Geschichten bei Kerzenlicht

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Im heimeligen Hof der Langfeldsmühle lässt es sich gut feiern. In Nikolausmützen traten die Mitglieder des Blasorchester des TV-Hergershausen stilecht beim Adventskalender auf.

Hergershausen ‐ „Es war ein Erfolg“ - so fällt die Bilanz für den ersten lebendigen Adventskalender in Hergershausen aus. Bei dieser Aktion wird an jedem Adventstag symbolisch ein „Türchen“ in einem Haus im Ort aufgemacht. Von Michael Just

Dabei laden Menschen andere Menschen meist zu sich in den Hof ein, um sich gemeinsam auf das nahe Weihnachtsfest zu besinnen und im Anschluss noch ein wenig in geselliger Runde zu verweilen. Das dauert in der Regel rund eine Stunde, meist gibt es noch eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken.

Das letzte „Türchen“ am 24. Dezember öffnete sich mit dem Gottesdienst am Heiligen Abend in der Hergershäuser Kirche, das vorletzte am Donnerstag in der Langfeldsmühle. Die verzeichnete mit rund 150 Besuchern beim Blick zurück die größte Gästeschar beim Adventskalender. Danach folgt der Gesangverein „Liederkranz“, der am Nikolaustag auf den „Dalles“ einlud. Im Hof der Mühle spielte das Blasorchester des TV Hergershausen, dazu sang der lokale Kindergarten. In einem Gewölbekeller wurden für Kinder in heimeliger Atmosphäre mit reichlich Kerzenlicht Geschichten vorgelesen. Neben dem Glühwein diente ein Lagerfeuer zum Aufwärmen.

Besonders viel Mühe gemacht

„Ich war von den vielen guten Ideen der Leute in den letzten Tagen überrascht. Jeder hat sich was ausgedacht, und es war durchweg stimmungsvoll“, berichtet Christel Kirchhöfer, die rund ein halbes Dutzend mal beim Öffnen eines Türchens, das täglich auf 17 Uhr terminiert war, mit dabei war. In guter Erinnerung ist ihr dabei die Familie Stanzel, die eine Krippe mit lebensgroßen Pappmaché-Figuren gefertigt hatte und dazu leckere Plätzchen reichte. „Hier hat man sich besonders viel Mühe gemacht“, lobt Kirchhöfer das Engagement. Leider habe der aufkommende Schneesturm an diesem Tag den Stanzels nicht die Resonanz beschert, die sie verdient hätten.

In der Regel kamen im Durchschnitt rund 25 Personen zu den einzelnen Terminen, die Angebote von Gesangverein und Langfeldsmühle erwiesen sich mit einer dreistelligen Besucherzahl als Ausreißer. Der gute Zuspruch in der Mühle war schon im Vorfeld abzusehen: Zum einen ist das historische Gebäude sehr beliebt, zum anderen beinhaltete das „Türchen“ mit der Nummer 23 den Vorteil, dass viele Hergershäuser am nächsten Tag - und damit am Morgen des Heiligabend - nicht mehr arbeiten mussten. So ließ sich froh gelaunt der eine oder andere Glühwein mehr trinken.

Die Idee zum lebendigen Adventskalender kam von Katja Soder. Die dreifache Mutter aus dem Babenhäuser Stadtteil wendete sich damit an Sabine Rauer, die Schwester von Mühlenbesitzer Thomas Winter. Zusammen leitete man die Aktion in die Wege. Mit Erfolg: Am Ende lagen sogar mehr Anmeldungen vor, als „Türchen“ zur Verfügung standen. Völlig unverhofft gab es so noch eine Warteliste. Laut Rauer habe man mit dem Adventskalender auch das Ziel verfolgt, eine Brücke zum Neubaugebiet zu schlagen, um auf diese Weise die jungen, zugezogenen Familien in den Ort zu integrieren. Das sei ebenfalls aufgegangen: „Die Termine haben sich gleichmäßig auf den alten Dorfkern und das Neubaugebiet verteilt“, weiß die Hergershäuserin. Wie sie ankündigt, sei man nicht abgeneigt, den Adventskalender im nächsten Jahr erneut zu „öffnen“ - sofern genügend Leute mitmachen. Da jetzt schon Anmeldungen für 2011 vorliegen, sollte das aber kein Problem sein.

Für 2010 bleibt erstmal eine gelungene Premiere in den Köpfen zurück, zu der eine Wintersonnenwendfeier, von einem Traktor gezogene Schlittenfahrten, ein Nikolaus-Besuch mit der Kutsche, eine Schneebar, Stockbrote, Waffeln und viele Geschichten-Erzähler gehörten. Laut Rauer mache sich bei denen, die die meisten Termine miterlebten, ein wenig Wehmut breit: „Einige fragen sich bereits, wo sie die Woche nach Weihnachten jeden Tag um 17 Uhr hingehen sollen.“

Quelle: op-online.de

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