Gewerbeverein

Mitgliederzahl soll die 100 erreichen

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Der neue Vorstand des Gewerbeverein mit Beisitzern und Kassenprüfer.

Babenhausen - Nicht selten weist die Wahl eines neuen Vereinsvorstands Parallelen zum Wechsel in einem politischen Amt auf: Aufbruchstimmung ist greifbar, es gibt viele neue Ideen sowie reichlich Optimismus, dass vieles anders, um nicht zu sagen, besser laufen kann. Von Michael Just

Bei der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins im Landhaus Zum Schwanen war das nun ähnlich: Dort gab es nicht nur einen neuen Vorstand, sondern mit ihm auch ein innovatives Konzept, wie der Verein künftig mit einer verbesserten Werbung sowohl nach innen und nach außen auf veränderte Füße gestellt werden soll.

Die neue Vorsitzende heißt Silke Kasamas. Die 40-jährige Vermögensberaterin ist schon seit ein paar Jahren im Vorstand und hat den Vorsitz nun zum ersten Mal inne. Sie wurde als Einzige vorgeschlagen und ohne Gegenstimmen gewählt. Bei der Wahl der beiden Stellvertreter gingen Sabine Frank und Timo Kraus als ihre rechte Hand hervor. Rechner wird Christian Kühnel. Die Beisitzer sind Rainer Wallert, Andreas Heymann, Claudia Ullrich, Kati Mehler und Helmut Fendt. Alle sind für zwei Jahre gewählt.

Silke Kasamas löst Kurt Schlösser ab, der nur eine Periode im Amt war und dieses bereits vor einem Monat niederlegte. Der Architekt war 2011 mit dem Ziel angetreten, den GV aus dem ruhigen Fahrwasser herauszuführen, in dem der Verein in den letzten Jahren oft steuerte. Immer wieder gab es Phasen, in denen der Vorstand – in erster Linie wohl aus Zeitgründen – über die Selbstverwaltung nicht hinauskam. Schlösser zeigte sich indes als rührig: In seine Amtszeit fiel die neue Homepage des Vereins, die Idee zum Kreiselwettbewerb, der Kulturverein Podium, den er mitbegründet hat, das Wasserturmfest, bei dem er mit Michael Riegelbeck für lange Schlangen vor dem Eingang sorgte, die Auflistung aller 600 Gewerbetreibenden in Babenhausen oder die Konsolidierung der Vereinsfinanzen.

Letzteres führte in einem unbequemen, aber nötigen Schritt dazu, dass die Beschäftigung eines hauptamtlichen Geschäftsführers gestrichen wurde. „Der Verein stand durch diese Stelle kurz vor der Insolvenz. Jetzt schreiben wir erstmals wieder schwarze Zahlen“, blickt Schlösser zurück, der nach seiner Aussage in zwei Jahren 110 Einzeltermine in den städtischen Gremien und Arbeitskreisen absolvierte. „Aus Zeitgründen“, antwortet der Architekt auf die Frage, warum er sich nun zum Rücktritt entschloss. Im nächsten Satz ergänzt er dann, dass sich die Verantwortlichen im GV nicht immer als Mannschaft zeigten und vieles am Vorsitzenden hängen geblieben sei. Das lasse sich zeitlich neben seinem Beruf nun so nicht mehr bewerkstelligen.

Die Kritik an unbefriedigender Teamarbeit wollen die Kollegen so nicht stehen lassen und führen an, dass Kurt Schlösser einige Themen sehr stark an sich gebunden habe, was dieser auch in einem Fall bestätigt.

In die Vergangenheit möchte Silke Kasamas aber weniger blicken als nach vorne. „Schon bei der Vorbereitung zur Jahreshauptversammlung war die positive Aufbruchstimmung zu spüren. Wir wollen etwas bewegen!“, sagt sie. So hätte sich eine Reihe jüngerer Gewerbetreibender in Babenhausen nun spontan zur Mitarbeit entschlossen. Herausgekommen sei ein Team, in dem die Arbeit Spaß macht. „Aktives Netzwerken innerhalb des Vereins ist ausdrücklich erwünscht und soll weiter gefördert werden“, gibt sie als wichtiges Ziel aus – will heißen, dass man innerhalb des GV näher zusammenrücken will. Grillpartys oder eine zuvor immer wieder nicht zustande gekommene Weihnachtsfeier sollen ein neues Wir-Gefühl schaffen.

Dazu nimmt die Werbung neuer Mitglieder ein Schwerpunkt ein. Von den 600 gemeldeten Gewerbetreibenden in der Stadt waren bis vor Kurzem nur 55 im Verein. Unter anderem mit vergünstigten Mitgliedsbeiträgen in den ersten Jahren ist eine Aufstockung und sogar eine Verdoppelung geplant. In den letzten Tagen vermeldete Kasamas schon die ersten Neueintritte.

Genauso wichtig wie die Werbung nach Innen ist die Werbung nach Außen angedacht. Interessant und ambitioniert zeigt sich dazu ein 17 Punkte umfassendes Maßnahmen-Paket, das in der Hauptversammlung vorgestellt wurde. Dazu gehört unter anderem der Aufbau des GV als Marke, eine frischere und informativere Gestaltung des Stadtmagazins, die Erweiterung der Homepage mit Farben und Bildern, die Steigerung des Leistungsangebots für neue Mitglieder, ein Spieleanhänger für die Kinder- und Jugendförderung, Giveaways und kleinere Geschenke für die Bevölkerung oder ein Wettbewerb mit dem Auto-Aufkleber des GV. Besonders ehrgeizig ist das Ziel, die Mitgliederzahlen bis Ende 2013 auf 100 zu steigern. Die Pläne und Projekte weisen reichlich Motivation, Ideenvielfalt und Wille zum Engagement auf. Sie bilden aber auch eine selbst auferlegte Soll-Liste, an der sich der Vorstand in ein paar Monaten messen lassen muss.

Quelle: op-online.de

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