Geisterkulisse bei den „Löwen“?

Wie der Sport in Babenhausen mit Corona umgeht

Tischtennis-Schiedsrichter Andreas Pixa (vorne) bereitet mit Maske die Tafel vor. Im Hintergrund die Zuschauer, die am Sitzplatz den Mund-Nasen-Schutz in der Langstädter Eckehard-Colmar-Halle abnehmen dürfen.
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Tischtennis-Schiedsrichter Andreas Pixa (vorne) bereitet mit Maske die Tafel vor. Im Hintergrund die Zuschauer, die am Sitzplatz den Mund-Nasen-Schutz in der Langstädter Eckehard-Colmar-Halle abnehmen dürfen.

Corona hat den Sport in Babenhausen, Münster und Eppertshausen mal mehr, mal weniger stark getroffen. Beim Tischtennis in Langstadt läuft zum Auftakt alles glatt, bei den Handball-Löwen von Rot-Weiß herrscht indes große Unsicherheit.

Babenhausen/Münster/Eppertshausen – Die Tennisspieler waren nach dem Lockdown die Ersten, die im Frühsommer wettkampfmäßig auf die Plätze zurückkehrten. Ihre Ligarunde 2020 ist bereits abgeschlossen, hessenweit zwar mit weniger Mannschaften als sonst und ohne sportliche Absteiger, jedoch relativ komplikationsarm. Recht normal angelaufen ist in Babenhausen, Münster und Eppertshausen auch der Fußball. Doch mit dem Saisonstart mehrerer Hallen-Sportarten tauchen nun größere Herausforderungen auf. Während der Tischtennis-Auftakt der Langstädter Bundesliga-Frauen am Sonntag glatt lief, machen sich die Babenhäuser Handballer derzeit grundlegende Gedanken.

Handball: SG Rot-Weiß

Aushängeschild der SG Rot-Weiß ist neben der vielfältigen Jugendarbeit das Männerteam in der Oberliga Hessen, das seine Heimspiele in der größeren der beiden Babenhäuser Schulsporthallen austrägt. Dort steht auch eine Zuschauertribüne zur Verfügung, auf der zu attraktiven Begegnungen mehr als 200 Zuschauer Platz nehmen. Dass eine derartige Zahl in der anstehenden Runde, die für die „Löwen“ am 18. Oktober mit der Partie in Großlüder beginnt und in der für den 25. Oktober das erste Heimspiel gegen Pohlheim ansteht, zustande kommt, ist im Moment ausgeschlossen. Andreas Bludau, Vorstandsvorsitzender der Rot-Weißen, wirft aber noch weiterreichende Fragen als die nach der Zuschauerbegrenzung und der Umsetzung eines Hygienekonzepts auf.

Denn ein Konzept gibt es auch bei den Babenhäuser Handballern. „Momentan habe ich ganz viele weiße Blätter mit Hygienemaßnahmen vor mir“, sagt Bludau. Allein: Die Spalte, in der er die Helfer für die Umsetzung und Überwachung der Vorgaben bei den Heimspielen eintragen müsste, weist viele Lücken auf. 10 bis 15 Helfer bräuchte er mindestens, „doch Corona hat in den Vereinen einen Prozess beschleunigt“, meint Bludau. Konkret meint er: „Die Leute ziehen sich ins Private zurück. Corona hat es beschleunigt, dass ehrenamtliche Helfer flöten gehen. Viele haben in den vergangenen Monaten gemerkt, dass sie auch ohne Handball und feste Termine ganz gut klarkommen.“ Neben dem personellen Aspekt sieht es Bludau als äußerst schwierig an, gerade die Heimspieltage mit mehreren Partien hintereinander in der Schulsporthalle coronagerecht durchzuführen. „Duschen und Umziehen für alle Spieler kriegst du mit der vorgeschriebenen Reinigung und den Lüftungspausen nicht hin“, glaubt er. Schwer vorstellbar sei aber auch, die mitunter von weither angereiste Gastmannschaften nach Abpfiff direkt verschwitzt ins Auto zu schicken. Fazit: „Aus unserer Sicht ist der Spielbetrieb kaum verantwortungsvoll darstellbar. Wir tun uns gerade extrem schwer.“ Am heutigen Freitagabend berät sich der Verein in einer großen Spielersitzung. „Die Bandbreite der möglichen Entscheidungen reicht von Spielen mit Zuschauern über Geisterspiele bis hin zu einer Komplettabsage der Saison von unserer Seite.“

