Hantieren mit Chemikalien

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Erst nachdem die Gefahrgut-Substanzen genau geklärt sind, geht es an die Bergung von Verletzten oder das Abpumpen des verbliebenen Gefahrenstoffs.

Babenhausen - „Der heikle Punkt ist das Funkenreißen“, erklärt Werner Flechsenhar von der Babenhäuser Feuerwehr: „Bildet eine ausgetretene Gefahrgutflüssigkeit giftige Gase, können die sich entzünden, und es besteht Explosionsgefahr.“ Von Michael Just

Mit Aceton und Heptan habe man für die Übung zwei Flüssigkeiten ausgewiesen, die hochentzündlich sind: „Da reicht ein Funke zur Explosion, der bereits durch das Anmachen eines Motors oder eines Radios entstehen kann.“

So war bei der Zwei-Tages-Übung der Babenhäuser Blauröcke, die man am Freitag und Samstag zusammen mit der Feuerwehr Sickenhofen durchführte, erhöhte Vorsicht angesagt, wollten die insgesamt 45 Teilnehmer von den Ausbildern ein Lob für das vorbildliche Erfüllen ihrer Aufgabe kassieren. Für diese Aus- und Weiterbildung hatte man zwei Gruppen geschaffen, die sich abwechselnd dem Gefahrgutunfall und einer weiteren technischen Hilfeleistung stellen mussten.

Seltener Einsatz: Aufgrund der Belastung für das Abwasser und die Kläranlage finden Schaumübungen nur in großen Abständen statt. 

Bei der zweiten Aufgabe inszenierte man ein Szenario auf dem Gelände der Kiesgrube Schumann, bei der es galt, einen eingeklemmten Mitarbeiter auf einem Schwimmbagger zu befreien. Doch bevor es am Samstag in die Praxisübungen ging, stand am Freitag zuerst ein Theorietag mit Fahrzeug- und Gerätekunde (Schwerpunkt „Gefahrgut“) an. „Was da gelernt wird, klopfen wir dann in der Übung ab“, erklärt Flechsenhar zum inszenierten Unfall am nächsten Tag auf dem Bauhof. Dabei näherte sich ein mit Atemschutz ausgestattetes „Voraus-Team“ dem Unimog, um zuerst - wenn auch nur angedeutet - den Sauerstoffgehalt der Luft und die Konzentration der giftigen Dämpfe zu messen. Danach führte der Weg ins Führerhaus, um die Papiere, die Aufschluss über das transportierte Gefahrgut geben, an den Einsatzleiter weiter zu reichen. Erst dann wurde das Ausbreiten der Dämpfe mit einem Schaumteppich über der Lache gestoppt und die verbliebene Flüssigkeit aus den leckenden Behältnissen abgepumpt. Zum aufgebauten Dreifach-Brandschutz aus Schaum, Pulver und Wasser fand parallel ein Erdungs- und Potenzialausgleich der Unfallstelle statt. Eine wichtige Rolle nimmt bei einem Gefahrgutunfall das Voraus-Team ein: „Es symbolisiert quasi die Augen und Ohren des Einsatzleiters“, erklärte Wehrführer Florian Sawallich. Der Einsatzleiter stehe als „Denker und Lenker“ in sicherer Entfernung hinter der Atemschutzgrenze und entscheide über das Vorgehen. So sei er auf besonders detaillierte Rückmeldungen angewiesen. Grundlegend ist laut Sawallich, dass man bei einem Gefahrgutunfall extreme Vorsicht walten lässt: „Oft läuft eine Substanz bei einem solchen Unfall noch minutenlang aus, obwohl die Feuerwehr schon längst vor Ort ist. Es muss immer zuerst geklärt werden, um welchen Stoff es sich handelt.“

Nur so könne man die Explosionsgefahr einschätzen, die erstmal gefährlicher ist als ein verschmutztes Erdreich. Den Schaumeinsatz bezeichnete Sawallich als seltene Erfahrung für seine Kameraden: „Das wird aus ökologischen Gründen nicht oft geübt. Wir mussten im Vorfeld die Kläranlage darüber informieren, um die Bakterienbestände in den Reinigungsbecken nicht zu gefährden.“ Insgesamt zeigten sich die Ausbilder mit der Kompetenz der Kameraden sehr zufrieden.

Am Samstagabend schloss man die Übung im Feuerwehrhaus Sickenhofen mit einem gemütlichen Beisammensein aller 45 Teilnehmer samt Familie ab.

Quelle: op-online.de

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