Mit Getrommel zum Aufstieg

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Erwiesen sich als Glücksbringer: die Mädels und Jungs, die mit dem Team auflaufen durften.

Babenhausen ‐ Als man sich vor dem Anpfiff bei den Spielern der Löwen umhört, ob sie in etwas mehr als einer Stunde Oberligisten sind, geben sich die meisten verhalten: Sie wissen, dass der Sport so manche Überraschung bereithält und sicher geglaubte Erfolge wie Sand in den Händen entrinnen können. Von Michael Just

Auf der voll besetzten Fan-Tribüne besteht weniger Zweifel: „Heute wird‘s was geben“, sagt der Vater eines Spielers. Dass von den Löwen und vom Handball generell eine Faszination ausgeht, bringt Hans Geißler auf den Punkt: Seit acht Jahren fehlt der Babenhäuser Geschäftsmann bei kaum einem Heimspiel. „Damals hatte ich sonntagmittags mal nichts vor und da kam mir die Idee, entweder zum Basketball oder zum Handball zu gehen. In der Folge hab‘ ich mir beides angeschaut und bin dann beim Handball hängen geblieben“, erzählt er. Vor allem die Schnelligkeit und Dynamik des Spiels imponiert ihm, dazu noch eine weitere Tatsache: „Man regt sich einfach mehr auf“, ergänzt er lachend.

Dass die Löwen auf eine große Fangemeinde zählen können, liegt nicht zuletzt an der guten Stimmung: Zum einen sorgt eine nicht gerade kleine Musikanlage vor und nach dem Spiel sowie bei jeder Spielunterbrechung für mitreißende Einspieler aus dem Rock- und Popbereich, die alle Gemüter in der Halle fast wie kleine Elektrostöße aufputschen.

Wer glaubt, dass es während des Spiels merklich ruhiger ist, der irrt: Auf der Tribüne werden in der Löwen-Fanecke meist bis zu sieben Trommeln malträtiert. Die „Anführer“ der schlagkräftigen Kombo sind Bernd Kniese und Axel Schlett. Zusammen sorgen die beiden Jugendtrainer mit weiteren Kids für Stimmung. Wie Kniese sagt, habe ihn schon oft gestört, dass das Publikum bei vielen Sportveranstaltungen sehr träge ist. „Die Mannschaften mühen sich ab und von den Rängen kommt wenig. Da musste auch bei uns was passieren“, sagt der Babenhäuser.

Ein unvergesslicher Moment für die Minis

Die Trommeln entstammen verschiedenen Quellen: Ein kaputt geschlagenes Exemplar wurde in einer Ecke der Schulhalle gefunden, ein ausgemustertes Schlagzeug von einer lokalen Kirchengemeinde gewonnen. Mit günstigen Fellen von einem Musikgeschäft in Seligenstadt bezogen die Macher die „Drums“ neu und fertigten eine „Pauken-Maschinerie“ an, die Kniese auch schon die eine oder andere Blase an den Fingern bescherte. Mit der Zeit brachten Kids und Eltern weitere Trommeln mit. „Keine gehört dem Verein, alle sind privat“, hebt Schlett stolz heraus.

Vor dem Spiel schenkten die Aktiven der Löwen den jüngsten Handballern im Verein, den „Minis“, einen unvergesslichen Moment: An den Händen der Großen durften sie unter dem Jubel von mehreren hundert Besuchern mit einlaufen und winkend das Publikum begrüßen. In der Partie zeigten die Gastgeber, dass sie den Aufstieg verdient haben: Zu keinem Zeitpunkt ist der 38:27-Sieg in Gefahr.

Mit dem Schlusspfiff explodieren die Emotionen: In einer großen Runde liegen sich die Spieler in den Armen und hüpfen singend im Kreis. Es dauert nicht lange und ein großer Humpen mit mehreren Litern Bier ergänzt den Freudentaumel. Ausgelassen trinken die meisten einen Schluck ab, bevor sich das noch fast volle Glas über Trainer Ante Pralas ergießt.

Gerade ein Jahr im Amt, kann der bereits den Aufstieg vorweisen. Wie Pralas sagt, sei er unter der Voraussetzung angetreten, nach zwei Jahren eine Oberliga-Mannschaft zu übergeben. Jetzt sei das Ziel schon ein Jahr früher erreicht. Bescheiden gibt sich der Trainer bezüglich seines Anteils am Erfolg: „Ich bin nur das Außenrum und der, der die Sache auf dem Spielfeld zusammenfügt. Die Jungs sind aber diejenigen, die die Tore des Gegners verhindert haben und es sind auch die Jungs, die die Tore werfen. Sie haben sich das heute verdient und sollen es genießen.“ Das taten seine Schützlinge unbeschwert, ganz gemäß dem Song, der aus den Boxen wummerte: „Hey, was geht ab, wir feiern die Meisterschaft.“

Quelle: op-online.de

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