Mit Handy durch Fahrplan-Dschungel

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Auch eine Art der Fortbewegung: das sogenannte Freecross, eines von mehreren neuartigen Zwei- oder Dreirädern, die in der Kulturhalle zu Testfahrten ausgestellt waren. Das Funsport-Gerät funktioniert wie ein Crosstrainer, bewegt sich allerdings fort. Selbst für den erfahrenen Radfahrer Klaus Schmitt, Inhaber des Zweiradshops Niederhofer, stellt das Lenken noch eine kleine Herausforderung dar. „Das ist gar nicht so einfach.“

Darmstadt-Dieburg ‐ Ein eigenes Auto vor der Tür, voll getankt und jederzeit verfügbar - das ist für viele der Inbegriff von Mobilität. „Doch Mobilität ist mehr als ein Auto“, sagt Martina Rosanski vom Regionalmanagement Darmstadt-Dieburg, dem Veranstalter des „RegionsDialogs“ in der Schaafheimer Kulturhalle. Von Katrin Görg

Was heißt künftig Mobilität vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Notwendigkeit von CO2-Einsparung? Darüber sprachen Vertreter der Nahverkehrsorganisation Dadina, der Vermittlung für Mitfahrgelegenheiten flinc und des Anbieters für Elektromobilität movelo. Über den Vorträgen und Diskussionen standen die beiden Fragestellungen „Wie wird Mobilität umweltfreundlicher?“ und „Wie bleiben wir mobil, wenn wir altersbedingt fahruntüchtig sind?“

Die Antwort auf letztere scheint zunächst auf der Hand zu liegen: Wer kein Auto hat oder keines fahren kann, ist in der Regel auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Doch jeder, der schon einmal ein eigenes Auto hatte, möchte diese Bequemlichkeit nicht mehr missen – gerade auf dem Land. Ob sich in diese Richtung hin in den nächsten fünf bis 20 Jahren etwas ändern wird? Von elektronischen Chipkarten als Ersatz für die noch gängigen Papierfahrscheine und von Fahrplaninformationen übers Handy war die Rede. Letzteres solle schon ab 2011 eingeführt werden.

Per Handy wissen, wann der nächste Bus kommt

Matthias Altenhein, Geschäftsführer der Dadina: „An allen öffentlichen Fahrplänen werden Barcode-ähnliche Bilder abgebildet sein. Fotografiert der Fahrgast ein solches Muster mit seinem Handy, loggt sich dieses automatisch ins Internet ein und zeigt an, wie viel Wartezeit noch bleibt, bis der nächste Bus anrollt.“ Um sicher zu stellen, dass dieser auch pünktlich ist, soll es eine „Pünktlichkeitsüberwachung“ geben. „Schon jetzt haben wir die Zehn-Minuten-Garantie für Busse. Wird diese Marke überschritten, erstatten wir den Fahrpreis“, so Altenhein. Für Züge gelte die Regelung noch nicht.

Doch was tun, wenn gerade kein Bus fährt? Mit diesem Problem beschäftigt sich das zwei Jahre junge und neun Mann starke Darmstädter Unternehmen flinc. „Unsere Vision ist es, jeder Person, die ein Handy besitzt, die Möglichkeit zu geben, so flexibel zu sein, als hätte sie ein eigenes Auto“, sagte flinc-Mitbegründer Benjamin Kirschner. „Im Schnitt sitzen in einem fahrenden Personenwagen nur 1,3 Menschen. Die übrigen Sitzplätze möchten wir gerne füllen.“ Und wie soll das funktionieren? „Ganz einfach“, meint Kirschner. „Angenommen ich möchte zur Uni fahren. Dann logge ich mich mit meinem Handy bei flinc ein und teile dem System meine Zieladresse mit. Dieses vergleicht die Wegstrecke mit Autofahrern, die gerade unterwegs sind und vor ihrem Fahrtantritt bei flinc angegeben haben, wo sie gerade hinfahren.

Wann der Landkreis Darmstadt-Dieburg von flinc erschlossen wird, ist noch ungewiss. Zumindest anmelden, können sich potentielle Mitnehmer und Mitfahrer im Internet auf der Seite von flinc.

Landrat Klaus Peter Schellhaas zeigte sich durchaus interessiert und versprach dem jungen Unternehmer, noch vor Dezember mit ihm darüber ins Gespräch zu kommen.

Wer in Richtung Uni fährt, bekommt eine Meldung, dass ich mitgenommen werden möchte. Akzeptiert der Fahrer die Anfrage, so wird er von seinem Handy zu meinem Standort navigiert. Der Umweg dauert dabei nicht länger als zwei Minuten. Je nach Fahrtzeit berechnet mir das System dann einen Betrag, den ich dem Fahrer zu zahlen habe. Das funktioniert nicht in bar, sondern per Abrechnung am Monatsende.“ So weit die Theorie. Denn momentan befindet sich das Projekt noch in der Testphase und soll frühestens Anfang 2011 gestartet werden. „Region für Region und je nach Nachfrage. 300 Interessierte sollten es schon sein“, bemerkte Kirschner.

Quelle: op-online.de

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