Gedroschen wie einst

+
Reinhard Geißler testete am Samstag seinen Lanz-Mähdrescher aus dem Jahr 1958, der seit vergangenem Jahr in seinem Besitz ist.

Babenhausen - In eine andere Zeit versetzt fühlte sich, wer am Samstagnachmittag an dem großen Roggenfeld nahe der Reitanlage vorbeikam. Ein alter Lanz-Mähdrescher, Baujahr 1958, gesteuert von Reinhard Geißler, der im gleichen Jahr geboren wurde, zog hier seine Bahnen. Von Petra Grimm

Das historische, 32 PS starke Arbeitsgerät schnitt das Getreide, trennte Stroh von Körnern, die wahlweise in einem Sack oder dem Körnertank landeten, und presste das Stroh zu Bündeln.

Der Oldtimer-Mähdrescher, den Reinhard Geißler seit vergangenem Sommer besitzt, war hier zum ersten Mal im Einsatz und funktionierte reibungslos. „Der Mähdrescher stand in einer Scheune in Wiesbaden-Idstein“, sagte Helmut Geißler, der das spektakuläre Gerät entdeckt und an Reinhard Geißler vermittelt hat. Mit einem Tieflader haben die beiden ihn nach Babenhausen geholt und aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. „Er ist sofort gelaufen. Man musste nichts reparieren. Es ist alles noch im Originalzustand. Heute dreschen wir zum ersten Mal damit“, sagte Reinhard Geißler, der inzwischen stolzer Besitzer von rund 15 historischen landwirtschaftlichen Geräten und Fahrzeugen ist. Der alte Lanz-Mähdrescher ist sicher ein ganz besonderes Schmuckstück in dieser ungewöhnlichen Sammlung.

Am Samstag hatten sich einige Traktorfreunde und Feuerwehrleute mit Frauen und Kindern am Feldrand versammelt, um der Ernte zuzusehen und mitzuhelfen. Denn es ging an diesem Tag auch darum, das Korn abzumachen, das beim Altstadtfest am Stand der Feuerwehr und der Traktorfreunde hinter der Stadtmühle mit einer alten Dreschmaschine gedroschen wird.

Dafür ging die Zeitreise noch weiter zurück in die Vergangenheit. Da der Lanz-Mähdrescher das Getreide ja selbst drischt, kam noch ein alter Mähbinder aus den 30-er Jahren zum Einsatz. Von einem Oldtimer-Schlepper gezogen, mähte und bündelte er das Getreide, ohne hierbei die Körner vom Stroh zu trennen. Diesen Arbeitsschritt wollen die Feuerwehrleute und die Traktorfreunde, die beim Altstadtfest am 10. und 11. September zum neunten Mal einen gemeinsamen Stand haben, wieder als Attraktion für die Festbesucher bieten.

„In diesem Jahr wird die historische Dreschmaschine von Lothar Kirchhöfer allerdings nicht von einem Traktor angetrieben, sondern von einer Lanz Dampflokomobile aus dem Jahr 1929“, informierte Reinhard Geißler, der damit rechnet, dass neben verschiedenen alten Geräten wieder rund 100 Traktoren ausgestellt werden. „Es haben sich schon Traktorfreunde bis aus dem Würzburger Raum, dem Spessart und dem Odenwald angemeldet, die kommen wollen“, sagte Geißler, der das Treffen historischer Schlepper auf dem Altsstadtfest über verschiedene Traktorzeitungen in der „Szene“ bekannt gemacht hat.

In die Gegenwart zurückgeholt wird der Betrachter des Treibens auf dem Kornfeld ziemlich abrupt durch das Auftauchen des modernen Claas-Mähdreschers, mit dem Ralf Geißler zur Ernte auf das gleiche Feld fährt. Neben ihm wirkt der alte Lanz mit seiner Spurbreite von zwei Metern wie ein Spielzeug. Der moderne Gigant, der das Getreide mit einer Spurbreite von 5,40 Metern abschneidet und in der gleichen Zeit eine etwa 15-fach größere Flächenleistung hat, kann in seinem Korntank zehn Tonnen unterbringen. Zum Vergleich der alte Lanz: In seinen „Bauch“ passen gerade mal 80 Kilogramm Erntegut.

Quelle: op-online.de

Kommentare