Vierhändige Orgelmusik des Ehepaares Lenz in Hergershausen

Zu Händel passt Waldmeister

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Iris und Carsten Lenz ließen sich bei ihrem Konzert in der Hergershäuser Kirche auf die Finger schauen. Eine Kamera übertrug ihr Spiel auf eine Leinwand.

Hergershausen - Ein in vielerlei Hinsicht besonderes Orgelkonzert lockte am Sonntagabend gut 100 Zuhörer in die 1712 eingeweihte, malerische Dorfkirche. Das Musikerehepaar Iris und Carsten Lenz verzauberte die Besucher nicht nur mit virtuosem Orgelspiel. Von Petra Grimm 

Normalerweise können die Besucher der evangelischen Kirche in Hergershausen den Organisten bei seinem filigranen Spiel nicht beobachten. Und wenn, dann nur aus einem ungünstigen Blickwinkel. Am Sonntagabend war dies anders. Denn mit einer Kamera wurde das vierhändige und vierfüßige Spiel von Iris und Carsten Lenz auf eine große Leinwand in den Kirchenraum übertragen. „Den Unterschied zwischen einem und zwei Spielern kann man nicht hören, nur sehen“, begründete Carsten Lenz, der die einstündige musikalische Reise, die klassische und modernere Stücke bot, humorvoll moderierte. Und tatsächlich konnte man von jedem Platz in der Kirche die Hände und Füße der beiden beobachten als würde man direkt neben der Orgel sitzen.

Die Veranstaltung, die in ähnlicher Form vor fünf Jahren zum 100-jährigen Bestehen der Orgel schon einmal für volle Kirchenbänke sorgte, bot noch einen weiteren Clou. Denn sie war mit einem zusätzlichen, sinnlichen Genuss bereichert. „Sie brauchen heute nicht heimlich in ihren Taschen nach einem Bonbon zu suchen. Wir haben vier Nostalgiebonbons für jeden mitgebracht, die unserer Meinung nach zu vier der Stücke geschmacklich gut passen“, sagte Lenz, der einen Korb mit in kleine Tütchen eingepackte Bonbons durch die Zuschauerbänke schickte – mit der Aufforderung sich zu bedienen. „Aber schmatzen sie noch nicht gleich los. Denn es geht um Bonbon lutschen mit System. Das heißt, wir zeigen ihnen immer beim entsprechenden Stück auf der Leinwand ein Bild des Bonbons, das aus der Tüte zu nehmen und zu lutschen ist.“ Dabei überließ das Musiker-ehepaar, das nach eigener Auskunft zu einem der führenden Orgel-Duos in Europa gehört, nichts dem Zufall. „Wir haben die Lutschlänge der Bonbons getestet, sie müssen sich nicht beeilen. Ein Bonbon, das länger dauert, passt dann auch noch zum Folgestück“, so Lenz.

Mit diesen Instruktionen und einer Bonbontüte ausgestattet, genossen die Zuhörer bekannte Musikstücke für Orchester, Chor und Klavier – in diesem Fall an einer historischen Orgel gespielt. Die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1912, die sich im prachtvollen Gehäuse des Vorgängerinstruments aus dem Jahr 1721 befindet, war vor dem eigentlichen Konzert noch Gegenstand einiger Erläuterungen durch Lenz. Dabei fuhr eine kleine Kamera durch die Innereien des Instruments, sodass jede Orgelpfeife zu sehen war.

Neuer Wohlklang für Kirchenorgel

Inklusive einer Zugabe waren gut ausgewählte Stücke zehn verschiedener Komponisten zu hören. Mit Händel (The Grand Halleluja in the Messiah) und einem leichten, frischen Waldmeistergeschmack auf der Zunge ging es los. Das beliebte Stück „Air“ (aus der dritten Orchestersuite) seines Zeitgenossen Johann Sebastian Bach schloss sich an. Bei diesem eigentlich für Streicher geschriebenen Stück, benutzten die Musiker die Streicherklänge der Orgel. Mozarts Türkischer Marsch „Rondo alla Turca“ – ein damals beliebtes orientalisches Thema – wurde geschmacklich durch ein Bonbon mit Kokosgeschmack begleitet.

Dass eine Orgel auch Flötentöne kann, war bei Antonin Dvoráks Humoreske zu hören. Bei Johann Strauss´ „An der schönen blauen Donau“ schwangen die Beine in den Kirchenreihen im Walzertakt mit. Ein Höhepunkt für viele waren die Variationen von Carsten Lenz über Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“. Begeisterter Applaus und eine Spende am Ausgang war der Lohn für die beiden hervorragenden Musiker aus Wiesbaden, denen die Hergershäuser Pfarrerin Elke Becker für ihr zweites Gastspiel im Stadtteil auch im Namen der vielen Zuhörer herzlich dankte.

Quelle: op-online.de

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