Biogas und Brennholz

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Langstädter Grenzgänger informieren sich auf Bauernhof und bei Revierförstern.

Langstadt - 199 Teilnehmer zählte der Grenzgang am Tag der Deutschen Einheit in Langstadt. Bereits zum 13. Mal übernahm die Karnevalabteilung des TSV die Organisation. Von Michael Just

Für Abteilungsleiter Rüdiger Manowski, der sich als überzeugter Karnevalist sofort an der Bestickung „Elferrat“ auf seinem Sweater sich zu erkennen gab, war das ein weiterer Grund, zum Lokalpatrioten zu werden: „Griesheim hat bei 25.000 Einwohner 300 Teilnehmer beim Grenzgang, wir 200 bei gerademal 1600 Einwohnern.“  Treffpunkt war am Donnerstag um halb zwei an der Kirche. Eigentlich heißt es ja, dass ein voller Bauch nach dem Mittagessen nicht gerne läuft. Das war aber kein Problem, da die sechs Kilometer mit gemütlichem Schritt absolviert wurden. Dazu waren sechs Punkte für Erläuterungen eingebaut. Mit der Kaffee- und Kuchenpause ergab sich so ein Zeitfenster von vier Stunden für den Grenzgang, der nach der Rückkehr seinen Abschluss im Sportlerheim des TSV fand. Auch diesmal wurde ein spezieller Teilnehmer-Button für einen Euro ausgegeben, um die anfallenden Kosten zu decken. Gelaufen wurde in diesem Jahr gen Osten Richtung Schaafheim und Schlierbach.

Mit dabei waren wie gewohnt die Revierförster Lothar Seipp und Thomas Zinth. Sie hatten reichlich Erklärungen über das große Thema Waldwirtschaft sowie Tiere und Pflanzen parat. Doch bevor sie in ihrem Element aufgingen, wartete als erste Anlaufstelle die Biogas-Anlage der Familie Diehl. Sohnemann Stefan wurde von Rüdiger Manowski extra begrüßt. Kein Wunder, hilft er doch bei den Fastnachtsumzügen als Traktorfahrer, die Wagen zu ziehen. Eine Million Euro haben die Diehls in die neue Technik investiert. „Sonne und Wind gibt es nicht rund um die Uhr. Hier lässt sich aber 24 Stunden Strom erzeugen“, erklärte Günter Diehl.

Die Leistung beläuft sich auf 250 Kilowatt pro Stunde. Damit können 400 Haushalte pro Jahr versorgt werden. Die Anlage ist hungrig: Sie verlangt über 5 000 Liter Gülle, zwei Tonnen Mist und acht bis neun Tonnen Mais am Tag. Der Mais wird zum Vergären gebraucht. In zwei riesigen Silos gelagert, dient er für den Betrieb auch als Tierfutter. Ein Drittel Mais bauen die Diehls selbst an, der Rest muss zugekauft werden. Die Gülle liefern die 90 Milchkühe des Betriebs. „Hören sie mal, wie es blubbert. Man meint, das kocht, das sind aber die Bakterien, die Gas abgeben“, wusste der Langstädter Landwirt. Bleibt das System geschlossen, ist es ungefährlich ist. Tritt Gas aus, herrscht durch das Methan Explosionsgefahr. Vor zwei Jahren wurde die Anlage gebaut, in 14 bis 16 Jahren hat sie sich amortisiert. Der Preis pro Kilowattstunde wurde auf 20 Jahre festgeschrieben.

Die Anlage machte durch Größe und Leistung mächtig Eindruck auf die Grenzgänger. Auch auf Renate und Günter Franz: „Wir sind jedes Jahr beim Grenzgang dabei“, sagen die Rentner. Die Gesellschaft sei schön, dazu blicke man in Ecken, wo man schon länger nicht mehr war. Zudem werde Wissen vermittelt. „Es wäre schön, wenn man das alles behalten könnte“, wirft dazu eine Mitläuferin ein. Wie sie lachend sagt, komme sie oft nach Hause und die Hälfte sei aus dem Gedächtnis schon wieder raus.

Das kann durchaus sein, denn die Revierförster geizten nicht mit Informationen. Gleich zu Beginn gab es eine Einführung in die richtige Brennholzlagerung, da der eigene Kamin bekanntermaßen in Deutschland immer beliebter wird. Neupflanzungen und Pflegemaßnahmen wurden ebenso erklärt wie die Kermesbeere oder der Speierling im Landschaftsschutzgebiet „Wingertsberg“.

Der Speierling ist ein Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse. In Deutschland ist er heute nur noch selten zu finden. Die Kermesbeere ist ein Einwandererpflanze, die aus Asien und Afrika kommt. Im Langstädter Revier hat sie eine Kulturfläche mit Eichen in Beschlag genommen hat. „Momentan warten wir noch ab, weil wir nicht absehen können, welche Folgen das auf die Kultur hat“, so Thomas Zinth. Negativ Folgen hat ganz sicherlich das Eschentriebsterben. Hier hat laut Zinth seit 1990 ein Pilz bereits 30 bis 40 Prozent der Eschen in Deutschland zerstört. Da der Pilz sogar mutiert ist, wird es laut den Förstern wohl noch ein paar Jahre dauern, bis sich die Eschen aus eigener Kraft zu wehren wissen. Gegen halb sechs liefen die Grenzgänger nach einem langen Nachmittag im TSV-Sportlerheim ein. Die Narrenplatte mit der Hausmacher Wurst mundete nach vier Stunden in der frischen Luft nochmal so gut.

Quelle: op-online.de

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