Gericht verhängt hohe Strafen

Darmstadt/Babenhausen ‐ Manche kamen mit einer Bewährungsstrafe davon, andere müssen ins Gefängnis. Zwischen 14 Monaten und drei Jahren und drei Monaten bewegten sich die Strafen, die die zweite Strafkammer im Darmstädter Landgericht über die sieben meist jugendlichen Täter verhängte, die für drei Raubüberfälle verantwortlich sind. Von Ulrike Bernauer

Dabei ging Richterin Andrea Röhrig über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Zur Last gelegt wurden ihnen die Überfalle auf den Netto-Markt in Babenhausen am 14. Dezember 2009, auf den Netto-Markt in Schaafheim am 18. Januar 2010 und auf ein Schreibwarengeschäft in Babenhausen am 20. Januar 2010.

Sechs der sieben Angeklagten kommen aus Babenhausen. Alle Beschuldigten hatten ihre jeweiligen Tatbeiträge bereits im Vorfeld des Prozesses zugegeben und wurden nach dem Jugendstrafrecht verurteilt, weil einige zur Tatzeit unter 18 waren.

Höchste Strafe: drei Jahre und drei Monate ohne Bewährung

Die höchste Strafe mit drei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung erhielt der Offenbacher E. M. (20), der der Teilnahme an den beiden Raubüberfällen auf die Märkte für schuldig befunden wurde. „Die Strafe wäre höher ausgefallen, wenn sich E. M. nicht geständig gezeigt und nicht bei der Aufklärung mitgeholfen hätte“, erklärte Röhrig. Schließlich handele es sich um zwei Fälle von schwerem Raub.

Die zweithöchste Strafe erhielt mit zwei Jahren und neun Monaten S. G. (18). Richterin Röhrig befand ihn des Überfalles auf den Netto-Markt in Schaafheim für schuldig, gemeinschaftlicher schwerer Raub lautete der Urteilsspruch. Besonders schwer wog, dass der bewaffnete G. die Angestellte des Marktes unter Druck setzte: „Ich zähle bis drei, dann schieße ich.“ Strafverschärfend war, dass der Angeklagte aus Vorstrafen nichts gelernt habe.

Schreckschusswaffe direkt vor der Angestellten durchgeladen

Ebenfalls ohne Bewährungsstrafe ging für D. K. das Verfahren aus. Wegen schwerer räuberischer Erpressung wurde der 17-Jährige zu zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Strafmildernd wertete Richterin Röhrig, dass D. K. sich bei der Angestellten des Schreibwarenladens entschuldigt, den Schaden von rund 800 Euro beglichen und der Angestellten ein Schmerzensgeld von 300 Euro gezahlt habe. Für das Strafmaß mit entscheidend war, dass der Angeklagte die Schreckschusswaffe direkt vor der Angestellten durchgeladen und damit Todesangst bei der Betroffenen ausgelöst habe. Ihr Unverständnis für die Tat äußerte die Richterin auch, weil der Täter D. K. im Gegensatz zu manchem anderen der Angeklagten eine ausgesprochen gute schulische Entwicklung hinter sich habe und familiär fest eingebunden sei.

Mit einer Bewährungsstrafe kam A. K. (17) davon: zwei Jahre wegen Beihilfe bei schwerem gemeinschaftlichem Raub. Darin floss eine frühere Bewährungsstrafe ein. A. K. hatte sich zwar zur Teilnahme am Überfall auf den Netto-Markt in Schaafheim bereit erklärt, dann aber vermutlich aus Angst nicht teilgenommen.

Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten gab es für R. H. (19) für die Beihilfe zu schwerem gemeinschaftlichen Raub. Er hatte den Fluchtwagen in Schaafheim gefahren.

Ein Jahr und vier Monate Bewährungsstrafe, so lautete das Urteil für C. K. (21), der den Fluchtwagen bei dem Überfall auf das Schreibwarengeschäft gefahren hatte.

Die geringste Bewährungsstrafe erhielt mit einem Jahr und zwei Monaten M. C. M. (21). Sein Tatbeitrag bei dem Überfall in Babenhausen war die Informationsbeschaffung über Abläufe im Markt. Strafmildernd war für ihn die Tatsache, dass er bisher polizeilich nicht aufgefallen war und die Jugendgerichtshilfe ihm eine positive Sozialprognose stellte. Alle vier Bewährungsstrafen wurden für die Dauer von drei Jahren ausgesetzt. Die Verurteilten können in Revision gehen.

Quelle: op-online.de

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