Piazza statt Blick auf Autos

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Blick von der Platanenallee zum Schloss: Der Gewerbeverein schlägt vor, hier eine Piazza zu bauen, auf der man bei einem Eis oder Getränk verweilen und die Sicht genießen kann. Darunter könnten die Autos parken. Der öffentliche Parkplatz soll an die Platanenallee verlegt werden, da der Festplatz als Abstellmöglichkeit wegfällt.

Babenhausen - Im Schloss tut sich einiges, und noch in diesem Jahr soll auch außerhalb der dicken Mauern im Schwanengraben vieles anders werden. Wo derzeit noch Autos auf dem Festplatz stehen, soll frisches Grün sprießen. Von Stefan Scharkopf

Die Alfa Consulting als Besitzerin des Prachtbaus hat die überwiegende Zahl der südlich und westlich an die Schlossmauer grenzenden Flurstücke gekauft, um sie für ihre Einrichtungen und für Stellplätze für das künftige Hotel und das Restaurant zu nutzen. Eine Technikzentrale im südöstlichen Parkbereich versorgt das Schloss mit Wärme und Elektrizität. Diese findet innerhalb der Schlossmauern wegen des Flächenbedarfs keinen Platz. Der Festplatz fällt weg. Der öffentliche Parkplatz, so die Vorstellung der Alfa Consulting, wird an die Platanenallee verlegt.

Die Schlossbesitzer haben einen sogenannten B-Plan vorgelegt, in dem es heißt, dass die unmittelbar außerhalb der Schlossmauern gelegenen Bereiche neu zu ordnen und dabei eine zusammenhängende Grünfläche mit hohem Erholungswert zu schaffen sei. Alfa will im Westen, Süden und Südosten des Anwesens einen Park mit Grün- und Wasserflächen errichten. Das neu konzipierte Grün außerhalb der Schlossmauern steht der Öffentlichkeit als Stadtpark zur Verfügung. Als historische Reminiszenz soll auf der Südostseite der Schlossmauer und um die beiden angrenzenden Bastionen herum ein Wassergraben entstehen. Auf die ursprünglich im Westen vorgesehenen Tennisplätze wird zunächst verzichtet. Der nordöstliche Teil (Spielplatz) bleibt im Eigentum der Stadt.

Thema Parkplatz

Den Änderungen haben der Ortsbeirat Kernstadt und der Bauausschuss in dessen jüngster Sitzung einhellig zugestimmt.

Beim Thema Parkplatz hatte sich der Gewerbeverein zu Wort gemeldet. Dessen Vorsitzender Kurt Schlösser hatte ein paar neue Ideen vorgestellt und diese per Video-Beamer präsentiert. Im Wesentlichen geht es um eine bessere Gestaltung der öffentlichen Parkplätze an der Platanenallee. Schlösser betonte aber mehrmals, dass der Gewerbeverein die Planung der Schlosseigentümer nicht blockieren wolle. Kernpunkt sei, dass die Schnittstellen zum Stadtbereich nicht zum Nachteil der Gewerbetreibenden, sondern vor allem in Bezug auf Städtebau und Gewerbeentwicklung optimal gestaltet werden. Nach Darstellung Schlössers würde die zusammenhängende Grünfläche vom öffentlichen Parkplatz unterbrochen. Der Gewerbeverein sieht den Teilbereich des Bebauungsplans zwischen Schloss und Platanenallee aus Sicht der Innenstadt als wertvollsten Teil an. Die „attraktiven Grünsequenzen“, die den Stadtraum von Ost nach West durchziehen, sollten von großräumigen Parkplätzen nicht zerstört werden. Der Gewerbeverein – wie auch Alfa – betonen die historische Achse vom Jagdschloss Harreshausen über die Harreshäuser Allee zum Schloss. Da sollte der Blick nicht auf parkende Autos fallen. Die als verkehrsberuhigt geplante Platanenallee sei die Achse für die geschäftliche Entwicklung der Innenstadt schlechthin. Aus Sicht des Gewerbevereins muss die Attraktivität dieses Gevierts erhöht werden.

Schlösser schlug nun vor, über den Parkplätzen einen zentralen Platz zu errichten, eine Piazza auf Niveau der Straße, mit guten Blickachsen zur Altstadt, zur Stadthalle, zum Wasserturm mit der sich anschließenden Allee, zum Bahnhof und zum Stadtpark mit dem Schloss. Unter der Piazza wäre es dann möglich, Parkraum zu schaffen.

„Parkplatz mit Deckel drauf“

Architekt Otfried Rau fand die Idee des Gewerbevereins „reizvoll“. Dennoch spreche einiges dagegen. In diesem Bereich werde man Probleme mit dem Grundwasser haben. Würden die Stellplätze tiefer gelegt, müsste eine Wanne gebaut werden, das sei sehr teuer. Zudem sei zu erwarten, dass der Denkmalschutz nicht mitspielt, weil der Grabencharakter erhalten werden müsse. Ein weiteres Problem: Würde der Vorschlag des Gewerbevereins nochmal in die Prüfung kommen, würde das das Schloss-Projekt erheblich verzögern. Denn außerhalb des Schlosses könnte dann aus Genehmigungsgründen nichts gebaut werden. Dem schlossen sich auch einige Ausschussmitglieder an. Die Anpflanzung von Hecken, so Rau, würde die Autos auch verdecken. Schlösser entgegnete, dass an eine Wanne gar nicht gedacht ist, sondern, salopp formuliert, an einen „Parkplatz mit Deckel drauf“. Grundwasserprobleme würde es nicht geben.

Dennoch soll jetzt Kreis-Denkmalschützerin Liane Mannhardt zu den Plänen des Gewerbevereins befragt und es soll ermittelt werden, wie teuer eine solche Piazza käme. Weiteres Problem: Für die Herrichtung der öffentlichen Parkplätze ist die Stadt zuständig – und da ist das Geld knapp.

Quelle: op-online.de

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