Arbeiten stocken immer wieder wegen Bodenfunden

Umbau zum Hotel: Graben rund ums Schloss

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Das Babenhäuser Schloss am Rande der Altstadt, aufgenommen von unserem fliegenden Fotografen im Juli 2016.

Babenhausen - Der Baukran an der Südseite ist unüber- sehbar, ebenso die großen Sandberge auf dem ehemaligen Festplatz. Es geht offensichtlich voran beim Umbau und der Restaurierung des aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervorgegangenen Schlosses. Die ukrainische Firma Alfa Consult verwandelt das historische Gebäude in ein Luxushotel. Von Petra Grimm

Es wird noch einiges Wasser die Gersprenz herunterfließen, bis die ersten Hotelgäste im Babenhäuser Schloss nächtigen werden. Die Bauarbeiten ziehen sich hin. Das liegt unter anderem daran, dass jeder Bodenfund, der historisch sein könnte, vom Denkmalamt untersucht werden muss. Da im Moment vor allem im Boden rund um das Schloss gegraben wird, gibt es dadurch immer wieder Verzögerungen. Der in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Roten Dragoner im Schloss untergebracht waren, zugeschüttete Zwingergraben wird wieder frei gegraben.

Der Baukran überragt derzeit das herrschaftliche Anwesen, dessen ältester Teil aus dem zwölften Jahrhundert stammt.

„Hier stößt man ständig auf Relikte“, berichtete Klaus Mohrhardt, stellvertretender Vorsitzender der „Schlossfreunde Babenhausen“, als er kürzlich beim Heimat- und Geschichtsverein die aktuellen Baumaßnahmen erläuterte. Der Aushub werde unter anderem für die Gestaltung eines an der Südseite vor der Mauer geplanten, öffentlichen Bürgerparks wieder verwendet. „Damit werden beispielsweise Teiche modelliert“, so Mohrhardt. Zwischen dem Gebäude und der Zwingermauer an der Ost-/Südostseite soll der Spa-Bereich des Hotels entstehen, und zwar unterirdisch. Dieser in den Boden versenkte Teil mit Hallenbad und Wellnessbereich wird eine Decke mit Lichtkuppeln erhalten. Ein frei stehender Aufzugsturm mit gläsernen Brücken zum Gebäude wird an der Ostseite (Richtung Platanenallee) gebaut werden. Bereits in Arbeit sei ein Tunnel für die unterirdische Andienung des Hotels. „Diese Arbeiten mussten jedoch unterbrochen werden, da man im Schlosspark auf eine alte Grundmauer gestoßen ist, die jetzt erst untersucht werden muss. Den Archäologen, der diese Funde untersucht, müssen die Schlossbesitzer, ein ukrainisches Brüderpaar, übrigens selbst bezahlen“, berichtete Mohrhardt.

Ein weiteres Problem sei, dass die ursprünglich für das Hotel geplanten 45 Zimmer auf Dauer wohl zu wenig seien und Ausweichmöglichkeiten für weitere Unterkünfte gesucht werden müssen, so der Schlossfreund. Angedacht seien wohl kleinere Dependancen, also Häuschen, außerhalb der Mauer auf der Westseite in Richtung der Schrebergärten. „Falls diese Erweiterungsidee verfolgt wird, müssen viele rechtliche Klippen umschifft werden.“ Was das Gebäude selbst betrifft, so sind alle Flügel noch Baustelle. Der Schwerpunkt liege aktuell auf der Elektrik, die komplett erneuert wird. Ebenso wie alle 380 Fenster im Schloss, die mit Isolierglas ertüchtigt werden. Die Arbeiten im Inneren und Äußeren laufen parallel, abhängig von den Wetterverhältnissen. Das als Nationales Denkmal anerkannte, ehemalige Jagdschloss, dessen ältester Teil, die Säulenhalle auf der Westseite, auf das Jahr 1189 datiert, ist seit 2007 im Besitz der Firma Alfa Consult.

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Mit den neuen Besitzern Kontakt zu halten und wenn nötig, im deutschen Behördendschungel hilfreich zur Seite zu stehen, ist ein Anliegen der Schlossfreunde, die sich 2001 gegründet haben. Eines ihrer Ziele ist, den Bürgern den Zugang zum Schloss zu erhalten.

Ob und wann es für die Babenhäuser wieder eine Gelegenheit gibt, das Schloss zu besuchen oder – wie bei der großen Kulturveranstaltung im Sommer 2015 – sogar gesellig im Schlosshof zu sitzen, kann Mohrhardt nicht genau sagen. „Ich hoffe, dass wir mit dem Blasorchester beim nächsten Altstadtfest im Innenhof spielen können, eventuell verbunden mit einer Infoveranstaltung zum Schloss“. Er ist davon überzeugt, dass die Schlossherren die Restaurierung mit großem Engagement und einer ordentlichen Portion Idealismus betreiben. „Es wird sicher noch dauern bis es fertig ist und wir müssen Geduld haben. Aber wir sollten froh sein, dass aus dem Schloss überhaupt was gemacht wird. Davon werden auch Babenhäuser Geschäftsleute profitieren und Arbeitsplätze entstehen ja auch im geplanten Hotel“.

Quelle: op-online.de

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