Gospel als und für Lebens-Mittel

+
Der Gospel-Workshop und sein Konzert diente dem Lebensmittelmarkt für Bedürftige. Foto: pg

Babenhausen - „Das singen wir mal nicht so oft, sonst habt ihr morgen keine Stimme mehr“, mahnte Chorleiterin Sylvia Georgi am Samstagvormittag die Frauen im Sopran, die sich stimmlich in beachtliche Höhen begaben. Von Petra Grimm

Zum vierten Mal lud Sylvia Georgi von der Freien Christengemeinde am Wochenende zu einem Gospel-Workshop ein. Von Freitag bis Sonntag, insgesamt etwa 19 Stunden, übten 30 Sängerinnen und Sänger im „Gospelhaus“ gemeinsam das Singen der religiösen, afroamerikanischen Lieder. Ziel und Höhepunkt war ein Konzert am Sonntagabend, das zu Gunsten des „Lebens-Mittel-Punktes“, des geplanten Lebensmittelladens für sozial Benachteiligte, aufgeführt wurde.Unter den Workshopmitgliedern waren auch echte Anfänger. „Ich ermutige auch Leute zu kommen, die noch keine Erfahrung haben“, sagte Georgi, die den regulären Chor der freikirchlichen Gemeinde ebenfalls leitet.

Insgesamt elf Lieder gehörten zum Programm. Neben bekannten Songs, wie „I will follow him“, „Joyful, joyful“ und „Oh happy day“ erklangen auch unbekanntere Gospels im Gemeindehaus. Die Truppe hatte spürbar Freude am Singen. Und das gehört bei diesem Gesang ja auch dazu: Emotional aus sich herausgehen können und die Zuhörer mitreißen. „Es gelingt eigentlich immer im Verlauf des Workshops, dass die Leute auftauen. Da hilft die Gruppendynamik. Mir ist wichtiger, dass die Sänger richtig bei der Sache sind, als dass die Töne perfekt geroffen werden“, sagte die 34jährige Chorleiterin, die selbst mit 17 Jahren begann, Gospels im Chor zu singen und auch zu arrangieren. „Vor vier Jahren bin ich nach Babenhausen gezogen. Seiher biete ich jedes Jahr einen Gospelworkshop hier an. Vorher habe ich in Köln gelebt, wo ich mit Freunden einen Gospelchor aufgebaut habe“, erzählte Georgi, die sich ihr Knowhow im Laufe der Jahre bei vielen Gospelworkshops, an denen sie teilnahm, angeeignet hat. „Ich habe mich auch theoretisch mit dem Thema, also der Sklaverei in den USA, beschäftigt“.

Spende statt Eintrittsgeld

Den Workshop-Teilnehmern wurde in der kurzen Zeit viel abverlangt. Denn die Texte der Lieder sollten auswendig „sitzen“. „Mit Zettel in der Hand singen, das passt einfach nicht bei Gospels. Das Publikum soll ja mitgenommen werden. Als Kompromiss, weil sich manche mit dem Englisch ein bisschen schwer tun, stellen wir Notenständer mit den Texten auf“, sagte sie. Als Vorbereitung haben alle Teilnehmer vorher schon die Noten erhalten. „Die elf Solisten, die den Chor entlasten, hatten auch bereits ein Vortreffen. Sie haben vorher die Texte und eine Übungs-CD bekommen“, sagte Georgi.

Am Sonntagabend beim Konzert wurde an Stelle von Eintrittsgeld um eine Spende für das Projekt „Lebens-Mittel-Punkt“ gebeten, in dessen Vereinsvorstand sich neben Manfred Müller, Helmut Fendt, Jutta Krüger, Petra Graff und Hans-Dieter Vogel auch David Jocham, der Pastor der Freien Christengemeinde, engagiert. Die Umbauarbeiten in dem Laden in der Schlossgasse 18 seien im Gange, berichtete David Jocham, der am Workshop teilnahm: „Grobes Ziel ist, Ende Juni zu eröffnen“.

Der Lebensmittelladen, der ein Gemeinschaftsprojekt von Vereinen, Kirchen, Unternehmen und engagierten Bürgern in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt ist, soll durch verbilligte Lebensmittel nicht nur die Haushaltskasse bedürftiger Menschen entlasten. Das Projekt, das von Spenden lebt, soll auch sozialer Isolation entgegen wirken und Hilfe zur Selbsthilfe bieten. „Wir würden uns über weitere ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitglieder freuen. Schön wäre auch eine Tauschbörse im Laden, wo beispielsweise jemand einen Fernseher abgibt, weil er zwei besitzt, aber nur einen braucht. So könnte eine Begegnungsstätte für alle Babenhäuser entstehen“, sagte der engagierte Pastor.

Quelle: op-online.de

Kommentare