Betriebskostenzuschuss gestrichen

„Schwimmbädchen“ in Harpertshausen vor dem Aus?

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Im Frühjahr beim Vorstandswechsel im Harpertshäuser Schwimmverein Blau-Weiss von Klaus Timmerhaus (links) auf Arne Pätzold herrschte eitel Sonnenschein. Nun sind dunkle Wolken über die Zukunft des Freibades gezogen.

Mit deutlichen Worten nimmt der Harpertshäuser Schwimmvereins Blau-Weiss, Stellung zu dem in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung getroffenen Sparbeschluss. 

Harpertshausen – „Wir sind schockiert, dass die CDU einen solchen Antrag eingebracht hat und den sozialen Treffpunkt junger Familien aus Harpertshausen entfernt sehen möchte“ – mMit den Stimmen von FWB und FDP beschloss das Stadtparlament den CDU-Antrag, ab dem Jahr 2021 dem Verein für den Betrieb des Schwimmbeckens den Betriebskostenzuschuss in Höhe von 8 000 Euro zu streichen. SPD und Grüne stimmten dagegen.

Als Begründung hatte CDU-Politikerin Heidrun Koch-Vollbracht in der Sitzung angeführt, dass das Schwimmbad nur für Vereinsmitglieder nutzbar sei. Im Antrag hieß es darüber hinaus, dass das Freibad daher keine öffentliche Sportstätte sei, eine Vereinsförderung in dieser Höhe aufgrund der Haushaltssituation nicht nachvollziehbar sei und das Babenhausen keine zwei Schwimmbäder betreiben könne. Eigentlich hatte die CDU gefordert, den Zuschuss bereits für 2020 zu streichen. Da aber vertragliche Verpflichtungen bestehen, wie Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) anführte, sei eine Kündigung erst für 2021 möglich.

Wie Vorsitzender Pätzold auf Anfrage berichtet, sei ein Betrieb ohne den Zuschuss mit dem aktuellen Vereinsvermögen maximal ein Jahr aufrecht zu erhalten. Mit den 8 000 Euro werden unter anderem Strom, Wasser, Abwasser, Versicherungen (Elementarversicherung), Chemikalien sowie Instandhaltungskosten bezahlt. Im Betriebsführungsvertrag ist zudem festgehalten, dass, wenn in einem Betriebsjahr der Zuschuss nicht ausgeschöpft wird, das überschüssige Geld an die Stadt zurückfließt. Reiche der Zuschuss nicht, finanziert der gemeinnützige Verein diese Kosten aus dem Vereinsvermögen.

„Harpertshausen ohne Schwimmbad ist für uns undenkbar. Gerade in den letzten Jahren haben wir massiven Zuwachs der Mitglieder von jungen Familien bekommen“, berichtet Pätzold. Im laufenden Jahr sei die 400-Mitglieder-Marke überschritten worden – bei etwa 700 Einwohnern in Harpertshausen. Jedes Jahr findet im Bad mindestens ein Schwimmkurs einer Schwimmschule statt. Außerdem nutzen andere Vereine, etwa die Turnerfrauen für Aquagymnastik, das Schwimmbad. „Das Schwimmbad ist ein Kleinod für junge Familien, das im Landkreis, vielleicht sogar Land einzigartig ist“, so Pätzold. Vom 19. Mai bis 12. September zählte das Bad in diesem Jahr 1 623 Besucher.

Auch zu dem von CDU-Stadtverordneter Koch-Vollbracht vorgetragenen Vorfall, dass Nichtmitgliedern der Zutritt verweigert wurde, nimmt Pätzold Stellung. Wie er berichtet, habe diese Person das Angebot kategorisch abgelehnt, eine Mitgliedschaft abzuschließen, um sofort baden gehen zu können. „Es blieb der Aufsicht nichts anderes übrig als dieser Person das Baden zu verweigern. Wäre es gestattet worden, ohne Vereinsmitgliedschaft das Bad zu nutzen, wäre das ein Verstoß gegen die auferlegten Regeln des sicheren Badebetriebes gewesen, ohne deren strikte Einhaltung das Risiko im Falle eines Unglücks für den Vorstand unkalkulierbar ist.“

In der politischen Diskussion hatte Harpertshausens Ortsvorsteherin und SPD-Abgeordnete Martina Seuß den Antrag als einen „Affront gegen die im Verein ehrenamtlich Tätigen“ bezeichnet und von „Sparwahn“ gesprochen. Sie erinnerte daran, dass es im kleinsten Babenhäuser Stadtteil kaum Feizeitangebote gebe. Der fraktionslose Adolf Breer, der die Einrichtung liebevoll „Schwimmbädchen“ nannte, kritisierte, dass den Kindern etwas Wichtiges weggenommen würde und „das Engagement ihrer Eltern mit Füßen getreten“ werde. Grünen-Politiker Manfred Nodes nannte den Schwimmverein ein „vorbildhaftes Beispiel für großes ehrenamtliches Engagement“, weshalb seine Fraktion den CDU-Antrag auch strikt ablehne.

Quelle: op-online.de

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