Fürs Gedrängel eine „5“

Babenhausen - Es ist kurz nach 13 Uhr an diesem Donnerstagmittag und eigentlich nicht viel los an der Haltestelle der Babenhäuser Gesamtschule „Offene Schule“. Etwas 20 Schüler warten - auf den Bus. Von Kathrin Rosendorff

Drei von ihnen sind Anne (12), Marit (12) und Alina (13). Sie sitzen auf dem Boden und warten gelangweilt auf den 65er Bus, der sie erst in einer halben Stunde über Sickenhofen nach Hergershausen und Schlierbach bringt. Abwechslung bieten da nur die Reporter, die mit ihren Blöcken und Mikros umherlaufen und Fragen stellen wie: „Ist denn die Busfahrt von der Schule nach Hause wirklich so schlimm? Und wie ist das mit dem Gedränge?“

Anlass für den Medienauflauf ist der gerade publizierte ADAC-Schulbus-Test (siehe auch Seite 5 Rhein-Main). Dabei fiel die Busroute zwischen Schlierbach und Babenhausen den ADAC-Testern besonders negativ auf. Sie gaben der Probefahrt die Schulnote „mangelhaft“. Unter die Kritikpunkte fielen unter anderem: die Überfüllung des Bus und der unfreundliche Busfahrer, der zudem bis zu 30 Stundenkilometer zu schnell fuhr. „Am schlimmsten ist es dienstags und freitags. Da haben wir alle zur selben Zeit aus“, sagt Anne. 1 100 Schüler hat die Offene Schule - nicht alle nehmen den Bus, aber genügend viele, dass schon vor dem Bus das Gedränge und Geschubse beginnt.

„Manchmal ist es so schlimm, dass ich keine Luft mehr kriege, so gequetscht stehen wir im Bus“, sagt die kleine, rothaarige Nadja (11) und erzählt, dass ihre Cousine vergangene Woche so sehr beim Einstiegen geschubst wurde, dass ihr Fuß unter die fahrende Busreifen gekommen sei. „Sie trägt jetzt einen Gips“, so Nadja.

„Schlimm ist auch, dass die Großen uns immer am Ranzen zurückziehen und die Busfahrer beschimpfen uns auch schon mal als Penner“, erzählt der zarte Daniel. „Und manchmal fahren die Busse einfach zu früh ab und wir müssen auf den nächsten warten.“

Schon seit vier Jahren bemängelt die Babenhäuser Elterninitiative „Sicheres Busfahren“ die schlechten Verhältnisse. „Es muss für jedes Kind einen Sitzplatz geben. Und es kann nicht sein, dass die Kinder bis zur Windschutzscheibe stehen“, betont Karin Sauerwein von „Sicheres Busfahren“. Sie hatte sich auch beim ADAC gemeldet, als dieser zum Schulbus-Test aufrief. „Immer wieder wird gesagt, es muss gespart werden. Da frage ich zurück, wie viel ist euch die Sicherheit unserer Kinder wert?“

Bedient wird die Linie 65 vom Busunternehmen Spahn und Roth. Zuständig ist die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (DADINA). Geschäftsführer Matthias Altenhein äußert sich folgendermaßen zu den Vorwürfen: „Unabhängig von der ADAC-Studie haben wir bereits Gespräche geführt, um die Schulschlusszeiten zu entzerren. Anfang Februar fand ein Termin mit allen Beteiligten an der Schule statt, um Lösungsmöglichkeiten zu finden.“ Insbesondere ginge es um eine bessere Verteilung der Schüler auf die eingesetzten Busse.

Bis Ende März sollen konkrete Schritte in die Wege geleitet werden. Parallel prüfe die DADINA auch den Einsatz von zusätzlichen Bussen, die von der DADINA selbst und den betroffenen Gemeinden zu finanzieren wäre. Zum Verhalten der Busfahrer sagt Altenhein: „Sofort nach Bekanntgabe des ADAC-Berichts haben wir uns mit dem von uns beauftragten Verkehrsunternehmen Spahn und Roth Kontakt aufgenommen und das kritisierte Verhalten des Busfahrers angesprochen.“ Beide Seiten gehen konform, dass die Busfahrer die Regeln der Straßenverkehrsordnung einhalten müssen und nicht schneller fahren dürften als erlaubt. Bei stehenden Fahrgästen sind das maximal 60 Stundenkilometer.

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