„Grousmudder, deine Ohren“

+
Die Decke über den Kopf für die Großmutter: Uwe Friedrich stellte das Märchen Rotkäppchen szenisch dar.

Babenhausen - Die Besucher des Elsässer Abends am Samstag in der Stadtmühle hatten sich auf eine vergnügliche Veranstaltung eingestellt. Ihre Erwartungen wurden auf das Schönste erfüllt. Von Ulrike Bernauer

Nur eines gab es für diejenigen zu tun, die in den Dialekten, vor allem der Bowehaiser (Babenhäuser) Sprache, nicht ganz sattelfest sind: nämlich genau die Ohren zu spitzen. Sonst entging ihnen der eine oder andere Bowehaiser Ausdruck, den die Könner hervorsprudelten.

Richtig schwierig wurde es aber auch für die Kenner des heimischen Dialekts bei der Elsässer Mundart, die an diesem elsässisch-hessischen Abend ebenfalls häufig gesprochen wurde. Als Gäste gekommen waren Frédérique und Robert Bittendiebel aus der Partnerstadt Bouxwiller im Elsass. „Der Bouxwiller Dialekt wird von den Dialektologen gar nicht als solcher anerkannt, zu viele Nationen vermischten sich dort. Es kamen Menschen aus Baden, der Pfalz, aber auch Berliner oder Schweizer“, erklärte Robert Bittendiebel dem aufmerksam lauschenden Publikum vor Beginn seines eigentlichen Vortrages.

Besonders stark konzentrieren mussten sich die Gäste dann aber bei einem Text, den der Elsässer vorlas. Manche Passagen in dem fremden Dialekt waren klar verständlich, andere wieder kaum zu verstehen. Mundartkenner Uwe Friedrich, der durch den Abend führte, bewertete die Lesung, in der es um einige Damen ging, die darüber disputierten, ob man Goethe lesen dürfe, als einziges großes Vergnügen. Viele allemanische Begriffe hatte er aus dem Text herausgehört.

Verständlicher wurde es für die anderen Gäste, als Frédérique Bittendiebel das allseits bekannte Märchen „Rotkäppchen“ vortrug. „Im Elsass wird oft die deutsche Version des Märchens erzählt, die französische ist kürzer und endet mit dem Tod des Rotkäppchens“, erklärte die Elsässerin.

Bestens besucht war der Elsässer Abend in der Stadtmühle.

Rotkäppchen bekamen die Zuhörer gleich noch ein zweites Mal zu hören, diesmal allerdings in Bowehaiserisch und vorgetragen von Uwe Friedrich. Der kam mit Koffer auf die Bühne. Schnell erschloss sich der Zweck des Reiseutensils. Wenn Friedrich in die Rolle des „Roudkäbbsche“ schlüpfte, drückte er sich eine rote Mütze auf das Haupt. Als Wolf trug er eine braune Wollmütze und als „Grousmudder“ schmückte er sich mit einer weißen Häkeldecke. Die Zuschauer dankten ihm die komische Vorführung, die das bekannte Märchen so richtig würzte, mit viel Gelächter und schlussendlichem Applaus.

Liesel Groll hingegen verpackte viele Babenhäuser Namen in ihren Vortrag über den Ortsteil Sickenhofen. Die 1 025-Jahrfeier in diesem Jahr hatte die Dialektkennerin zum Anlass für ein Gedicht genommen, um nicht nur über Sickenhofen zu berichten, sondern über seine vielen Einwohner mit ihren Uznamen. „Wer hier nicht vorgekommen ist, dessen Namen hat sich einfach nicht gereimt“, sagte sie zum Schluss und lachte.

Auch Ria Fischer erfreute das Publikum mit einem Gedicht. Bei ihr ging es allerdings um die Geschichte eines alten Hauses, das in seinem langen Leben viele Schicksale begleiten darf. Sie widmete sich auch theoretisch dem Bowehaiser Dialekt und zeigte die französischen Fremdwörter darin auf: „Jeder kann Trottoir aussprechen, aber kann es auch jeder schreiben?“ Außerdem gebe es englischen Begriffe, die sich nicht nur in die Babenhäuser Sprache geschlichen haben. Bei all der geistigen Nahrung durfte auch die Speisung für den Magen nicht fehlen. Den Gästen des Abends mundeten der Zwiebelkuchen, der elsässische Guggelhupf, aber auch Wein und Sekt.

Quelle: op-online.de

Kommentare