Gesangverein droht das Ende

Schlecht proben oder nicht singen

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Hier könnte demnächst der rettende Fluchtweg entstehen. Und das im doppelten Sinne: Genehmigt die Stadtverordnetenversammlung den Bau eines Eisenstegs über das Dach, kann der obere Raum des Bürgerhauses wieder genutzt werden.

Hergershausen - Die Vereine stehen vor existenziellen Problemen: Die Probenräume wurden ihnen genommen, Alternativen gibt es keine. Nun heißt es: weiterhoffen oder aufgeben? Die Hallenschließungen in Hergershausen und Sickenhofen ziehen weitere Konsequenzen nach sich. Von Yvonne Fitzenberger 

Denn nach mehr als 125 Jahren Bestehen droht dem Gesangverein Liederkranz das Ende. Es ist ein Freundschaftsdienst, den der Gesangverein Liederkranz dankend angenommen hat: Der Schützenverein stellt ihnen einen Nebenraum. Aber es ist keine Lösung. „Die Akustik ist nicht ideal“, berichtet Christel Kirchhöfer, stellvertretende Vorsitzende des Liederkranzes. Der Gesangverein zieht seit der Schließung des Bürgerhauses (wir berichteten) den Kürzeren. Der Ersatzraum im Schützenhaus ist isoliert, was die Akustik verschlechtert. Für den Schützenverein praktikabel, für die Sänger schlechte Ausstattung. Zwar hatten sie Glück, dass sie Ersatz gefunden haben, dennoch stehen sie vor der Frage: Die schlechten Probenbedingungen hinnehmen oder gar nicht mehr singen?

„Unsere Existenz ist bedroht“, beklagt Kirchhöfer. Der Chor leidet – so wie viele Vereine – unter fehlendem Nachwuchs. Nun machen unmögliche Proben, bei denen sie „vor sich hin singen“, und laufende Kosten, die sie ohne Auftritte kaum stemmen können, das Vereinsleben noch schwerer. Einen anderen Raum suchen? Unmöglich für den Liederkranz. „Die anderen Räume sind zu klein, zu weit weg oder belegt“, erläutert die zweite Vorsitzende. Daher ruhen die Hoffnungen weiterhin auf eine Wiedereröffnung des Bürgerhauses. Schriftführer Günther Gudrian zeigt Unverständnis: „Wenn der große Saal nutzbar ist, dann der kleine doch auch.“ Das sieht auch Kirchhöfer so, die zusammen mit dem Vorsitzenden van Bürk der Stadt Vorschläge übergab. „Es würde sich sogar jemand unten an die Tür setzen, um sicher zu gehen, dass der Fluchtweg frei ist“, sagt sie mit einem Seufzer. Denn dass der Ersatzraum keine Lösung ist, betont auch Gudrian. Er und Kirchhöfer hoffen auf eine Alternative vonseiten der Stadt. „Das wird dauern“, vermutet Kirchhöfer.

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Aus der Magistratssitzung am vergangenem Mittwoch kommt Bürgermeister Joachim Knoke dann doch mit Neuigkeiten, die Hoffnung machen: In der Stadtverordnetenversammlung (SVV) am 23. März geht es nicht nur um eine begrenzte Wiedereröffnung des großen Saals. Der kleine Raum über der Gaststätte könne unter strikten Bedingungen auch wieder eingeschränkt benutzt werden. „Falls der Gaststättenbetreiber garantiert, dass die Fluchttür während des Betriebs offen ist, kann der Raum genutzt werden“, sagt Knoke. Allerdings ist auch das keine Lösung. In der kommenden SVV legt der Magistrat daher einen weiteren Vorschlag vor. „Es gibt eine Leiter hoch zum Sendemast“, erzählt Christel Kirchhöfer. Auf die ist auch der Magistrat aufmerksam geworden. „Es wird geprüft, ob die Leiter als Fluchtweg genutzt werden kann“, erklärt der Verwaltungschef. Der Magistrat suche bereits Angebote, damit zeitnahe ein Steg zur Leiter auf dem Dach gebaut wird.

Stimmen die Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung zu, könnte damit die Hoffnung des Liederkranzes wahr werden. Und der Traditionsverein verschwindet nicht.

Quelle: op-online.de

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