Heimat- und Geschichtsverein

Hans Fengel berichtet über Babenhäuser Originale

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Beim Neujahrsbrunch stellte Georg Wittenberger (oben) den Jahresfahrplan des Heimat-und Geschichtsvereins vor. Hans Fengels (links) Vortrag stellte Babenhäuser Originale vor.

Babenhausen - Dem neuen Jahr liegt stets ein Zauber inne. Kommt man in den ersten Tagen des Januars zusammen, fördert das die Verbundenheit und den Zusammenhalt. Das weiß auch der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) und lud seine Mitglieder zum Neujahrsbrunch. Von Michael Just 

Der Ort des Neujahrsbrunchs hätte kaum besser gewählt sein können: Es war das Hotel Adler in der Amtsgasse. Der Fachwerkbau geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Bauherr war die Adelsfamilie Gayling. 2009 erwarb Siegfried Schildbach das Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Territorialmuseum und sanierte es über Jahre zu einer Herberge mit historischem Ambiente. Schmuckstück ist der Frühstücksraum, der an den Wänden zahlreiche Fresken aufweist. Obwohl über Jahrhunderte alt, leuchten sie in einer Pracht, als wäre der Maler erst gestern zugange gewesen. Für Geschichtsfreunde ein idealer Ort, um ein paar gesellige Stunden mit Aus- und Rückblick sowie neuen Informationen über die Stadtgeschichte zu verbringen.

Unterhaltender wie informativer Höhepunkt war der Vortrag von Mitglied Hans Fengel, der seine Rechercheergebnisse über Babenhäuser Originale vorstellte. Bevor Fengel loslegte, umriss HGV-Vorsitzender Georg Wittenberger kurz die wichtigsten Vorhaben des Vereins für 2018. Dazu zählen unter anderem zwei Ausstellungen: Im Frühjahr wird der Maler Willi Seibert seine Impressionen aus den Stadtteilen vorstellen. Im Herbst soll dann die „Kunststoffstraße“ im Landkreis vertieft werden. Um die vielfältige Welt dieses Werkstoffs besser zu verstehen, wurde eine Führung bei der Continental arrangiert. In seinem Weihnachtsbrief an die Mitglieder zog Wittenberger bereits ein erfolgreiches Fazit für 2017. Zu einem der Höhepunkte zählte dabei die Eröffnung des Lapidariums am Territorialmuseum und der Serenadenabend. Er bot neben dem Auftritt des Blasorchester Babenhausen die Erstaufführung des Theaterstücks „Mord im Territorialmuseum“. Zudem luden über das Jahr gleich drei Sonderausstellungen ins Museums: Tuschezeichnungen von Helmut Pfau waren ebenso zu bewundern wie die Schau „Wald und Märchen“ von Hessen-Forst oder die „Pinsel-Dramen“ von Helmut Rottke.

Während Rottke nur seine Kindheit in Babenhausen verbrachte, lag es anderen fern, die Gersprenzstadt jemals zu verlassen. Dazu zählten fast alle Originale, die Hans Fengel mit mehreren Anekdoten porträtierte. Wie immer erhielten solche Personen Spitz- oder Annamen, die für viele geläufiger sind als deren richtige Vor- und Familiennamen. Vor allem alteren Babenhäusern dürften Bezeichnungen wie „Klößer-Hannes“ oder ,,Gemies-Geisslern“ („Gemies steht für Gemüse“) sofort etwas sagen und Erinnerungen aufkommen lassen. „Elisabeth Geissler besaß zu meiner Kindheit einen kleinen Gemüseladen“, berichtete der 65-Jährige. Die Frau mit der ausgeprägten Nase fuhr morgens schon um vier Uhr auf den Frankfurter Großmarkt. Dort behauptete sie sich in der rauen Männerwelt und drückte ihre Preisvorstellungen durch. „Sie war schon emanzipiert, da wussten viele noch gar nicht, wie man das schreibt“, formulierte Fengel.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Zum Original machte sie ihre direkte Art und dass „Stille in ihrer Gegenwart stets gegen geregelte Hektik ausgetauscht wurde“. Zum Schmunzeln brachte der Referent seine Zuhörer mit der Information, dass ihr Mann Schorsch genau das Gegenteil darstellte. Der Hobby-Imker verkrümelte sich oft zu seinen Bienen. Eine Überraschung war, als die Lisbeth auf dem Großmarkt den Ungar Gyula Fiskovic kennenlernte und dieser bei den Geisslers als Untermieter einzog. Später heiratete der Neu-Babenhäuser sogar Tochter Gerda.

Wie Fengel abschließend betonte, sei es wertvoll, die Erzählungen über urige Persönlichkeiten der Stadt, von denen keiner mehr lebt, zu erhalten. Das sei allerdings nicht immer einfach: So wären nicht alle Nachfahren davon angetan, wenn zu viele Eigenheiten ihrer Ahnen an die Öffentlichkeit gelangen.

Quelle: op-online.de

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