„Gutachten mangelhaft“

Babenhausen - Das Gutachten zur Westumgehung weise eklatante Mängel auf. Dieser Überzeugung zumindest ist die Bürgerinitiative „Nowest“, die in einer Pressemitteilung heftige Kritik an der städtischen Vorgehensweise übt und ein eigenes Zahlenwerk auftischt.

„Eine Westumgehung, sagte Bürgermeisterin Coutandin wiederholt in der Bauausschusssitzung, mache erst nach der Fertigstellung einer Südumgehung Sinn, und das ist auch das vorläufige Ergebnis der Machbarkeitsstudie zur Westumgehung“, erklärt die BI. Bereits bei der Präsentation der Ergebnisse im Fachausschuss sei indes deutlich geworden, dass die Studie erhebliche Mängel aufweise.

Schlicht übersehen hätten die Gutachter beispielsweise, wie eine Südumgehung an eine Westumgehung angebunden werden könne. Mit den Betreibern der B 26 und der L 3116 nach Dudenhofen seien zudem bisher noch gar keine Gespräche geführt worden, konstatieren die Beschwerdeführer.

Zu allem Überfluss zeige sich laut „Nowest“, dass die untersuchten Umgehungsvarianten nur Alibitrassen seien. So führe die Ostvariante durch Bannwald und eine Wasserschutzzone erster Priorität und sei damit nie realisierbar. Die BI schreibt: „Das schließlich die Anbindung einer kleinen Südumgehung per Tunneldurchstich unter der Bahntrasse auf die Bouxwiller Straße als sehr teuer eingestuft wird, war in Anbetracht der politischen Vorgaben kaum anders zu erwarten.“

Als „unseriös“ bezeichnet die BI Nowest die Kostenkalkulation für die Westumgehung, die mit 5,4 Millionen Euro für eine fast vier Kilometer lange Trasse mit vier Brückenbauwerken plus Rampen und Lärmschutzwänden für Sickenhofen und das Wohngebiet Erloch veranschlagt werde: „Das entspricht dem Preis, auf den sich der Kindergartenneubau Ludwigstraße inzwischen zu bewegt.“

Dass 20 Millionen Euro die Untergrenze für eine Westumgehung seien, rechnet die BI an einigen Beispielen vor. „Alleine die Sanierung der Ohlebachbrücke hat vor einigen Jahren schon rund 800 000 Euro gekostet, die Erneuerung des Brückenbauwerks an der Konfurter Mühle ist mit rund einer Millionen veranschlagt, der kleine Kreisel am Bismarckplatz mit rund 725 000 Euro und die Erstellung des Kreisels Bouxwiller Straße ist vor einigen Jahren mit über 1,5 Millionen Euro abgerechnet worden. Bei solchen Zahlen kann man pro Brücke für die Westumgehung sicher zwei Millionen Euro an Erstellungskosten annehmen, und das für eine Westumgehung von der B 26 über die Bahn und jeweils über den Ohlebach, die Gersprenz und die Lache. Da ist man schon bei acht Millionen. Dann fehlt in der gutachterlichen Rechnung noch die Anbindung an die Südumgehung, die Anbindung der Ziegelhüttenstraße und die Anbindung an den Kreisel Bouxwillerstraße. Da kommen dann leicht auf die acht noch mal rund fünf Millionen Euro obendrauf, womit die Kosten bei 13 Millionen angelangt sind.“

Und die Bürgerinitiative ergeht sich weiter in ihrem angenommenen Zahlenwerk: Wenn man jetzt noch wisse, dass das kurze Stück Lärmschutzwand im Schwimmbad rund 600 000 gekostet habe und ein Vielfaches davon für die Westumgehung notwendig werde, und schließlich noch Flächen für die Straße angekauft werden müssten und bis dahin noch kein Zentimeter Straße asphaltiert und geteert worden sei, dann „dürften 20 Millionen Euro an Baukosten für die Westumgehung die unterste Grenze sein und nicht die im Gutachten geradezu peinlich herunter gerechneten 5,4 Millionen“, beschließt die BI ihr eigenes Rechenexempel. 

tm

Quelle: op-online.de

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