Großes Summen bleibt derzeit aus

Die Kälte der Eisheiligen schränkt die Aktivitäten der Bienen erheblich ein. Gespannt schauten die Nabu-Mitglieder Imker Martin Hartmann über die Schulter. Durch die derzeit niedrigen Temperaturen waren keine großen Angriffe zu befürchten. -  Foto: Just

Babenhausen - Dass Bienen Süßes lieben, ist bekannt. Bei der Frage, was sie weniger schätzen, wird‘s schon schwieriger. Von Michael Just

Da kann der Experte helfen: „Zum Beispiel alles, was wollig und behaart ist“, weiß der Babenhäuser Imker Martin Hartmann und schickt auch gleich die Erklärung dafür hinterher: Es ist die Angst vor dem Bären, die genetisch festgelegt ist. Denn Meister Petz vergreift sich gerne an den Waben und dem darin befindlichen Honig, der für ihn wohlschmeckend und gehaltvoll zugleich ist.

Auch die weiße Schutzkluft der Imker lässt sich mit dem Fellträger erklären: Während weiß beruhigt, macht eine braune Farbe die Bienen nervös. Zu Verteidigungszwecken wählen sie oft das effektivste Angriffsziel – und das ist bei Bär und Mensch gleichermaßen das Gesicht.

Viel Wissenswertes gab es beim jüngsten Besuch des Nabu Babenhausen bei Imker Martin Hartmann. Mit dem Rad machten sich die Naturfreunde in die Harreshäuser Gemarkung an eine Stelle im Wald auf, wo elf Honigbienen-Völker des 50-Jährigen stehen. Insgesamt besitzt der gelernte Druckvorlagenhersteller, der als Hausmeister arbeitet, 50 Völker an fünf Plätzen in Babenhausen, Hergershausen, Langstadt, Harreshausen und Schaafheim. Ein Streuobstwiesenstück seiner Familie begründete vor mehr als 30 Jahren die Leidenschaft für die Bienenzucht.

Den Stöcken konnten sich die Nabu-Mitglieder relativ problemlos nähern, denn das große Summen bleibt derzeit aus. „Die Kälte der Eisheiligen schränkt die Aktivität der Insekten enorm ein. Vor allem die Akazienblüte fällt den Eisheiligen meist komplett zum Opfer und ergibt weniger Ertrag“, erklärt Hartmann. Darüber lässt sich aber hinwegsehen, denn der erste Honig des Jahres wurde Anfang Mai bereits geschleudert. Dafür sorgte die Raps- und Obstbaumblüte, die die Haupttracht im Jahreszyklus der Bienen darstellt. Danach finden sie – trotz der warmen Sommermonate – nur noch eine eingeschränkte Zahl an Blüten mit Pollen und Nektar vor, was nicht zuletzt mit einem Strukturwandel der Kulturlandschaft zu tun hat. So ist das zweite Schleudern der Imker im Juli in der Regel meist weniger ertragreich als das im Frühjahr. Ein Teil des Honigs verbleibt als Winternahrung in den Kästen, denn anders als Wespen sterben Bienen im Winter nicht.

Fast zwei Stunden lauschten die Nabu-Mitglieder den kurzweiligen Ausführungen um das große Feld der Honigbiene, das wie nur wenige andere Themen so viele interessante Wissensbereiche bereithält. Ob Imkereitechnik, Kommunikation der Bienen, Staatenbildung oder Naturschutz, hier brauchte es ein Vielfaches an „Sitzungen“, um alle Aspekte darzulegen.

Von dem Bienensterben durch die Varroa-Milbe, die andere Imker mit drastischen Verlusten bis zu 100 Prozent schon ereilt hat, blieb Hartmann verschont. Nur rund zehn Prozent Einbußen beklagt er. Mit natürlichen Mitteln konnte er sich bisher relativ erfolgreich wehren: Im Mittelpunkt stehen dabei die Drohnen, also die männlichen Bienen. Durch ihre verlängerte Brutzeit von drei Tagen nistet sich die Milbe hier bevorzugt ein. Durch Drohnenrähmchen trennt Hartmann einen Teil der männlichen Tiere vom Volk. Durch deren Vernichtung wird schließlich auch die Varroa-Milbe abgetötet.

Quelle: op-online.de

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