Lebenswerter Stillstand

CDU und FWB: Grünewald-Areal soll kein Mischgebiet werden

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Aus der Luft ist das Gärtnereigelände an den Gewächshäusern deutlich zu erkennen. Links ist die Stadtkirche zu sehen, oben die katholische Kirche St. Josef. Wenn es nach dem Willen von CDU und Freien Wählern geht, soll dort ein „allgemeines Wohngebiet“ entstehen und nicht, wie von der Stadtverwaltung gewünscht, ein Mischgebiet.

Babenhausen - Die bisherige Planung für das innerstädtische Grünewald-Areal kann wohl ad acta gelegt werden. Im Bau- ausschuss sprach sich eine Mehrheit für ein „allgemeines Wohngebiet“ aus. Von Norman Körtge 

„Es ist ein kleiner Etappensieg“, sagt Nathalie Weidmann von der „Bürger-Initiative für ein l(i)ebenswertes Babenhausen“ (BILB) nach der Bauausschuss-Sitzung am Dienstagabend im Rathaus. In dieser hatte ein gemeinsamer Änderungsantrag von CDU und Freien Wählern (FWB) zur Abstimmung gestanden, der für das Areal der Gärtnerei Grünewald ein „allgemeines Wohngebiet“ vorsieht – und damit die Planung der Stadtverwaltung zunichtemachen würde. Denn der vom Magistrat ursprünglich eingebrachte Antrag für einen vorhabenenbezogenen Bebauungsplan an der Ecke der Straße An der Stadtmauer mit der Martin-Luther-Straße sah ein Mischgebiet vor. Dazu hatte – wie berichtet – das Aschaffenburger Unternehmen Kalkan eine Bebauung geplant, die fast zur Hälfte für Gewerbe gedacht ist. CDU, Freie Wähler und die FDP votierten nach fast anderthalbstündiger Diskussion für die Annahme des Änderungsantrags durch die Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstag, 8. März, um 19.30 Uhr im Rathaus öffentlich tagen wird. SPD und Grüne stimmten dagegen.

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Dass das Thema die Gemüter bewegt, zeigte sich auch an der voll besetzten Besuchertribüne im Sitzungssaal. Die BILB, die aus Protest gegen die geplante Bebauung gegründet worden war und bereits auf der Bürgerversammlung auf sich aufmerksam machte, hatte zur Teilnahme aufgerufen. BILB-Sprecherin Edith Kurtz kritisierte nach der Ausschuss-Sitzung, dass erneut keine Visualisierung des Projektes präsentiert wurde.

Ins gleiche Horn hatte zuvor FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Willand gestoßen, der sich enttäuscht zeigte, dass nachdem das Thema vor zwei Wochen von der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlungen genommen worden war, keine neuen Vorschläge oder Alternativen seitens des Magistrats oder des Investors vorgelegt wurden – weder eine Reduzierung der umstrittenen Gebäudehöhe von bis zu knapp 16 Metern oder eine Minimierung der Flächen fürs Gewerbe. „Wir haben nix, gar nix“, so Willand.

Bürgermeister Joachim Knoke (SPD), der noch einmal recht ausführlich den Werdegang des 2015 angestoßenen Projektes referiert hatte, entgegnete, dass nach dem Einreichen des Änderungsantrages von CDU und FWB Anfang Februar für ein „allgemeines Wohngebiet“ der Investor nun erst einmal die politische Entscheidung abwarte, bevor er weiter Geld in die Planung investiert.

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FWB-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Heil wiederholte seine Kritik, dass weder Stadtverordnete noch die Bürger frühzeitig über die geplante Bebauung und die Hintergründe informiert worden seien und nutzte eine Metapher, um dies zu umschreiben: „Über Jahre ist eine Suppe gekocht worden, dann wird sie ausgeschenkt und und keiner isst sie.“ Und er untermauerte das gemeinsame Anliegen von FWB und CDU: „Wir wollen dort kein Mischgebiet.“

Die Einwände, sowohl von Bauamtsleiter Christian Heinemann als auch Stadtplaner Oliver Schreiner, blieben fruchtlos. Unter anderem hatten sie vorgetragen, dass die in der Baunutzungsverordnung für ein „allgemeines Wohngebiet“ zulässigen Ladengeschäfte lediglich „der Versorgung des Gebiets dienen“ dürfen. Das wäre dann nur ein Einkaufskiosk. Es könnten zwar Ausnahmen zugelassen werden, aber „warum macht man dann nicht gleich ein Mischgebiet“, lautete der Tenor. Für die innerstädtische Entwicklung sei ein überwiegend zum Wohnen genutztes Gebiet dort nicht förderlich. SPD-Stadtverordnete Martina Seuß warnte davor, dass an dieser Stelle „Stillstand produziert “ werde.

Quelle: op-online.de

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