Gemarkungsrundgang

Aus Sackgasse zu den Hügelgräbern

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Mit „Berg auf“ zu Kultstätten der Kelten und an der „Schönen Eiche“ vorbei gewandert. Der ehemalige Forstamtsleiter Kurt Schäfer zeigte den Wanderern nicht nur eines der zahlreichen Hügelgräber rund um Babenhausen, sondern erzählte auch Interessantes über die Kelten.

Babenhausen - „Ich habe die Hügelgräber auch noch nie gesehen“, sagt Wilfried Fassing, Mitorganisator des 7. Gemarkungsrundgangs des Wanderklubs „Berg auf“. Am Samstag war er mit rund 80 Mitstreitern in der östlichen Gemarkung von Harreshausen unterwegs. Von Ulrike Bernauer 

Der ehemalige Forstamtsleiter Kurt Schäfer führte die Gruppe, er kennt den Wald dort wie seine Hosentasche. „Es gehört nicht unbedingt zu den Aufgaben eines Försters, sich mit archäologischen Funden oder der Geschichte auszukennen, aber ich muss wissen, wo Boden- oder Naturdenkmäler im Wald sind, um sie schützen zu können,“ sagte der Führer. Schäfer hat aber auch ein ganz persönliches Interesse an der Geschichte von Babenhausen, ist er doch auch Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins.

Begonnen hat der Rundgang am Wanderheim in der Sackgasse. Der erste Haltepunkt war nicht weit, die Wanderer besuchten das erst kürzlich eröffnete Territorialmuseum, wo Ute Wittenberger in der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte die Fundstücke, die rund um die Stadt gemacht wurden, erläuterte. Dann hatten die Wanderer Appetit nach mehr und waren gespannt auf die Hügelgräber.

Nicht als Grab zu erkennen

Das wohl Imposanteste, das auch im Museum in der Dioramaschau dargestellt ist, liegt direkt an dem sogenannten Rennweg. Für den Laien ist der Hügel dort aber nicht als Grab zu erkennen, zumal auf der Aufschüttung zahlreiche Bäume stehen. Die werden auch weiter dort wachsen können, auch wenn in naher Zukunft eine Informationstafel auf diese keltische Grabstätte aufmerksam machen soll. Man hat nicht vor, dieses Grab zu öffnen und der Bewuchs sichert die Grabstätte vor Erosion.

Schäfer erzählte einiges über die Bestattungstechniken der Kelten. Die Hügelgräber um Babenhausen, von denen es etliche gibt, stammen aus der Hallstattzeit, so um 800 vor Christi. Damals bestatteten die Kelten ihre Verstorbenen in Urnen. Auf die Frage, wie das Gebiet um Babenhausen vor zweieinhalbtausend Jahren aussah, musste Schäfer passen: „Ich habe damals noch nicht gelebt.“ So viel Wald wie heute schließt er aber aus. Man vermutet eine Dünenlandschaft, die die Kelten für ihre Bestattungsstätten wählten. Von den Kelten selbst ist kaum noch etwas zu finden. „Sie hatten Häuser aus Holz, Lehm und Weidengeflecht, da bleibt nicht viel von übrig. Deshalb konnte und kann man auch schlecht nachweisen, wo die Kelten damals gewohnt haben,“ sagte der Führer.

Schäfer setzte die Hügelgräber in den zeitlichen Bezug zu anderen markanten Stellen in der Gemarkung. Bevor die Wanderer das Hügelgrab erreichten, kamen sie an der „Schönen Eiche“ vorbei. Die ist vor 600 Jahren gepflanzt worden. „Neuer“ war der Versuch, einen Flugplatz bei Babenhausen zu bauen. Anfang 1945 wollte man für Kampfjäger einen Hangar errichten. „Es gibt alte Bilder, auf denen man den Flugplatz fertig trassiert sieht, aber Anfang Februar 1945 wurde er bombardiert, sonst hätte Babenhausen heute einen Großflughafen“, scherzte Schäfer.

Hans Heitzmann, 73 Jahre, wandert immer bei den Gemarkungsrundgängen des Klubs mit: „Es war bis jetzt immer interessant.“ Heitzmann wurde von Enkel Marcel Wachtel (17) begleitet. „Das interessiert mich sehr“, sagte Wachtel, „ich will später mal Geschichte studieren. Hier waren viele Völker, später auch noch die Römer.“

Hubert Ott freute sich über die Gesellschaft beim Wandern an der frischen Luft. „Der Vortrag war interessant und der Besuch im Museum ein bisschen kurz.“ Deshalb hat sich Ott vorgenommen, gleich nach der Rückkehr, nachdem er am Wanderheim die von der Feuerwehr gekochte Suppe verspeist hat, noch einmal in Ruhe im Territorialmuseum vorbei zu schauen.

Quelle: op-online.de

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