„Gold“ aus trockenen Sandböden

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Die feinen Sandböden bei Sickenhofen lassen das anspruchsvolle Gemüse von Spargelbauer Jürgen Mahr gut gedeihen.

Sickenhofen - Die Griechen kurierten mit ihm ihre Gelbsucht. Die Römer nutzten ihn als Abführmittel, die Chinesen als Heilpflanze. Heutige Zeitgenossen lieben den edlen Spargel als Delikatesse auf dem Teller - am liebsten aus heimischem Anbau. Von Ursula Friedrich

Auch Jürgen Mahr, von Haus aus gelernter Mechaniker, hat die Liebe zum Spargel entdeckt und baut ihn seit 1999 rund um seine Heimatgemeinde an.

Den Job als Aufzugmechaniker hat er zwischenzeitlich an den Nagel gehängt. Vergrößerte sukzessive seine Anbaufläche, um sich ausschließlich dem „Gold“ aus den trockenen Sandböden zu widmen. „Ich hatte schon als Kind Spaß am Spargelstechen“, erzählt er, die Eltern bewirtschafteten jedoch nur einen halben Hektar Fläche. „Was ich jetzt habe, hab´ ich mir selbst aufgebaut.“

Ein Blick in die Spargelküche: die aufwändige Pflege und Ernte des Asparagus setzt sich auch später fort, wenn die rumänischen Erntehelferinnen sorgsam reinigen und sortieren. Foto: Friedrich

Spargelbauer Jürgen Mahr arbeitet seit Februar auf Hochtouren, um das gute Gedeihen des pflegeintensiven Gemüses voranzutreiben. Mit Erfolg. Unter den Planen konnten bereits vor Ostern die ersten Spargel geerntet werden. „Das gab es zuletzt in den 40er Jahren“, erzählt Jürgen Mahr, bereits braun gebrannt von der Feldarbeit. Auf rund zehn Hektar Ackerfläche hat er Spargel angebaut – zurzeit beträgt die Ernte rund 400 Kilo am Tag. Der Ertrag wird in den kommenden Wochen auf bis zu zehn Tonnen ansteigen.

Die Arbeit des täglichen Spargelstechens wäre ohne die Hilfe der Erntehelferinnen nicht zu stemmen. 25 Arbeiterinnen reisen aus Rumänien an, um während der Spargelsaison hier den Lebensunterhalt zu verdienen. Jürgen Mahr kennt den Großteil seiner Mitarbeiterinnen seit Jahren.

„Ich bewundere die Frauen“, so Mahr, „die täglich ab 7 Uhr den Spargel stechen. In heißen Sommern sind sie sogar freiwillig um 5 Uhr aufs Feld gegangen.“

Als sein Berufswunsch, hauptberuflicher Spargelbauer, fest stand, baute er auf dem heimischen Hof in Sickenhofen, Wohnraum für die Erntehelferinen aus mit Küche, Bädern und Schlafzimmern. Mit deutschen Helfern hat er keine Erfahrung. Als von Regierungsseite deutsche Kräfte verpflichtet werden sollten, habe das Arbeitsamt ihm vier Arbeiter vermittelt, so der Spargelbauer. Erschienen sind sie nie. Weil die bürokratische Seite des Betriebs immer aufwändiger wird, ist er froh über die Hilfe seiner Frau Cristina, der als Buchhalterin das Büro untersteht.

In der benachbarten Scheune wird derweil das Edelgemüse gewaschen, sortiert und bei wenigen Temperaturen kurz gelagert, um zum Großmarkt nach Bruchsal und an die Verkaufsstände ausgeliefert zu werden. Auf die Zusammenarbeit mit dem Großmarkt im nordbadischen Bruchsal ist der Sickenhöfer stolz, hier dürfen nur 220 handverlesene Erzeuger anliefern.

Betrieb seit 2004 zertifiziert

Die Auflagen des führenden deutschen Spargelvermarkters sind hoch, sogar das Brunnenwasser in Sickenhofen wurde kontrolliert. „Seit 2004 ist mein Betrieb zertifiziert und mit dem Qualitätssiegel QS-Gap ausgezeichnet“, berichtet Jürgen Mahr. Dass er seine Felder nur mit leichten Mitteln düngen darf, hat etwas mehr Unkraut zur Folge, doch das stört nicht. Er glaubt an die Zukunft seines Traumgewerbes.

Zahlen des statistischen Bundesamtes untermauern diese Ansicht. Im Jahr 2000 wurden 51 000 Tonnen Spargel angebaut, 35 000 Tonnen importiert. Bereits 2007 steigerte sich der heimische Anbau auf 94 000 Tonnen, die Importzahlen sanken auf 24 000 Tonnen Spargel. Weil Verbraucher den heimischen Asparagus zu schätzen wissen, ziehen selbst Supermärkte mit und bieten viele lokale Produkte an. Stefan Mahr hat seine Anbaufläche ein weiteres Mal vergrößert. Zwei weitere Hektar hat er angelegt, die bei guter Pflege in drei Jahren erste Erträge bringen.

Quelle: op-online.de

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