Immer mehr Betroffene

Hans-Peter Förster will Diabetes-Selbsthilfegruppe etablieren

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Aus der jüngsten Info-Veranstaltung von Hans-Peter Förster (links) und Dr. Harald Perschbacher hat sich in Babenhausen eine neue Selbsthilfegruppe zum Thema Diabetes entwickelt.

Babenhausen - Diabetes gilt als neue Volkskrankheit. Acht bis zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Da die Zahlen weiter steigen, will Hans-Peter Förster reagieren: Im Saal des Gasthauses zum Schwanen lud er nun Betroffene ein und regte die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Babenhausen an. Von Michael Just

Es war 2002, als Hans-Peter Förster, ehemaliger Systemadministrator bei einem großen Automobilhersteller, von seiner Krankheit erfuhr. „Danach entstand eine Zeit der Irrungen und Wirrungen“, erinnert sich der heute 63-Jährige. Viele Ratschläge, gerade bei der Ernährung, hätten sich als ungenau oder als Halbwahrheiten offenbart. Parallel verschlimmerte sich bei ihm die Krankheit: Die Tabletten reichten nicht mehr aus, der Griff zur Insulin-Spritze wurde nötig. Aufgrund der vielen Fragezeichen wollte Förster für sich und andere Licht ins Dunkel bringen: In seinem ehemaligen Wohnort Rödermark gründete er eine Selbsthilfegruppe, die mittlerweile seit 13 Jahren besteht. Nach dem Umzug nach Babenhausen hat Förster vor, in der Gersprenzstadt einen ähnlichen Treff zu etablieren. Für die Einführungsveranstaltung, die von rund 20 Interessierten besucht wurde, holte er sich den Babenhäuser Apotheker Dr. Harald Perschbacher an die Seite. Der gab in einem Impuls-Vortrag grundlegende Informationen zum Thema an die Hand.

Perschbacher stellte mit Typ I und II die verschiedenen Erscheinungen von Diabetes vor. In beiden Fällen treten Probleme mit dem Insulin auf. Bei Typ I produziert es der Körper nicht, bei Typ II ist es zwar vorhanden, wirkt aber nicht wie es sollte. Typ II kommt bei 90 Prozent der Betroffenen vor und hat vor allem mit Übergewicht und falscher Ernährung zu tun. Letztere Entwicklung tritt vor allem in modernen Gesellschaften auf, wo Diabetes mehr und mehr als „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ gilt. 20 Prozent der Krankenkassen-Ausgaben fallen bereits auf die Krankheit, 50 Prozent der Amputationen gehen darauf als Hauptursache zurück. „Früher galt Typ II als Altersdiabetes. Heute haben ihn schon Kinder“, ergänzt Perschbacher. Während bei Typ II die Krankheit vermieden oder durch geänderte Lebensweise verzögert werden kann, sieht das bei Typ I anders aus. Hier ist die Sache in der Regel erblich, weshalb sie auch schlanke Menschen betrifft.

Försters Selbsthilfegruppe in Rödermark kommt einmal im Monat zusammen. Bei zehn bis 50 Teilnehmern liegt der Zuspruch. Da die Krankheit viele Bereiche tangiert, gehen die Themen nicht aus: Sie reichen von der Haut, die sich im Zuge von Diabetes verändert, über Nordic Walking als Bewegungsart bis hin zu Tipps bei der Patientenverfügung. In Rödermark hat Förster, der bei den hessischen Diabetikern als Info-Lotse agiert, eine Walking-Gruppe initiiert. Ob ihm das in Babenhausen ebenfalls gelingt, wird sich zeigen. Auf alle Fälle fiel die Veranstaltung auf fruchtbaren Boden. Mit der Erkenntnis, dass Fragebedarf besteht, will man sich zum Einstieg einmal im Quartal treffen.

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Dr. Harald Perschbacher sieht die Selbsthilfegruppe nicht zuletzt als wichtige Maßnahme zur Vorbeugung. „Wissen ist eine gute Prophylaxe“, sagt er. Für Betroffene sei Aufklärung erst recht wichtig. Wissen trete immer noch als die beste Medizin auf und führe zu einem erleichterten Umgang mit der Krankheit. Laut dem Experten lässt sich Diabetes mit heutigen Mitteln gut behandeln. Als passendes Beispiel gelte der bekannte Gewichtheber Matthias Steiner.

Trotzdem: Diabetes sollte niemals unterschätzt werden: „Es tut nichts weh und man hat keine Schmerzen“, weiß Perschbacher. In dieser Zeit könnten aber bereits unbemerkt Folgeschäden auftreten, die nicht mehr umkehrbar sind. Das nächste Treffen der Diabetiker Selbsthilfegruppe Babenhausen steht noch nicht fest. Den Termin will Förster aber frühzeitig bekanntgeben.

Quelle: op-online.de

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