35. Grenzgang in Harpertshausen

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Der Grenzgang in Harpertshausen

Harpertshausen - Während sich viele Bürger noch zuhause für den Grenzgang umziehen und wegen der Kälte dick einmummeln, sind ein halbes Dutzend Mitglieder der Feuerwehr Hapertshausen schon dabei, das Mittagessen im Lützelforst vorzubereiten. Von Michael Just

Auf den Anhänger eines Traktors werden Festzeltgarnituren geladen sowie Behälter für den Glühwein. Des Weiteren fallen Verlängerungskabel, Kanister mit Warmhaltewasser für die Würstchen, Besteck oder Servietten in die Augen. „Im MTF ist ebenfalls noch eine ganze Menge“, sagt Christoph Schnur und deutet auf das Feuerwehrfahrzeug, das direkt daneben steht. Hier im Wald wird es mit seinem Generator vor allem den wichtigen Strom für den Eintopf liefern. .

Mit dem 35. Grenzgang fand in Harpertshausen eine lange Tradition ihre Fortführung. Ortsvorsteher Kurt Kratz und Bürgermeisterin Gabi Coutandin begrüßten die Marschierer bei Sonnenschein aber frostigen Temperaturen. Sogar der Traum eines jeden Ortsvorstehers, dass Neubürger mitlaufen, wurde erfüllt. Thomas und Nicole Keil, 38 und 36 Jahre alt, sind auf Hinweis eines Arbeitskollegen gekommen. Sofern alles gut geht, beziehen sie im Frühjahr im Neubaugebiet „Am Dietweg“ ihr Häuschen, das jetzt noch im Rohbau steht. „Das Grundstück war günstig. Dazu ist die Lage klasse“, verraten die Keils, die vorher in Altheim gewohnt haben.

Kratz sprach über Flüchtlingsfamilien und die Dorfgemeinschaft

Für den Mann mit dem Rucksack ist es nach 30 Jahren der erste Grenzgang. Als Kind lief er mal in seinem Geburtsort Fischbachtal mit. „Eigentlich bin ich kein großer Spaziergänger. Aber als Neubürger muss man sich ja mal zeigen“, ergänzt der Papa in spe. Seine Frau ist schwanger und wird im neuen Jahr für einen weiteren Harpertshäuser sorgen.

Ortsvorsteher Kurt Kratz hatte wie gewohnt ein paar Informationen über den Ort aus der Geschichte parat: Vor rund 60 Jahren, am 6. November 1953, zählte die Dorfgemeinschaft 250 Einheimische, sieben Evakuierte und 114 Heimatvertriebene. Die Evakuierten kamen während des Zweiten Weltkrieges aus Sicherheitsgründen aus Großstädten wie Darmstadt, Frankfurt und Mannheim, die Heimatvertriebenen aus Ostdeutschland oder den Ostgebieten. Mit drei vertriebenen Familien war das Schulhaus am stärksten belegt. Mit den Müllers, Langkammers und Fellners wurden drei Flüchtlingsfamilien ansässig und bauten Häuser.

Zurück in die Gegenwart brachte Revierförster Thomas Zinth die Grenzgänger. Er erklärte ihnen, wie das Grundwasser das Aue-Wäldchen beeinflusst oder wie die Menschen vor 1850 mit einem speziellen Pilz, dem Zunderschwamm, Feuer machten. 1850 deshalb, weil in diesem Jahr die Zündhölzer erfunden wurden.

Weitere Informationen gab es über das Trocknen und die richtige Lagerung von Brennholz. Die Trocknung des Holzes ist besonders wichtig, da die Verdampfungswärme des Wassers beim Verbrennen sonst die Energieausbeute verringert. Vor allem Holz von Nadelbäumen darf gesammelt werden, da Laubbäume in Babenhausen in der Unterzahl sind. Alles andere wäre nicht nachhaltig. Ohnehin liegt der Heizwert von Nadelholz wegen der anderen chemischen Zusammensetzung etwas höher als bei Laubholz. So erfuhren die Grenzgänger viel Interessantes.

Neben der Fütterung mit Wissen folgte am Lützelforst dann noch die körperliche mit Erbseneintopf.

Quelle: op-online.de

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