Harreshäuser Feuerwehr gibt auf

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2007 ein Opfer von Sturmtief „Kyrill“, danach saniert, jetzt funktionslos: das Feuerwehrhaus in Harreshausen. Es könnte demnächst als Vereinsgebäude dienen.

Babenhausen - Es zeichnete sich ab und jetzt ist es wahr geworden: Die Feuerwehr Harreshausen ist Geschichte. Von Stefan Scharkopf

Bei der Jahreshauptversammlung der Gesamtfeuerwehr Babenhausen gestern Abend haben Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Stadtbrandinspektor Mario Wörner die Schließung der Stadtteil-Feuerwehr bekannt gegeben. Ursache hierfür sei die fehlende Wehrführung und die seit Längerem nicht mehr gewährleistete Einsatzbereitschaft, wie Coutandin mitteilt. In seiner jüngsten Sitzung zog der Magistrat diese woche die Reißleine: Künftig stellt nun die Feuerwehr Babenhausen den Brandschutz in Harreshausen sicher. Dies gilt auch für Einsätze bei Unwettern und anderen Großschäden.

Zuletzt waren es noch 14 aktive Feuerwehrleute in der Einsatzabteilung, sagte Wörner. Nach der Auflösung werden vier Brandschützer bei der Kernstadt-Wehr mitmachen und die Jugendfeuerwehr mit ihren sechs Leuten wird ebenfalls aufgenommen. Der Förderverein sowie die Ehren- und Altersabteilung wollen bestehen bleiben.

Betriebskommission entscheidet über weitere Nutzung

Über die weitere Nutzung des Feuerwehrgerätehauses, das 2007 noch saniert werden musste, nachdem Sturmtief „Kyrill“ das Dach beschädigte, wird die Betriebskommission entscheiden. Coutandin schlägt vor, das Haus als Vereinsgebäude Vereinen und Initiativen zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz zum Alten Rathaus ist es barrierefrei und verfügt über einen abschließbaren Hof, so dass sich auch Kinder gut dort aufhalten können.

Überall im Land verringert sich die Bereitschaft für den freiwilligen Dienst in den Feuerwehren. In Harreshausen ergänzten offenbar auch private Konflikte die ohnehin schwierige Situation.

Der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Harreshausen war es bis zur Jahreshauptversammlung am 11. Februar nicht gelungen, eine neue Führung zu bilden. Wehrführer Christian Funk legte sein Amt nieder; zwei Wochen später trat auch der stellvertretende Wehrführer H. Rauschenbach zurück.

Frist am 1. April verstrichen

Die Bürgermeisterin, Dienstherrin der Feuerwehren der Stadt Babenhausen, forderte die Versammlung letztmalig auf, eine neue Wehrführung zu bilden. Als Frist setzte sie den 1. April fest. Diese ist verstrichen, eine Wehrführung gibt es nicht.

Stadtbrandinspektor Mario Wörner hatte Anfang März den Magistrat ausführlich über die Lage informiert und empfohlen, die Einsatzabteilung Harreshausen zu schließen. Mit „großem Bedauern“ folgte der Magistrat dieser Empfehlung in seiner Sitzung am 6. April. Wörner: „Es ist natürlich bedauerlich, dass wir diesen Schritt gehen mussten. Aber wenn beispielsweise bei Übungen nur zwei Mann auftauchen, bleibt uns nichts anderes übrig. Wir sind letztlich auf jeden einzelnen Feuerwehrmann angewiesen. Besonders bei Unwettern oder anderen großen Ereignissen werden die Leute fehlen. Da muss die Kernstadt aushelfen, aber auch die Wehren der Stadtteile.“

Schlechte Einsatz- und Übungsbeteiligung

Rückblickend zeichnete sich die Entwicklung bereits seit mehreren Jahren ab. Im Sommer 2004 legte der damalige Wehrführer Bauer sein Amt nieder, weil er die Verantwortung nicht mehr übernehmen wollte. Wörner: „Man will seine Aufgabe ja auch gewissenhaft erledigen.“ Grund damals wie heute war die schlechte Einsatz- und Übungsbeteiligung, so Coutandin. Nachdem sich zunächst niemand bereitfand, die Wehrführung zu übernehmen, drohte bereits damals die Schließung. Um dies zu verhindern, stellte sich Christian Funk für das Amt des Wehrführers zu Verfügung. „Trotz großen Engagements ist es der Wehrführung nicht gelungen, die alten Missstände abzustellen und die Disziplin zu verbessern. Für einen Erstangriff war die Einsatzstärke nicht gewährleistet, und nur wenige zeigten Bereitschaft, Lehrgänge zu besuchen. Private Auseinandersetzungen beeinträchtigten zudem das Miteinander in der FFW Harreshausen nachhaltig“, erläutert Coutandin.

Konzept brachte nicht den gewünschten Erfolg

Nach etlichen Amtsniederlegungen im Vereinsvorstand schalteten sich Stadtbrandinspektor Mario Wörner und sein Stellvertreter Kai Pasek ein. Sieben Sitzungen lang versuchten sie gemeinsam mit der Einsatzabteilung, die Feuerwehrleute neu zu motivieren. Doch die Zweifel überwogen, und auch ein eigens erarbeitetes Konzept zur Weiterführung der Wehr brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Coutandin: „Von mir wie auch von den Stadtbrandinspektoren wurde unmissverständlich klargestellt, dass die Stadt die Schließung nicht will. Doch in jedem Fall muss der Brandschutz in Harreshausen gewährleistet sein; kann dies die Feuerwehr nicht, fehlt ihre Existenzgrundlage.“

Quelle: op-online.de

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