Gitarren-Talent Julia Lange im Interview

Von Langstadt nach Hongkong: Youtube ist Mittel zum Zweck

Langstadt - Von Langstadt nach Hongkong – das hat die 18-jährige Julia Lange geschafft. Seit zehn Jahren widmet sie ihre ganze Freizeit dem Gitarrespielen und wird inzwischen weltweit für Konzerte und Workshops eingeladen. Von Yvonne Fitzenberger 

Bevor sie ihr Studium in Dresden antritt, beantwortete sie ein paar Fragen.

Sie haben ihr Abitur bestanden. Sie werden nach Dresden gehen. Was studieren Sie dort?

In Dresden ist die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber und die bietet den Studiengang „Akustische Gitarre Jazz/ Rock/ Pop“. Da kann ich genau das machen, was ich gerade mache. Wofür ich mich gerade am meisten interessiere.

Spielen Sie ausschließlich akustische Gitarre?

Nein, ich habe mit der klassischen Gitarre angefangen. Ziemlich lange. Meine Vorstellungen, Ziele und Pläne haben sich so ein bisschen geändert. Da bin ich dann auf die akustische Gitarre umgestiegen. Und mache jetzt eigene Sachen – eigene Arrangements und so was. Das ist dann genau das, was man in Dresden macht. Man findet hier in der Gegend keinen Lehrer, der mit einem groß an eigenen Kompositionen oder Arrangements arbeitet. In Dresden werde ich mich hoffentlich ordentlich auf die akustische Gitarre konzentrieren können. Und auch noch E-Gitarren-Unterricht haben.

Sie haben auch einen Youtube-Kanal. Wollen Sie sich durch den Kanal eine Bühne schaffen?

Ich würde schon total gerne öfters Videos hochladen, aber das ist immer so unfassbar viel Arbeit. Man kommt gar nicht mehr zum Spielen oder dazu, an sich zu arbeiten, weil man nur noch am Video arbeitet. Ich mache das alles selbst mit dem Aufnehmen und dem Video und dem Schneiden. Ich habe vor zwei Jahren damit angefangen. Und ja, das bietet einem unfassbar viele Vorteile, also karrieretechnisch gesehen, wenn man einen Youtube-Channel mit ein paar Followern hat. Und deswegen werde ich auch weiter immer mal etwas hochladen. Aber man kann sich nicht jede Woche ein unfassbar kreatives Video oder so ausdenken. Da leidet dann irgendwie die Qualität.

Gibt es sonst schon Pläne für die kommenden Monate?

Ja, durch Youtube ist die ZDF-Redaktion auf mich gekommen. Die haben mich gefragt, ob ich im September nach Berlin kommen möchte. Und dort ist eine Fernseh-Show von Arte, die heißt „Stars von morgen“. Da werde ich auftreten. Das wird dann Klassik und Fingerstyle sein, also meine Vielseitigkeit präsentieren. Nächstes Jahr habe ich noch ein Konzert und einen Workshop in Spanien und in Hongkong. Und die Veranstalter kamen eben auch über die sozialen Medien auf mich.

Das heißt, Youtube ist wichtig für Sie?

Ein bekannter Musiker hat mal gesagt: „Es gibt Gitarristen, die sehen Youtube als ihre Bühne. Für mich ist es das Mittel zum Zweck, um auf einer richtigen Bühne zu stehen.“ Youtube habe ich viel zu verdanken, Sponsoring von Gitarrenfirmen, ein wachsender Bekanntheitsgrad, Konzertanfragen und so weiter. Zum Beispiel habe ich dieses Jahr direkt nach dem Abi schon in Frankreich und Spanien gespielt. Da kann ich mich nicht beschweren.

Wie war es denn in Frankreich, ein Konzert zu geben?

Das war in Südfrankreich. Das waren keine großen Städte, sondern viele kleine Gemeinden. Bei einen Auftritt waren vielleicht 100 Leute, bei einem anderen 200. Das waren mehrere klassische Gitarristen. Es haben immer so drei Leute an einem Abend gespielt, dann am nächsten Tag andere. Da war ich dann eine Woche. Das war relativ locker.

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Dann haben Sie mit ihrer Akustikgitarre ein wenig rausgestochen?

Ja, sozusagen. Der Veranstalter hat mich für nächstes Jahr für zwei Konzerte im Januar nach Lanzarote eingeladen. Jetzt muss ich meinen Lebenslauf auf Spanisch übersetzen. Aber das ist okay. Jetzt kenne ich schon Leute. Die kommen teils aus Argentinien oder sonst woher. Dann hat man durch die ganzen Konzerte und so was wie eine kleine Community, die einem auch mal hilft, wenn was ist.

Bevor es nach Dresden geht, treten Sie am 27. September, in Dieburg auf.

Ja, das ist dann das typische Crossover-Konzert. Da werde ich mit Stücken für die klassische Gitarre anfangen, wie zum Beispiel Astoria. Auch in Richtung Romantik und ein bisschen modernere Klassik. Auf der Westerngitarre spiele ich dann eigenen Arrangements. Ich freu mich schon sehr, dass ich ein ganzes Konzert mal spielen kann. Das ist auch was besonderes.

Woher nehmen Sie die Inspiration für eigene Kompositionen?

Am Anfang war es ganz schwierig. Ich hab halt acht Jahre lang nur klassische Gitarre gespielt. Ich war es nicht gewohnt, dann auf einmal irgendetwas zu machen, was ich will. Da war es einfach ein viel zu großer Schritt, direkt irgendetwas zu komponieren. Deswegen habe ich angefangen, Sachen erst einmal zu arrangieren.

Was bedeutet Arrangieren?

Das heißt, ich habe mir einen Song genommen, der mir gut gefällt. Dann habe ich die Akkorde und die Melodie herausgehört. Das bringt man zusammen. Oft arbeite ich auch noch mit perkussiven Elementen und mische das mit typischen klassischen Techniken wie Tremolo. Im Prinzip versuche ich den Songs einfach meine eigene Note zu verpassen.

Und woher nehmen sie die Ideen für die verschiedenen Techniken?

Ich hole mir auch die Inspiration von anderen Gitarristen – was für Techniken die anwenden – und versuche das auf meine Art irgendwie umzusetzen und in meinem eigenen Arrangement zu verpacken. Die Techniken frei und kreativ einzusetzen, daraus irgendetwas zu basteln – das war so mein erstes Ziel. Daran habe ich auch ganz schön lang zu knabbern gehabt bis ich zufrieden war. Und jetzt bin ich eher dabei, eigene Kompositionsideen zu sammeln und Sachen auszuprobieren.

Quelle: op-online.de

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