Fußballbetrieb läuft

An eine Komplettabsage dachten im Fußball im Sommer nur die wenigsten Vereinsvertreter. Bisher geht der Ansatz, eine reguläre Saison mit Hin- und Rückrunde sowie Auf- und Abstieg auszutragen, zumindest im Fußball-Kreis Dieburg – mit den Vereinen aus Babenhausen, Münster und Eppertshausen – weitgehend auf. Lediglich der FSV Groß-Zimmern musste sich kürzlich mit zwei Dutzend Spielern von A- und C-Liga-Team zwei Wochen lang in Quarantäne begeben, was sechs Spielverlegungen zur Folge hat.

Mit den weißen Chips erfasst der SV Kickers Hergershausen bei seinen Heimspielen, wie viele Zuschauer bereits auf dem Gelände sind. Maximal dürfen es derzeit 250 sein.

Der SV Kickers Hergershausen berichtet im Rahmen eines Heimspiels, Spieler und Zuschauer verhielten sich diszipliniert. Auch auf den anderen Sportplätzen habe man den Eindruck, dass die Vorschriften wie die Erfassung der persönlichen Daten am Eingang recht konsequent eingehalten werden. Aber es gab auch weniger vorbildliche Bilder bei einigen Fußballspielen in der Region, bei denen die Zuschauer recht eng zusammenstanden und von größeren Corona-Abständen wenig zu erkennen war.

Tischtennis-Heimspielauftakt mit strengen Auflagen

Genau darauf wurde am Sonntag beim Bundesliga-Heimspiel des TSV Langstadt in der Tischtennis-Bundesliga der Frauen penibel geachtet. In der Eckehard-Colmar-Halle fanden sich offiziell exakt 79 Zuschauer ein, die ihr Ticket allesamt vorab gebucht hatten. Normalerweise dürfen mehr als 200 Fans in die Halle. Die Stühle waren mit klarem Abstand zueinander platziert und nummeriert; nur zusammengehörige und gemeinsam angemeldete Personen saßen direkt beisammen. An den zwei Platten gab es einen markanten Unterschied: Die Tischtennis-Saison 2020/21 wird ohne Doppel ausgetragen. Trainer, Offizielle, Schiedsrichter und Fotografen trugen Mund-Nasen-Schutz, den das Publikum am Sitzplatz abnehmen durfte. Beim Fußball müssen die Zuschauer die Maske auch dann nicht tragen, wenn sie sich unter freiem Himmel auf dem Sportplatz bewegen. Auf der Toilette oder beim Pausenbier im Vereinsheim ist sie aber aufzusetzen.

Kein Ligabetrieb bei den Ringern

Während auch im Volleyball inzwischen die ersten Begegnungen absolviert sind, hat das Warten für die Ringer noch lange kein Ende: Unterhalb der Bundesliga (in der auch nur 16 von ursprünglich 26 Mannschaften mitmischen), findet in Hessen in diesem Jahr kein Ligabetrieb statt, die Runde wurde auch aufgrund des Votums der Vereine gestrichen. Einzelturniere sind noch keine in Sicht, was besonders die Jugendringer schmerzt. Betroffen ist unter anderem Hessenligist FSV Münster. Die nächste Mannschaftssaison beginnt im Ringen erst im Spätsommer 2021.

Da für die nächsten Monaten steigende Infektionszahlen prognostiziert werden, sind aber auch die laufenden Wettkampfbetriebe labil. Manche bauen sicherheitshalber vor: Der FV Eppertshausen etwa hat bereits beschlossen, seine Junioren-Fußball-Turniere sowie sein beliebtes Mitternachtsturnier in der Halle des Sportzentrums im kommenden Januar ausfallen zu lassen. (Von Jens Dörr)

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