„Da hängen viele Geschichten dran“

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Am Tag der deutschen Einheit hat der Turnverein in der Stadthalle einen großen Geburtstag gefeiert: 120 Jahre jung ist er geworden.

Babenhausen - Am Tag der deutschen Einheit hat der Turnverein in der Stadthalle einen großen Geburtstag gefeiert: 120 Jahre jung ist er geworden. Bei einem Verein, in dem 40 Prozent aller Mitglieder unter 18 Jahren sind, lässt sich durchaus von jung sprechen. Von Michael Just

Für viele andere hat er das ganze Leben geprägt: „Der TV ist für mich so etwas wie Heimat. Ich bin hier groß geworden und war hier mein Leben lang“, sagt beispielsweise Hannelore Brenner. Vom Kinder- und dem Frauenturnen, dem Spielmannszug, über das Thermalschwimmen, das sie mitbegründete, bis hin zur Wirbelsäulengymnastik, die sie demnächst besuchen will - der TV findet sich bei ihr in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 53 Mitgliedsjahre und eine Auszeichnung für besondere Verdienste sprechen für sich. „Ich suche mich gerade“, wirft die 63-jährige lachend ein. Dabei blickt sie leicht nach vorne gebeugt auf die Chronik, die im Nebensaal der Stadthalle aufgebaut wurde.

Viele hundert Fotos, Urkunden und Zeitungsausschnitte

Keine leichte Aufgabe, befinden sich hier auf über zwei Dutzend Stellwänden dicht an dicht viele hundert Fotos, Urkunden oder Zeitungsausschnitte. Dazu liegen auf Tischen weitere dicke Ordner gefüllt mit Material aus zwölf Jahrzehnten aus.

In der Abteilung „Spielmannszug“, den es seit 1991 nicht mehr gibt, wird Brenner das erste Mal fündig. „Wer im Leben niemals will alleine sein, der begebe sich in einen Turn-, Sport- oder Gesangverein“, zitiert sie schmunzelnd eine alte Weisheit, während sie ein altes Gruppenfoto der Spielmänner und -frauen von 1985 inspiziert. „Der ist auch bekannt“, deutet sie kurz darauf auf einen jungen Mann mit langen Haaren. Als Trommler habe er angefangen und dann die Pfeife gespielt. „Der konnte einfach alles“, sagt sie anerkennend.

Gemeint ist Bert Bernhardt, der im Lauf der letzten Jahre bewies, dass er Vereinsführung und Moderation ebenfalls kann. Bei der Jubiläumsfeier geleitete er zusammen mit Sabine Dirkes durch ein buntes Programm. Die rund 300 Besucher durften sich auf eine Vielzahl von Vorführungen, darunter vom Kinderturnen, den Sportakrobaten oder der Abteilung Akzeptanz freuen.

Dazu gab es reichlich Ehrungen. In Vertretung von Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte Erster Stadtrat Kurt Lambert, dass der Verein zurecht die Unterstützung und die Sicherheiten der Stadt für seine Turnhallensanierung bekommt. „Die große Rolle, die der TV in der Vergangenheit für Babenhausen spielte, soll er auch in Zukunft ausüben können“, so Lambert.

Auftritt der Band The Midlife Specials

Die Grüße vom Kreis überbrachte Erste Beigeordnete Rosemarie Lück. „Der TV hat viel zwischen Leistungs- und Breitensport getan. Dazu griff er immer wieder neue Sportarten auf“, lobte die Politikerin.

Neben den Turnvorführungen hatte die Band The Midlife Specials einen Auftritt. Die Formationen aus Langzeitarbeitslosen entstand aus einem Kreativ-Projekt der Kreisagentur für Beschäftigung.

Dass der TV auf ein festes Fundament aus 1 800 Mitgliedern bauen kann, wurde bei den Ehrungen deutlich: Für 25- bis 60-jährige Zugehörigkeit wurden fast 40 Namen aufgerufen (siehe Kasten). Die TV-Verdienstnadel für langjähriges Engagement bekamen Thomas Bludau und Stefan Kratz. Ein weiteres Dankeschön dafür, regelmäßig hilfreich zur Stelle zu sein, ging an Klaus und Marianne Bornschlegell sowie Anneliese Wege. Übungsleiterin Bärbel Kolod durfte sich über den „Pluspunkt Gesundheit“ freuen, den Ursula Kohl vom Turngau Odenwald verlieh. Den gab es für die psyschomotorische Förderung für Kinder im Grundschul- und Kindergartenalter. Kolod gilt beim TV als Tausendsassa: Nicht nur beim Kinderturnen ist sie aktiv, sondern hilft auch beim Basketball, beim Schwimmen und im Seniorenbereich. Derzeit erweitert sie ihr Wissen im Hinblick auf den Sport mit Demenzkranken.

Um viertel vor sechs konnte Bernhardt nach fast zwei Stunden, die mit einem kurzweiligen Programm gefüllt waren, noch eine weitere freudige Nachricht verkünden: „Der Kuchen ist fast alle.“ Das sei gut, da man nicht genau gewusst habe, wer alles kommt. Der Vorsitzende empfahl, noch einen zweiten Blick in die Ausstellung zu werfen. Das brauchte er den langjährigen TV-Mitgliedern wie Hannelore Brenner nicht zweimal zu sagen: Wie viele andere könnte die hier stundenlang schauen: „Da hängen so viele Geschichten dran“, sagte sie in reichlich Reminiszenzen versunken über ihr Leben beim TV.

Quelle: op-online.de

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