Fünf Menschen erzählen von ihrer Religion und ihrem Glauben

„Gott ist etwas Lebendiges“

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Johannes Billing lebt seit 1992 als Buddhist. Vor dem Bild des Medizin-Buddhas verbringt er jeden Tag eine halbe Stunde in einer Meditation.

Babenhausen - Ihre ganz individuellen Ansichten zum Thema Religion haben fünf „Erzähler“ mit den Besuchern des Projektes „Das bin ich“ im Jugendzentrum geteilt. Von Julia Glaser

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Bachgauschule, der städtischen Kinder- und Jugendförderung, dem ASB und dem Babenhäuser „Büro für Erinnerungskultur“. Religion – ein Wort, das in Menschen sehr viele unterschiedliche Gefühle auslöst. Die einen lehnen sie ab, weil sie oftmals als Grund für Krieg und Terror angesehen wird. Anderen ist sie schlichtweg egal, religiöse Empfindungen oder Traditionen spielen für sie keine Rolle in ihrem Leben. Und dann gibt es die Menschen, die sich ein Leben ohne Religion nicht vorstellen können: Sie ist Basis ihres alltäglichen Handelns, gibt Sicherheit und eine feste Gemeinschaft mit anderen. Davon berichteten fünf Menschen beim Erzählcafé-Projekt „Das bin ich“.

Den Erzählerkreis eröffnete Diana Jaquet. Die Oberstudienrätin ist Seelsorgerin und Verbindungslehrerin an der Bachgauschule, wo sie Deutsch und evangelische Religion unterrichtet. „Das Gebet war für mich im Kindesalter ganz selbstverständlich. Wird man älter, verändert sich auch das Gebet. Man betet für Dinge wie Sicherheit, Geborgenheit, Gesundheit. Und es kommt etwas Wichtiges dazu: der Dank“, erzählte sie. Dank für überstandene Krisen, dass man es doch irgendwie geschafft hat. „Man fühlt sich getragen. In schwierigen Situationen ist jemand da“, beschrieb sie das Gefühl des Glaubens.

Diana Jaquet (2. v. l.) hatte einen Nachdruck einer Lutherbibel mitgebracht.

Nach Jaquet führten Sarah Aloka und Abdulaziz Ajaj den Erzählerkreis weiter. Sie sind 19 und 20 Jahre alt und mussten aus ihrer syrischen Heimat fliehen. In ihrer Präsentation verdeutlichten sie auf Grundlage der fünf Säulen des Islams den Alltag ihres Glaubens. Die Säulen sind das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten, das Almosen geben und die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). „Jede Handlung, die Gott gefällt, ist für uns wie ein Gottesdienst. Wir beten fünfmal am Tag, so hat man den ganzen Tag Kontakt zu Gott“, erklärte Aloka. Durch das strenge Fasten während des Ramadans spüre man, wie sich arme Menschen fühlten und lerne Geduld.

Im Anschluss erzählte Armin Kniesz von seinem Glauben. Er ist Diakon der Babenhäuser Emmaus-Gemeinde und war 20 Jahre als Missionar in Kolumbien tätig. Seit 2010 lebt der Vater von fünf Kindern wieder in Babenhausen. „Menschen sind von Natur aus religiös, sie suchen nach Gott“, sagte Kniesz: „Wir fragen uns, warum wir auf der Welt sind, wo wir herkommen und wo wir hingehen.“ Im Konfiunterricht sei er ermuntert worden, die Bibel zu lesen, beginnend mit dem Neuen Testament.

Durch das Bibellesen erkannte Kniesz, dass Gott etwas Lebendiges ist, dass er zu den Menschen spricht und es eine lebendige Beziehung zu ihm gibt: „Ich frage mich immer: Gott, was möchtest du von mir? Die Antworten finde ich in der Bibel.“ Das Böse sei in der Welt, weil sich Menschen von Gott abgewandt haben. Er zwinge niemanden, an ihn zu glauben, die Menschen haben die Freiheit, es nicht zu tun.

Danny Gandy, Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes und ehemaliger Jugendpfarrer Aschaffenburgs, erlebte eine Tragödie. Seine große Liebe verunglückte tödlich. „Für mich war das Leben plötzlich nicht mehr real. Familie und Freunde versuchen einen aufzufangen, aber es hat sich nie wieder normal angefühlt“, sagte Gandy. Er sei sauer auf Gott gewesen, sei es auch heute noch manchmal. Er habe dann Flüchtlinge im Fernsehen gesehen und gespürt, dass er etwas gemeinsam mit ihnen habe.

„Man fühlt sich fremd, das Leben ist nicht mehr real. Ich kann deshalb, zumindest ein bisschen, nachfühlen, was die Flüchtlinge fühlen“, erklärte Gandy, der nun über den ASB in der Flüchtlingshilfe tätig ist. Durch die Arbeit im ASB habe er ein kleines bisschen seinen Glauben wiedergefunden. Der Samariter ist Teil der Bezeichnung Arbeiter-Samariter-Bund und im Gleichnis aus der Bibel ein Mann, der einem Fremden hilft. „Oft ist uns das Fremde näher, als wir denken“, schloss Gandy seinen Bericht.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Den Abschluss machte Johannes Billing. Er lebt seit 1992 als Buddhist. „Ich habe diesen Glauben über die tibetische Medizin kennengelernt. Mein Arzt hat immer viel gelacht und als ich ihn darauf angesprochen habe, sagte er, dass es im Buddhismus verschiedene Stufen gibt. Und in einer davon lacht man eben viel“, erklärte er. Er erzählte die Geschichte des Prinzen Siddhartha Gautama, der als Gründer der indischen Lehre gilt.

Über Bücher und den Kontakt zu buddhistischen Lehrern fand Billing zu einem neuen Denken. Gutes tun, Schlechtes meiden, sich mit dem Geist beschäftigen sind Dinge, die für ihn nun zentral geworden sind. „Wenn man gut ist zu anderen, kommt diese Liebe zu einem zurück. Karma bedeutet, dass ich alles was ich tue in jeglicher Form auch wieder zurückbekomme, das Gute wie das Böse.“

Quelle: op-online.de

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