der fitte Frühaufsteher trotzdem nicht: Zum Arbeitsplatz ins Seligenstädter Krankenhaus fuhr der ehemalige Masseur täglich mit dem Fahrrad.

Zu den ältesten Dauerschwimmern gehört Edith Scharwitzke (83). „Durch das Schwimmen fühle ich mich wohl. Erst gehe ich mit dem Hund raus, dann ins Bad“, erzählt sie. Auffallend ist, dass sie Schwimmen erst 1978 im Alter von 48 Jahren gelernt hatte. Danach entwickelte sich das Bahnenziehen für sie zum Jungbrunnen.

Als die Schwimmer am Samstagmorgen aus dem Becken kommen, erwartet sie bereits frischer Kaffee und süße Stückchen. Das Frühstück hat Dalida Kahl vorbereitet. Mit dieser Aufmerksamkeit bedankt sie sich einmal in der Woche bei den Dauerschwimmern für ihre Treue. Neben einem Lächeln fördert das den sozialen Zusammenhalt im Bad. Gerade die soziale Komponente sieht Kahl in einem Freibad als besonders hoch an. „Im Hallenbad geht es um den Sport. Im Freibad ist die Gemeinschaft für viele Besucher weitaus wichtiger“, erzählt sie. Unzählige Schüler sähen hier einen Treffpunkt. Und für Familien, die sich mit ihren Kindern keine große Urlaubsfahrt leisten können, werde das Bad zum Urlaubsersatz. Zudem weiß sie von der Entlastung berufstätiger Eltern, die ihre Kinder morgens bringen und abends wieder abholen. Nicht nur aus Eigeninteresse lobt Kahl deshalb jene Städte, die ihre Bäder trotz der Defizite am Laufen halten.

Eintrittspreise werden nicht erhöht

Für die Babenhäuser Schwimmbadliebhaber gibt es dieses Jahr eine gute Nachricht: Die Eintrittspreise werden nicht erhöht und bleiben mit drei Euro für Erwachsene und 1,80 Euro für Kinder stabil. Mittlerweile weitgehend aus dem Themenbereich heraus ist „Jenny“. An den Krabbenkutter haben sich die Schwimmer gewöhnt. „Trotz anfänglicher Skepsis loben jetzt viele die Idee und die imposante Erscheinung“, berichtet Kahl.

Wer derzeit ins Bad kommt, findet äußerst moderne und einladende Gegebenheiten vor. So bleibt nur die Hoffnung, dass das Wetter sich bald genauso einladend zeigt und die Temperaturen zügig nach oben klettern. Der Schlager-Klassiker von Rudi Carrell „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ bietet sich dafür hervorragend als Sehnsuchtsmittel an.

Quelle: op-online.de

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