Gefahren in der Cyberwelt

+
Spielen am Computer oder Laptop macht Spaß. Eltern sollten aber hinsehen, was ihre Sprösslinge tun.

Babenhausen - Effektiv metzelt der Angreifer die Flughafenbesucher mit seiner High-Tech-Waffe nieder, Blut spritzt, Menschen schreien. Die Horrorszene ist Teil eines Computerspiels. Von Ursula Friedrich

Held am Monitor ist ein schmächtiger 13-Jähriger, der nach dem Massenmord via PC das nächste Level erreicht hat.

Dass solche Szenen zum Alltag vieler Heranwachsender gehören, ließ bei Besuchern der Auftaktveranstaltung der Präventionswoche rund um digitale Medien Entsetzen und Betroffenheit aufkeimen. Rund 200 Gäste waren zum Elternabend „Ins Netz, aber sicher! Durchblick im digitalen Leben“ in die Stadthalle gekommen. Welche Chancen und Gefahren das Internet bietet, zeigte Referent Günter Steppich, Fachberater für Medienschutz am staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau, an simplen Beispielen. „Wenn Sie „Porno“ bei Google eingeben erhalten Sie 750 000 000 Ergebnisse!“, so der Fachmann – Sadomaso, Sodomie und anderes Extreme eingeschlossen.

Der PC, Feind im Kinderzimmer? Keineswegs, so die Botschaft, das Medium sei heute nahezu in jedem Beruf unverzichtbar. Doch während bereits Kinder virtuos im Internet surfen, hinkt die Elterngeneration mit ihren Kenntnissen der Entwicklung hinterher – und verkennt potenzielle Gefahrenquellen. Cybermobbing, sexuelle Belästigung auf Kontaktforen, Extremismus, Gewaltvideos, Suizid-Foren, illegale Downloads, Model-Foren mit Anleitung zur Magersucht... nichts scheint in der Cyberwelt fremd. Und alles ist per Mouseklick vom Kinderzimmer aus zugänglich.

Ein Mittel, um Kinder und Jugendliche zu schützen, nutzt nun der kommunale Präventionsrat, der die Veranstaltungsreihe aus der Taufe hob: Aufklärung. Zur Auftaktveranstaltung, dem Elternabend wurden rund 2000 Eltern eingeladen, zehn Prozent kamen. In zahlreichen Workshops, organisiert von Schulen und der kommunalen Kinder- und Jugendförderung, wird das Thema Medienkompetenz eine ganze Woche lang im Rampenlicht stehen. Zielgruppe dieser Präventionsarbeit sind alle Generationen, von Kindern ab neun Jahren bis zu Senioren.

Gefahren und Chancen der digitalen Medien

 An Beispielen machte Günter Steppich Gefahren und Chancen der digitalen Medien deutlich: „Ohne Facebook wären die Diktaturen in Nordafrika nicht gestürzt“, so sein Fazit. Andererseits hätten drei junge Mädchen nach der Bekanntschaft in einem Suizidforum gemeinsam ihren Freitod inszeniert – die Anleitung für den Tod bringenden Holzkohlegrill entstammte ebenfalls dem Internet.

Zahlen und Statistiken führten im Publikum zu Betroffenheit. 25 Prozent der Teenies läsen keine Bücher mehr, 55 Prozent männlicher Jugendlicher nutzten brutale Computerspiele, 81 Prozent aller Jugendlichen spielten nicht altersgemäße Spiele. Und: „71 Prozent der Eltern erlauben das“, so der Referent. Schätzung gehen von zwei bis drei Millionen onlinesüchtigen jungen Leuten aus. Kritik Steppichs: Medienerziehung gehöre in den Schulstundenplan wie Deutsch und Mathematik – leider seien deutsche Schulen im internationalen Vergleich hier um zehn Jahre im Rückstand. Im Durchschnitt stünden für 100 deutsche Schüler acht PCs zur Verfügung – in Norwegen seien dies viermal so viele. Auch die Ausbildung der Lehrer lasse einiges zu wünschen übrig.

Das Gefahrenpotenzial der neuen Medien lässt sich nur durch kompetenten Umgang mit dieser Technik erkennen und eindämmen – so das Credo des kommunalen Präventionsrats, das zur Veranstaltung einlud. Das Gremium mit städtischen Vertretern, Partnern aus Schulen und Jugendförderung hatte sich im Vorjahr gegründet und mit einzelnen Aktionen begonnen. Erstmals wurde nun eine ganze Präventionswoche inszeniert. „Wir dürfen nicht erst handeln, wenn etwas passiert“, sagte Bürgermeisterin Gabi Coutandin in ihrem Grußwort, „wir wollen eine neue Kultur des Hinsehens schaffen.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare