SV Germania hat keine Zukunft in der Kernstadt

Gewerbe statt Kicker in Babenhausen

Den Fußballplatz „Im Riemen“ darf die Germania ab August nicht mehr nutzen. Die Stadt möchte das Areal zur Gewerbefläche entwickeln. Nächste Woche steigt dort das „Seebeben“.
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Den Fußballplatz „Im Riemen“ darf die Germania ab August nicht mehr nutzen. Die Stadt möchte das Areal zur Gewerbefläche entwickeln. Nächste Woche steigt dort das „Seebeben“.

Bereits seit dem Sommer 2018 hat der SV Germania Babenhausen keine Jugendteams mehr. Seither spielen noch die Aktiven in zwei Mannschaften in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Langstadt. In der Kernstadt ist es vorbei mit dem Vereinsfußball.

Babenhausen - Rund 9 000 der 17 000 Babenhäuser wohnen in der Kernstadt – und damit etwas mehr als in den fünf Stadtteilen Hergershausen, Sickenhofen, Langstadt, Harreshausen und Harpertshausen zusammen. Mit dem neuen Wohngebiet in den „Kaisergärten“ wird Babenhausen auch solo bald eine fünfstellige Einwohnerzahl erreichen. Und doch etwas nicht mehr haben, was es bei den Kickers in Hergershausen, dem SV in Sickenhofen und den Turn- und Sportvereinen in Langstadt und Harreshausen noch gibt:die Möglichkeit für Kinder, im Verein Fußball zu spielen. Kernstadt-Klub SV Germania gibt nach einem gescheiterten Gespräch mit Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) sein Vorhaben auf, die Jugendabteilung wiederzubeleben.

Bereits seit dem Sommer 2018 hat die Germania keine Jugendteams mehr. Seither spielen noch die Aktiven in zwei Mannschaften in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Langstadt. Alle Trainingseinheiten und Spiele finden in Langstadt statt. Die einstige Heimat im Stadion am Ost-heimer Hang musste sie nach der Kündigung durchs Rathaus räumen. Das marode Vereinsheim mit Gaststätte sowie Duschen und Kabinen ließ die Stadt Ende 2019 abreißen; für den Schulsport wurden als Ersatz lediglich einfache Umkleiden ohne Duschmöglichkeit in Containern hingestellt.

Seither hatte die Germania zumindest für den Sportplatz „Im Riemen“ noch das Nutzungsrecht. Das sie mangels Jugendlicher und auch wegen des Corona-Rückschlags aber nicht wahrnahm und dort lediglich ihr Equipment in Containern verstaute. Vor ein paar Wochen stellte die Stadt dem Verein die Kündigung des Pachtvertrags für den Riemen-Sportplatz zu, weil dort nach Ansicht von Stadler auf absehbare Zeit Gewerbe angesiedelt werden soll (wir berichteten). Ab August darf die Germania den Platz nicht mehr nutzen – was den Verein deshalb umtreibt, weil er sich für die Nach-Corona-Zeit den Wiederaufbau seiner Jugendabteilung vorgenommen hat. Ein Gespräch im Rathaus zwischen Bürgermeister Stadler sowie die Germania-Vorsitzender Tihana Posavec-Hennigs und ihrem Stellvertreter Antonio Coppolecchia brachte keine Lösung und endete im Unfrieden.

Die Germania wollte laut Coppolecchia die Verlängerung des Pachtvertrags für den Riemen-Sportplatz um stets ein Jahr erreichen – so lange, bis eine dortige Gewerbeansiedlung wirklich konkret wird. Stadler („Ich habe jede Woche drei bis vier Investoren hier sitzen, die nach genau so was fragen“) will den Sportplatz aber nicht mehr verpachten, um flexibel agieren zu können.

Im Gespräch offerierte der Rathaus-Chef den beiden Vorstandsmitgliedern, dass die Germania Zeiten im Stadion am Ostheimer Hang mieten könne. Diese Sportstätte dürfte mindestens so lange erhalten bleiben, bis das neue Schulsportzentrum unweit der Joachim-Schumann-Schule fertig ist. Für die Germania nicht akzeptabel, wie Coppolecchia betont: „Erst werden wir am Ostheimer Hang praktisch rausgeworfen und sollen unsere Sachen im Riemen unterbringen. Und jetzt, wo wir alles dorthin transportiert haben, werden wir dort vertrieben, stehen mit leeren Händen da und sollen als Mieter an den Ostheimer Hang zurück, wo man Vereinsheim und Infrastruktur abgerissen hat.“

Stadler kann die Ablehnung nicht nachvollziehen: „Die Germania geht auf keins der Angebote ein.“ Zudem zweifelt er an der Substanz des Germania-Ansinnens hinsichtlich neuer Jugendteams: „Es gibt keine konkrete Planung und keine Liste mit Anmeldungen.“ Coppolecchia spricht hingegen von durchaus Interesse einer größeren Kinderzahl und fügt an, dass man mit Werbung sowie Personal- und Mannschaftsplanung erst dann „so richtig loslegen“ könne, wenn die Platzfrage geklärt sei.

Nachdem das jüngste Gespräch aber ergebnislos endete – und zum Schluss auch atmosphärisch aus dem Ruder lief, wie beide Seiten nicht verhehlen –, scheint all das für die nächsten Jahre vom Tisch. Coppolecchia klingt endgültig, wenn er sagt: „Auf dieser Basis werden wir keinen Junioren-Fußball in Babenhausen mehr anbieten.“ Das Ende des SV Germania nach 109-jähriger Geschichte? Nein, so Vorstandsmitglied, Kaderplaner und Sponsor Coppolecchia: Der SV Germania bleibe bestehen, „die Männer-Spielgemeinschaft mit dem TSV Langstadt haben wir gerade um drei Jahre verlängert“.

Darauf angesprochen, dass es weit und breit keinen anderen Ort von der Größe der Babenhäuser Kernstadt ohne Vereins-Fußball gibt, bedauert Stadler dies zwar, hält aber den Weg für die kickenden Kernstadt-Kinder zu den Stadtteil-Vereinen für zumutbar: „Das ist auch schon die gelebte Praxis.“ (Jens Dörr)

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